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Biogen beantragt Zulassung : Hoffnung für Alzheimerpatienten

  • -Aktualisiert am

Im Film „Das Leuchten der Erinnerung“ spielt Donald Sutherland einen an Alzheimer erkrankten Mann, der mit seiner Frau Ella (Helen Mirren) in einem betagten Wohnmobil durch Amerika tourt - und sie an der Tankstelle vergisst. Bild: dpa

Der Biotechkonzern Biogen will nach zwei Rückschlägen nun überraschend doch einen Zulassungsantrag für sein Präparat Adacanumab stellen. Nach Jahrzehnten wäre es die erste neue Arznei gegen die unheilbare Nervenkrankheit.

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          Wie viel Erwartung, Hoffnung und nicht zuletzt Geld im Markt für Medikamente gegen die Nervenkrankheit Alzheimer stecken, hat nicht zuletzt die jüngste Ankündigung des amerikanischen Biotechkonzerns Biogen gezeigt. Nach zwei nicht erfolgreichen Patientenstudien, die der Konzern im März gestoppt hatte, überraschte das Unternehmen am Dienstag mit der Mitteilung, man wolle mit eben jenem Präparat Adacanumab, das in Studien an mehr als 3000 Patienten getestet wurde, nun doch einen Antrag auf Medikamentenzulassung bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA stellen. Der Kurs der Amerikaner schnellte daraufhin um einen Rekordwert von 42 Prozent in die Höhe.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das Unternehmen teilte mit, dass in der Zwischenzeit noch mehr Daten verfügbar seien. Eine neue Analyse habe ein positives Ergebnis für eine der beiden Studien ergeben, teilte der amerikanische Konzern gemeinsam mit seinem japanischen Entwicklungspartner Eisai mit. Unter den Patienten, die eine hohe Dosis des Wirkstoffkandidaten Adacanumab erhielten, hätten sich deutliche Vorteile etwa für Gedächtnis, Orientierung und Sprache gezeigt. Den Zulassungsantrag wollen die Amerikaner Anfang 2020 einreichen. Ob dem seitens der Behörden stattgegeben wird, ist dabei völlig offen. Einige Analysten zeigten sich sehr skeptisch, verwiesen darauf, dass es schwierig werden würde, die Behörde zu überzeugen, dass diese Ergebnisse mehr als ein Zufall waren. Schließlich hatte das potentielle Medikament zuvor keinen Erfolg gezeigt.

          Biogen

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          Die Euphorie am Markt liegt in der unheilbaren Krankheit Alzheimer selbst begründet, bei der nach und nach Nervenzellen absterben. Seit rund zwanzig Jahren wurde kein neues Medikament mehr zugelassen. Bis heute sind zwar einige Prozesse der Krankheit bekannt, Ursache und Zusammenhänge sind jedoch weiterhin nicht in Gänze erforscht. Das zeigt sich auch in den Forschungsergebnissen: Im Zeitraum zwischen 2002 und 2012 lag die Misserfolgsquote von Arzneimittelkandidaten gegen Alzheimer, die schon an Patienten getestet wurden, bei 99,6 Prozent, wie eine wissenschaftliche Erhebung zeigt. Viele Kandidaten sind auch deshalb gescheitert, weil sie nicht wirksamer waren als bisherige Präparate. Einige Unternehmen, darunter auch große Konzerne wie Pfizer, haben sich deshalb ganz aus der Forschung verabschiedet.

          Der Bedarf für neue Arzneien ist also immens, da derzeitige Präparate den Verlauf der Krankheit allenfalls für eine gewisse Zeit verlangsamen. Allein in Deutschland gibt es rund eine Million Alzheimerkranke. Die Tendenz ist steigend, schließlich befällt sie insbesondere ältere Menschen, besonders im Alter von 85 Jahren an. Mit dem demographischen Wandel steigt also die Zahl der Erkrankten. Ein Erfolg verspräche jedenfalls Milliardenumsätze. So schätzt das Analysehaus Global Data, dass der Alzheimer-Medikamentenmarkt allein in den Industrienationen Amerika, Japan, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien jährlich um 17,5 Prozent auf knapp 15 Milliarden Dollar im Jahr 2026 wachsen wird. Derzeit haben nach Angaben des hiesigen Verbands der forschenden Arzneimittelhersteller (VfA) 18 Kandidaten die StudienphaseIII, und damit üblicherweise die letzte vor einer möglichen Zulassung, erreicht – darunter auch Biogen gemeinsam mit Eisai. Sollte Adacanumab eine Zulassung erhalten, prognostizieren manche Analysten gar jährlichen Umsätze von mehr als 10 Milliarden Dollar.

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