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Bio-Discounter : Basic stoppt Einstieg von Lidl

  • -Aktualisiert am

Lidl darf vorerst nicht weiter bei Basic einkaufen Bild: ddp

Die Discounter-Kette Lidl wollte die Mehrheit an der Bio-Supermarktkette Basic. Jetzt stellt sich der Vorstand quer. Von den Querelen profitiert der große Konkurrent Alnatura.

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          Die Bio-Supermarktkette Basic hat nach heftigen Protesten von Kunden und Lieferanten den Verkauf weiterer Aktien an Lidl gestoppt. Dies bestätigte am Mittwoch eine Unternehmenssprecherin. Geplant war, dass die Schwarz-Unternehmensgruppe in Neckarsulm, die neben Lidl die Ketten Kaufland, Kaufmarkt und Handelshof besitzt, die Mehrheit an der Basic AG in München übernimmt.

          Basic betreibt bundesweit 25 Bio-Supermärkte und hatte im Februar das Kapital dem Lidl-Mutterkonzern Schwarz geöffnet. Schwarz hält inzwischen rund 9 Prozent der Basic-Aktien. Auf der Hauptversammlung der Bio-Kette im Juli wurde den Eignern ein Verkaufsangebot zugunsten der Schwarz-Gruppe unterbreitet, die auf diese Weise die Mehrheit an Basic übernehmen wollte. „Gegen diesen Verkauf hat der Vorstand jetzt sein Veto eingelegt und ihn somit gestoppt“, sagte Sprecherin Sylvia Raabe. Damit kann die Schwarz-Gruppe ihren Anteil zwar behalten, ihn vorläufig aber nicht weiter aufstocken.

          „Öffentlicher Druck wurde zu groß“

          Lidl leidet unter den Discountern im Lebensmitteleinzelhandel unter einem schlechten Ruf. Die Bio-Branche ist das am schnellsten wachsende Segment im Lebensmitteleinzelhandel. Im vergangenen Jahr wuchs der Markt für ökologische Erzeugnisse nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft um 18 Prozent auf einen Umsatz von 4,6 Milliarden Euro. In dieses Geschäft wollte die Schwarz-Gruppe einsteigen.

          Schwein gehabt: Basic-Mitgründer Georg Schweisfurth

          Der öffentliche Druck sei aber zu groß geworden, sagte Basic-Vorstandsvorsitzender Josef Spanrunft der „Süddeutschen Zeitung“. Spanrunft erklärte, es sei „sehr viel Unruhe“ in das Unternehmen gekommen, weil viele Kunden gegen die Kooperation mit Schwarz protestierten und mehrere Lieferanten die Geschäftsbeziehungen zu Basic aufkündigten.

          Vor allem Georg Schweisfurth, einer der Gründer von Basic, stellte sich öffentlich gegen den Verkauf der Kette an Lidl (siehe auch: Revolte bei Basic wegen Lidl-Einstieg). 1997 hatte er mit drei Freunden - Richard Müller, Johann Priemeier und Hermann Oswald - den Bio-Discounter gegründet. Auch Richard Müller hatte sich gegen den Einstieg von Lidl gewandt und für diesen Fall angekündigt, seine Anteile verkaufen zu wollen - ausgerechnet an die Schwarz-Gruppe. Schweisfurth dagegen ließ seine Entscheidung offen.

          Kunden wandern zu Alnatura ab

          Von den Turbulenzen bei Basic dürfte der große Konkurrent Alnatura profitieren, zu dem viele Kunden an großen Standorten wie Frankfurt abgewandert sind. Alnatura kommt zwar auf einen mehr als doppelt so großen Umsatz, ist zuletzt aber langsamer gewachsen. Basic hatte im vergangenen Jahr den Umsatz um 37 Prozent auf 72,6 Millionen Euro erhöht. Damit ist das Unternehmen etwa halb so groß wie der Konkurrent Alnatura, der seinen Sitz in Bickenbach bei Darmstadt hat.

          Derzeit betreibt Alnatura 30 Supermärkte und wird laut einer Unternehmenssprecherin bis Jahresende 35, vielleicht auch 37 Supermärkte betreiben. „Wir werden in diesem Monat noch endlich unsere erste Filiale in Berlin eröffnen“, sagte Alnatura-Sprecherin Stefanie Neumann gegenüber FAZ.NET. Im vergangenen Geschäftsjahr 2005/2006 (Ende September) stieg der Umsatz um 26 Prozent auf 182 Millionen Euro. „Auch in diesem Jahr werden wir wieder zweistellig wachsen“, sagte Neumann.

          Der große Konkurrent will alleine wachsen

          Anders als Basic, deren Kapital auf mehrere Eigner aufgeteilt ist, gehört Alnatura allein dem Unternehmer Götz Rehn, der Gründer und Geschäftsführer der GmbH ist. Und anders als Basic ist Alnatura Vertriebskooperationen mit anderen Einzelhandelsketten wie mit den DM Drogeriemärkten, Tegut oder Hit eingegangen. Rehn beabsichtige nicht, weitere Gesellschafter aufzunehmen, und wolle die Expansion von Alnatura weiter aus eigener Kraft vorantreiben, sagte Neumann weiter.

          Die Erzeugergenossenschaft Tagwerk hatte angekündigt, die sechs Basic-Märkte in München und Augsburg nicht mehr zu beliefern. „Es ist viel Porzellan zerschlagen worden“, räumte der Basic-Chef Spanrunft ein. Ob die Mehrheitsübernahme durch Schwarz endgültig vom Tisch sei, sei aber offen.

          Lidl sollte die Basic-Expansion beschleunigen

          Basic hatte mit mehreren potentiellen Kapitalgebern verhandelt, um die Expansion zu beschleunigen, sich dann aber für die Schwarz-Gruppe entschieden. Der Lidl-Betreiber hält seit Februar rund 9 Prozent der Aktien und soll über eine Wandelanleihe, die Anfang 2008 fällig wird, auf 23 Prozent kommen. Zusätzlich hatte Schwarz Anfang August den Altaktionären von Basic ein Übernahmeangebot unterbreitet.

          Da es sich um vinkulierte Namensaktien handle, muss der Vorstand dem Verkauf zustimmen. Nun habe die Basic-Spitze - neben Spanrunft der Unternehmensgründer und Finanzvorstand Johann Priemeier - ein Veto eingelegt.

          Lieferanten stoppen Belieferung von Basic

          Viele Kunden protestierten gegen die Kooperation mit Schwarz, und mehrere Lieferanten kündigten die Geschäftsbeziehung zu Basic auf. Nach dem Ausstieg des Großhändlers Dennree, der Basic bisher mit der Hälfte des Sortiments belieferte, wurde am Montag bekannt, dass auch der regionale Großhändler für den Münchner Raum, Tagwerk, Basic nicht mehr beliefern will. Neben Dennree hatten zuvor die Hermannsdorfer Landwerkstätten und ein Schokoladenhersteller wegen des Einstiegs von Lidl die Lieferungen gestoppt.

          Unklar ist, wie die weitere Zukunft von Basic nun aussehen wird. Vor allem ist noch völlig offen, wie sich die Gründer Müller und Schweisfurth verhalten werden und wie die weiteren Pläne der Schwarz-Gruppe aussehen. Von dieser war - getreu der Unternehmensphilosophie, mit Presse-Erklärungen nicht in Erscheinung zu treten - keine Stellungnahme zu erhalten.

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