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Tödliche Infektionskrankheit : BioNTech kämpft gegen Malaria

Eine Mücke der Gattung „Anopheles gambiae“, ein bekannter Verbreiter der Malaria-Erkrankung, saugt Blut aus dem Arm eines Menschen. Bild: dpa

Der Impfstoffhersteller BioNTech will eine Impfung gegen Malaria entwickeln und Produktionskapazitäten in Afrika aufbauen. Namhafte Partner wie die Gates-Stiftung helfen mit.

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          Lediglich den Stich einer infizierten weiblichen Anopholesmücke braucht es, um eine durch Parasiten ausgelöste Malaria-Infektion hervorzurufen. Solch ein vergleichsweise simpler Stich war allein im Jahr 2019 Ursache für schätzungsweise 229 Millionen neue Fälle von Malaria. Rechtzeitig erkannt kann Malaria zwar behandelt und geheilt werden. Dennoch zählte die Weltgesundheitsbehörde WHO allein im vorletzten Jahr 409.000 Malaria-Tote. Die Krankheit tritt überwiegend in afrikanischen Ländern auf und ist vor allem für jüngere Kinder unter fünf Jahren besonders gefährlich. Etwa drei von vier Todesfällen entfällt auf diese Gruppe. Im Kampf gegen die Infektionskrankheit engagieren sich deshalb schon seit Jahren viele Stiftungen, Institutionen, Unternehmen und Forscher.

          Ilka Kopplin
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dazu zählt nun auch der Mainzer Impfstoffhersteller BioNTech. Das Ziel der am Montag angekündigten Initiative: Einen Malaria-Impfstoff auf Basis der eigenen mRNA-Technologie zu entwickeln, und zudem Produktionskapazitäten vor Ort zu etablieren, teilte das an der Nasdaq notierte Unternehmen auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der gemeinnützigen Kenup-Stiftung, hochrangigen Vertretern der WHO, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der Gates-Stiftung und weiteren Vertretern mit.

          BioNTechs Vorhaben ist Teil der sogenannten Eradicate-Malaria-Initiative, die also Malaria ausrotten möchte und federführend von der wissenschaftsorientierten Kenup-Stiftung geleitet wird. Eine konkrete Investitionssumme nannte das Unternehmen nicht, BioNTech-Chef Ugur Sahin sprach allerdings von „erheblichen Investitionen“ in die Entwicklung. Das Biotechunternehmen wird in diesem Vorhaben von mehreren Partnern unterstützt, darunter der Europäischen Kommission und der Europäischen Investitionsbank. Auch die Gates-Stiftung ist in das Projekt involviert.

          Ein an Malaria und Unterernährung erkranktes Kind liegt auf einem Bett in einem Krankenhaus in Bor im Südsudan.
          Ein an Malaria und Unterernährung erkranktes Kind liegt auf einem Bett in einem Krankenhaus in Bor im Südsudan. : Bild: Reuters

          „Die Pandemie hat uns gezeigt, dass Wissenschaft und Innovation das Leben der Menschen verändern können, wenn alle Involvierten auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten“, sagte Sahin. Man werde an einer Impfung arbeiten, die der Krankheit vorbeuge und die Sterbefälle reduziere. Die Mainzer setzen dabei auf die eigene mRNA-Technologie, auf der schon die gemeinsam mit Partner Pfizer entwickelte Corona-Impfung basiert. Man werde mehrere Impfstoffkandidaten analysieren und mit dem vielversprechendsten bis Ende 2022 in einer klinischen Studie starten, hieß es.

          Aufbauen kann BioNTech dabei auch auf der Forschung zu Vakzinen gegen HIV und Tuberkulose. Dabei wird das Biotechunternehmen seit dem Jahr 2019 von der Gates-Stiftung gefördert. Im kommenden Jahr will BioNTech auch mit einer Impfung gegen Tuberkulose in einer klinischen Studie starten.

          Forderung nach Patentaufhebung

          BioNTechs Malaria-Vorhaben kommt zu einer Zeit, in der der afrikanische Kontinent weiterhin von der Corona-Krise stark betroffen ist. Die afrikanischen Länder sind weit entfernt von Impfraten wie sie in Industrienationen vorherrschen. Immer wieder wird deshalb eine Aufhebung der Patente auf die Corona-Vakzine gefordert. Um Afrikas Versorgung zu verbessern, hatten sich im Frühjahr auch die EU und verschiedene Länder dafür ausgesprochen, verstärkt Produktionskapazitäten vor Ort aufzubauen, an denen es mangelt. Kürzlich hatte BioNTech mitgeteilt, mit dem südafrikanischen Impfstoffunternehmen Biovac einen ersten Partner für die Abfüllung und Verpackung des Corona-Vakzins gefunden zu haben.

          Gegen Malaria will BioNTech nun einen Schritt weitergehen und analysiert derzeit die Möglichkeiten für nachhaltige Produktions- und Versorgungslösungen, wie es heißt. Man untersuche Möglichkeiten, um hochmoderne Herstellungskapazitäten entweder allein oder mit Partnern aufzubauen. Dort sollen künftig verschiedene mRNA-Impfstoffe produziert werden können. Dabei arbeitet BioNTech mit der WHO sowie der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (African Centers  for Disease Control and Prevention)  zusammen. BioNTech würde die eigenen Produktionskapazitäten in unmittelbarer Nähe zu den afrikanischen Technologietransferzentren aufbauen, deren Bau die WHO verantwortet. In der Kooperation geht es auch um Fragen der Regulatorik oder auch der Standortauswahl. 

          Bislang gibt es einen Impfstoff gegen Malaria, der vom Pharmakonzern Glaxo-Smith-Kline entwickelt wurde. Die WHO verabreicht das Vakzin seit dem Jahr 2019 in einem Pilotprojekt in Ghana, Kenia und Malawi in besonders betroffenen Gebieten. Allerdings bietet das Vakzin nur moderaten Schutz. So schreibt die WHO auf ihrer Webseite: Bei Kindern im Alter zwischen fünf und 17 Monaten, die vier Dosen des Vakzins erhalten hatten, sei im Nachbeobachtungszeitraum von vier Jahren einer Erkrankung in vier von zehn Fällen und  in drei von zehn Fällen einer Erkrankung mit schwerem Verlauf vorgebeugt worden. 

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