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Coronavirus : Biontech will Werk für mögliche Impfstoffproduktion übernehmen

Eine Mitarbeiterin von Biontech steht im Labor des Unternehmens. Bild: dpa

Biontech will künftig einen möglichen Corona-Impfstoff in Marburg herstellen. Auch der amerikanische Präsident Trump setzt offenbar Hoffnungen auf die Mainzer.

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          Der amerikanische Präsident Donald Trump geht von einem wirksamen Coronavirus-Impfstoff in den nächsten drei bis vier Wochen aus. „Wir stehen kurz vor einem Impfstoff“, sagte er dem Sender ABC News. Diese Aussage hat offenbar auch mit Forschern aus Mainz zu tun. Denn das dort sitzende Biotechnologieunternehmen Biontech und der Pharma-Riese Pfizer haben vergangene Woche bekräftigt, bei erfolgreichen Ergebnissen ihrer Phase-3-Studie eines gemeinsamen Impfstoffkandidaten bereits im Oktober die Zulassung dafür zu beantragen. Diesen Zeitplan bekräftigte Biontech-Chef Ugur Sahin am Donnerstag in einem Gespräch mit Journalisten. 

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zudem gab Sahin bekannt, dass Biontech für die Herstellung eines möglichen Corona-Impfstoffs von dem Schweizer Pharmakonzern Novartis dessen Produktionsstätte in Marburg übernehmen will. Das Geschäft soll demnach noch vor Jahresende abgeschlossen werden. Biontech plant unter Vorbehalt der behördlichen Genehmigung, in dem Werk bereits im ersten Halbjahr 2021 bis zu 250 Millionen Dosen des möglichen Impfstoffs herstellen zu können, bei vollem Betriebsumfang sollen die Produktionskapazitäten bei 750 Millionen Dosen pro Jahr liegen. In dem Werk in Marburg sind Unternehmensangaben zufolge rund 300 Mitarbeiter beschäftigt. Über den Kaufpreis machten weder Biontech noch Novartis Angaben. 

          Das Mainzer Unternehmen hatte gemeinsam mit seinem amerikanischen Partner Pfizer Ende Juli einen weltweiten Test zu dem möglichen Impfstoff mit rund 30.000 Probanden gestartet. Für die klinische Untersuchung, bei der die Wirksamkeit des Stoffes sowie mögliche Nebenwirkungen überprüft und die geeignete Dosis bestimmt werden sollen, hat Biontech den Wirkstoff BNT162b2 als Hauptkandidaten ausgewählt.

          „Dieser Zukauf unterstreicht Biontechs Engagement, die Produktionskapazitäten erheblich zu erweitern, um nach Marktzulassung eine weltweite Versorgung mit einem potentiellen Impfstoff zu ermöglichen“, sagte Finanzvorstand Sierk Poetting. Man arbeite eng mit Novartis zusammen, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen.
          Die Anlage in Marburg soll eine der größten Produktionsstätten für auf dem Botenstoff mRNA basierenden Impfstoffkandidaten in Europa werden. Neben der Herstellung von Wirkstoffen zum Schutz vor einer Covid-19-Infektion plant Biontech, die Produktionsstätte für die Herstellung weiterer Therapeutika und Impfstoffkandidaten zu nutzen, etwa gegen Krebserkrankungen und andere Infektionskrankheiten. 

          Nobelpreis in Produktionsstätte investiert

          Die Produktionsstätte in Marburg hat eine lange Tradition. Die so genannten Behringwerke wurden 1904 von Emil von Behring erbaut. Er entwickelte das Gegengift für Diphterie und Tetanus und nutzte das Geld aus dem Nobelpreis 1901, um die Produktionsstätte zu erbauen. Seitdem werden dort unter anderem Impfstoffe hergestellt.

          Heinrich Moisa, Geschäftsführer von Novartis Deutschland, sagte, er sei „davon überzeugt, dass Biontech die richtigen Voraussetzungen vorfindet, um mitzuhelfen, die aktuell wohl größte globale Herausforderung zu bekämpfen und den Pharmastandort Marburg als wichtigen Teil der Pharma- und Impfstoffproduktion in Deutschland und Europa zu stärken.“

          Impfstoff zeigt milde Nebenwirkungen

          Sahin erklärte, der derzeit getestete Impfstoff werde zwei Mal verabreicht: am Tag eins sowie nochmals drei Wochen später. Der Wirkstoff zeige bei den klinischen Tests bislang eine gute Verträglichkeit mit „milden bis moderaten Nebenwirkungen“, beispielsweise Schmerzen an der Einstichstelle oder Fiebersymptomen bei einer Zahl von Probanden. Diese Folgen seien aber vorübergehend.

          Der Impfstoff sei in der Lage, sowohl die Bildung von spezifischen Antikörpern als auch von T-Zellen zu fördern. Beide sind für die Immunabwehr wichtig. 

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