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Corona-Impfstoff : Biontech bekommt Chinas Stolz zu spüren

Angebot in Hongkong für die Impfung mit dem Covid-Impfstoff von Biontech Bild: AFP

Die Geschäfte des Mainzer Pharmaunternehmens laufen sehr gut. Nur die Frage, wann Biontech mit seinem Covid-Impfstoff endlich nach China darf, ist noch immer ungeklärt.

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          Wenn Chinesen von Biontech hören, dann meistens nichts Gutes. Ende April etwa war auf dem Kurznachrichtenkanal Weibo zu lesen, dass der deutsche Impfstoff Hepatitis auslöse. Das stimmt zwar nicht. Die zitierten Studien über den Fakt, dass einige Kinder mit Hepatitis zuvor gegen Covid geimpft worden waren, behaupten keineswegs, dass zwischen beidem ein ursächlicher Zusammenhang besteht. Die chinesischen Internetnutzer fühlten sich hingegen bestätigt: Ausländischen Impfstoffen könne man nicht trauen.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kein Wunder also, dass ausgerechnet am Montag, als das Mainzer Biotech-Unternehmen Quartalszahlen vorlegte, das angesehene Schanghaier Wirtschaftsmagazin Yicai berichtete, die „klinische Testphase 2“ des deutschen Impfstoffs in China sei von Pekings Regulatoren gerade bis zum 30. Oktober verlängert worden – zum dritten Mal, nachdem sie im Dezember 2020 gestartet worden war. Trifft dies zu, dürfen sich die Menschen in China wohl keine Hoffnung machen, dass Biontech ihnen dabei hilft, mit dem Virus zu leben. Schließlich ist das deutsche Vakzin mit mRNA-Technologie nachgewiesen viel wirksamer als die chinesischen Totimpfstoffe, deren Wirkung besonders bei alten Menschen gefährlich niedrig ist.

          Dass China offensichtlich aus Überheblichkeit und Rachsucht, weil die eigenen Impfstoffe in Europa nicht zugelassen sind, seit nunmehr eineinhalb Jahren den deutschen Impfstoff verhindert, steht im Mittelpunkt der geballten Kritik aus dem Ausland an den brutalen Lockdowns wie in der 26-Millionen-Einwohner-Metropole Schanghai. Für die chinesische „Null-Covid-Politik“ hätten sie kein Verständnis, hatten am Freitag beim F.A.Z.-Kongress in Frankfurt der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, und die Virologin Sandra Ciesek gesagt. Präsident Xi Jinping müsse seinen „Stolz“ überwinden und die ausländischen mRNA-Vakzine wie Biontech und Moderna endlich zulassen, kommentierte jüngst die „Financial Times“.

          „Volkskrieg“ nicht nur gegen das Virus

          Dass 130 Millionen Chinesen über 60 nicht durchgeimpft sind, führt Chinas Führung als Hauptargument für die Lockdowns an, die sich im Fall Schanghai nun seit über einem Monat hinziehen, für viele Einwohner sogar bereits doppelt so lange. Doch einen Impftermin erhalten derzeit nur Ausländer in teuren Privatkrankenhäusern. Die Zeitschrift „Spiegel“ hatte Ende April spekuliert, die Regierung scheine nun doch den deutschen Impfstoff in Betracht zu ziehen. Es seien Gespräche zwischen Biontech und chinesischen Vertretern angesetzt. Bereits vergangenes Jahr hatte Biontech eine Partnerschaft mit dem Schanghaier Mischkonzern Fosun über die Produktion von 100 Millionen Dosen im Jahr geschlossen. Anfang des Jahres hatte das Unternehmen versichert, man setze weiter auf den riesigen Markt. Eine Aussage, wann der Impfstoff zugelassen werde, wollte das Unternehmen jedoch nicht treffen. Am Montag hieß es in Mainz lediglich, sobald es Neuigkeiten in Sachen Zulassung gebe, werde man diese bekanntgeben.

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