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Antibiotikaeinsatz : Bioland in Erklärungsnot

  • -Aktualisiert am

Garantiert antibiotikafrei? Mitnichten. Bild: dpa

Wenn Umweltaktivisten und Verbände wie Bioland die Agrarindustrie kritisieren, geht es oft um den Einsatz von Antibiotika. Jetzt wird klar: Biobauern nutzen sie selbst.

          2 Min.

          Die Symbole sind eindeutig: Als einige tausend Menschen im Januar in Berlin gegen die Agrarindustrie demonstrierten, hielten sie große Plakate hoch. Eines zeigte ein Huhn, das Spritzen im Kopf trug. Das Plakat, das auf den Antibiotika-Einsatz in der Tiermast anspielte, trugen fünf Spitzenpolitiker der Grünen vor sich her: Bärbel Höhn, Renate Künast, Anton Hofreiter, Simone Peter und Harald Ebner. Was viele der Demonstranten vermutlich gar nicht wussten ist, dass auch in der Biolandwirtschaft der Antibiotika-Einsatz gang und gäbe ist.

          Und dass manchmal davon mehr benutzt wird als erlaubt. Am Dienstag brachte die Zeitung „taz“ ans Licht: Der Verband Bioland hat gegen seine eigenen Richtlinien verstoßen und einzelnen Bauern Antibiotika erlaubt, die sie grundsätzlich nicht verwenden dürfen.

          Allein im Jahr 2014 habe der Verband seinen Landwirten 35 Mal eine Ausnahme erteilt, Tiere mit Antibiotika zu behandeln, auf die er offiziell streng verzichtet. Darunter waren sogenannte Reserveantibiotika, die auch zur Behandlung von Menschen eingesetzt werden, die mit Keimen infiziert sind, gegen die andere Antibiotika nicht mehr wirken. In den Richtlinien von Bioland werden diese – sogenannte Fluorchinolone – und andere Mittel ausdrücklich unter „Anwendungsverbote“ gelistet.

          Auch in anderer Hinsicht sind Verbände wie Bioland, Demeter oder Naturland darauf angewiesen, von der „reinen Lehre“ der Ökolandwirtschaft abzuweichen. Das gilt für Milchkühe aus Kleinbetrieben, die mit der Methode der nicht als artgerecht geltenden Anbindehaltung fixiert sind, oder für den Zukauf von konventionellem Saatgut oder Jungtieren.

          Nur Bioland setzte sich selbst strengere Regeln

          Bioland sieht sich als Opfer einer Skandalisierung. Ein Sprecher verwies am Dienstag auf die Relationen: 35 Behandlungen mit nicht erlaubten Antibiotika stünden in Relation zu 1,6 Millionen Tieren in den Ställen der rund 6200 Bioland-Bauern. Die geringe Anzahl und Verfügbarkeit der Zahl zeige doch, dass das System funktioniere. Grundsätzlich sei Bioland auch nie gegen Antibiotika in der Tierhaltung gewesen. „Ich gestehe auch einem Schwein oder Rind zu, dass es ein Antibiotikum bekommt, wenn es nötig ist“, sagte der Sprecher, „wenn ein anderes nicht wirkt, kann das auch ein Reserveantibiotikum sein.“ Der Sprecher deutete an, dass Bioland seine Richtlinien nun umschreiben werde: „Es müsste dort stehen, dass Ausnahmen von den Regeln möglich sind.“

          Bioland ist der einzige Verband, der sich bezüglich der Antibiotika freiwillig strengere Regeln gesetzt hat. Auch Demeter tat das nicht. Die anderen halten sich an die EU-Ökoverordnung. Die schreibt etwa vor, dass pro Mastdurchgang maximal ein Mal behandelt werden darf. In der konventionellen Landwirtschaft ist das häufiger möglich und nötig. Weil Bio-Tiere mehr Platz haben und langsamer gemästet werden, ist der Antibiotika-Einsatz in dieser Haltungsform im Durchschnitt deutlich niedriger.

          Dessen ungeachtet scheint die Semantik der Anti-Agrar-Proteste von Berlin nun für die Biobauern selbst zum Fallstrick zu werden. Erst kürzlich geriet der Münchner Muster-Ökobetrieb Herrmannsdorfer Landwerkstätten wegen Verstößen gegen die eigenen Angaben zur Sauenhaltung in die Kritik. Dabei gehören Bio-Verbände wie Bioland selbst dem Bürger-Netzwerk an, das gegen die Agrarindustrie marschiert.

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