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Bio-Discount : Basis gegen Basic

  • -Aktualisiert am

Revolte beim Bio-Discounter Basic: Mitgründer Schweisfurth stellt sich gegen den Lidl-Einstieg Bild: ddp

Georg Schweisfurth war bei der Gründung des Bio-Discounters Basic dabei. Jetzt steigt der in der Bio-Szene verrufene Discounter Lidl ein. Der Gründer ist empört und schreit Verrat. Schweisfurth liebäugelt mit einem Verkauf seiner Anteile.

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          Dass Georg Schweisfurth gelernter Metzger ist, hat das Ferkel sofort gespürt. Kaum hat er es auf den Arm genommen, fängt es an zu quieken, als spürte es das Ende seiner Tage nahen. „Na, schon gut“, versucht Schweisfurth es zu beschwichtigen, während er im Schweinestall seiner Familie fürs Foto posiert. „Im Stall habe ich schon ewig nicht mehr gestanden“, sagt er entschuldigend. „Ich bin doch schon seit zehn Jahren auf der anderen Seite.“

          Nein, ein Schweineflüsterer ist Georg Schweisfurth nicht, aber er fühlt sich den Tieren und ihrer artgerechten Haltung verbunden. Sein Vater Karl Ludwig Schweisfurth hat es vorgemacht: Er verkaufte 1984 seine Wurstfirma Herta an Nestlé und wurde Biolandwirt. Schweisfurth junior machte erst beim Vater mit, wollte dann aber seine eigenen Ideen verwirklichen.

          Vor zehn Jahren gründete er Basic

          1997 gründete er zusammen mit drei Freunden aus der Branche die Biosupermarkt-Kette Basic. Damals war Basic verschrien als ruinöse Konkurrenz für die kleinen Bioläden und als Bio-Billigheimer. Heute ist das Image von Supermärkten für Biokost poliert. Biolädchen und Biosupermärkte existieren Tür an Tür. „Es ist genug Wachstum für beide da“, sagt Schweisfurth.

          Designermode statt Latzhose: Basic-Mitgründer Georg Schweisfurth

          Bio ist aus der Müeslinische gekommen und groß geworden - nicht zuletzt dank Basic. „Wir wollen die Eintrittsbarrieren für neue Kunden möglichst niedrig halten“, sagt Schweisfurth. „Bio war immer Vegetarismus und fernöstliche Meditation, aber diese spirituellen Sachen haben wir rausgelassen.“

          Raus aus dem Bio-Mief

          Die Gründer seien zwar aus der miefigen Bioecke gekommen. „Aber wenn wir neue Kunden haben wollten, dann mussten wir sauber, klar und nüchtern sein, nicht muffig, kein Kruscht, keine grüne Farbe im Logo.“

          Mittlerweile hat Basic 26 Biosupermärkte in 18 Städten von Aachen bis Wien. Alle paar Monate wird ein neuer Markt eröffnet. Der Umsatz wuchs im vergangenen Jahr um 37 Prozent. Das Ziel, das die Gründer bei den Erlösen einst angepeilt hatten (50 Millionen Mark), haben sie längst in Euro übertroffen (72,6 Millionen Euro 2006). In diesem Jahr will Basic erstmals einen dreistelligen Millionenumsatz machen.

          Kunden-Basis gegen Lidl-Einstieg

          Doch Schweisfurth hat andere Sorgen. Auf dem Biobauernhof „Herrmannsdorfer Landwerkstätten“, den er in den achtziger Jahren gemeinsam mit seinem Vater aufgebaut hat und den heute sein Zwillingsbruder Karl führt, muss er sich dieser Tage ständig entschuldigen.

          Freitag vor einer Woche gab die nicht an der Börse notierte Basic AG bekannt, dass die Schwarz-Gruppe Anteile an der Firma erworben hat. Zur Schwarz-Gruppe gehört vor allem der Discounter Lidl, den die Gewerkschaft Verdi ständig wegen schlechter Arbeitsbedingungen kritisiert.

          Sickert jetzt der Geist von Lidl ein?

          Solch ein Investor ist schwierig für ein Unternehmen, das sich immer als Alternative zu den herkömmlichen Supermärkten begriffen hat. Schweisfurth befürchtet, „dass unweigerlich der Geist von Lidl einsickert, nicht sofort, aber mit den Jahren“.

          Das bedeutet für ihn, dass die Sozialstandards sinken, die Produktqualität schlechter wird. „Wir werden Flair verlieren, glatter werden“, sagt er. Schweisfurth war gegen den Einstieg der Schwarz-Gruppe. Schließlich gehört er zu den Puristen unter den Bio-Sympathisanten - zu den Puristen im Business-Anzug.

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