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Bioanalyse : "Nicht jeder will wissen, was wirklich im Wein ist"

Was ist wirklich im Wein? Bild:

Gilles Martin weiß, was im Wein ist. Doch nicht jeder will das wirklich wissen. "In die Analyse von Wein spielt viel Politik hinein", sagt Martin, Gründer und Vorstandschef des Laborbetreibers Eurofins Scientific im Gespräch mit der F.A.Z.

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          Gilles Martin weiß, was im Wein ist. Doch nicht jeder will das wirklich wissen. "In die Analyse von Wein spielt viel Politik hinein", sagt Martin im Gespräch mit dieser Zeitung. "Es gibt vieles, was man analysieren könnte, aber der Wille dazu ist nicht immer da." Bohren wir nicht nach, was Martin und sein französisches Analyseunternehmen Eurofins Scientific im Wein wirklich gefunden haben. Denn für die Entscheidung des Eurofins-Gründers und -Vorstandsvorsitzenden, die Tätigkeit seines Unternehmens auf andere Gebiete über die Analyse der Herkunft des Zuckers im Wein hinaus auszudehnen, ist der Hinweis Grund genug. Gleichwohl hat mit Wein alles angefangen, als Martin im Jahr 1987 das entsprechende, von seinem Vater an einer staatlichen Universität entwickelte Analyseverfahren vom französischen Staat zurückkaufte und mit zwölf Mitarbeitern in Nantes den Grundstein für Eurofins legte. Inzwischen ist das Unternehmen zum größten Anbieter von Bioanalysen in Europa geworden, betreibt auf der ganzen Welt mehr als 50 Labors und hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 161 Millionen Euro gemacht.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Heute ist Eurofins Ansprechpartner für die Suche nach Pestiziden in Lebensmitteln, zur Untersuchung von Bodenproben auf Dioxine, zum Auffinden unerwünschter Stoffe in Futtermitteln oder bei pharmazeutischen Tests. Der fließend Deutsch sprechende Martin kann auf diesen Erfolg schon im Alter von nur 39 Jahren zurückblicken. Mit seiner Familie hält er noch 53 Prozent der Anteile am Unternehmen, das an der Börse zur Zeit eine Kapitalisierung von rund 175 Millionen Euro hat und damit zu den größten 30 Unternehmen im Technologie-Index der Frankfurter Börse gehört. "Ich habe noch nicht eine einzige Aktie aus meinem Bestand verkauft", sagt Martin. Doch damit nicht genug: In einer Randbemerkung berichtet er davon, neben Eurofins auch den in Frankreich erfolgreichsten Nachhilfedienst für Schüler aufgebaut zu haben. Martin, der an der Ecole Centrale de Paris und an der Syracuse University im amerikanischen Bundesstaat New York studiert hat, nimmt man gerne ab, daß er hohe Anforderungen an sich selbst stellt, aber auch an die Unternehmen, die er für Eurofins kauft. "Ich habe eine Leidenschaft für Exzellenz und versuche stets, Technologien zu entwickeln, die in ihrem Bereich führend sind", sagt er mit intellektueller Freundlichkeit.

          Ein europäisches Unternehmen


          Deshalb gehe es auch bei jedem Kauf darum, nur die in ihren Fachgebieten führenden Labors zu übernehmen. Seine Strategie: Das mit seinen Aktien an den Börsen in Paris und Frankfurt notierte Unternehmen Eurofins soll zum Konsolidierer der nach wie vor sehr segmentierten Branche von Analyselaborbetreibern werden. Die Zukäufe haben schon dazu geführt, daß Eurofins längst nicht mehr nur ein französisches, sondern ein europäisches Unternehmen ist, dessen deutscher Umsatzanteil im vergangenen Jahr gleichauf mit dem in seinem Heimatland gelegen hat. In Deutschland ist Eurofins unter anderem mit Labors in Augsburg, Nürnberg, Berlin, Hamburg, Münster, Martinsried bei München und nach dem Kauf des dort ansässigen Unternehmens Genescan bald auch in Freiburg vertreten. An diesen Standorten sind dann mehr als 400 der insgesamt gut 2000 Mitarbeiter der Gruppe beschäftigt. Hamburg ist zum Beispiel auf Rückstandsuntersuchungen in Lebensmitteln spezialisiert; das Labor in Münster kennt sich besonders gut mit Dioxin-Analysen aus.

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