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Luftverkehr : Was Ryanair von Aldi lernen kann

Ryanair will künftig mehr zentrale Flughäfen anfliegen. Bild: AFP

Europas größter Billigflieger will mit mehr Kundenservice Lufthansa & Co angreifen – und nimmt sich dafür den deutschen Discountriesen zum Vorbild.

          Das hat es noch nie gegeben beim irischen Billigflug-Krösus Ryanair: Aus ganz Europa flog das notorisch geizige Unternehmen Journalisten nach London, und bewirtete sie in einem schicken Restaurant mit Panoramablick auf die Tower Bridge mit feinem italienischen Essen und Rotwein schon zur Mittagszeit. Der ganze Aufwand nur um eine einzige Botschaft unter´s Volk zu bringen: „Wir haben uns geändert und es sind wirkliche Veränderungen“, verkündete Ryanair-Chef Michael O’Leary. Vergangenes Jahr hat der erfolgsverwöhnte Billigflugmarktführer die Börse mit gleich zwei Gewinnwarnungen verschreckt, jetzt sollen eine Charmeoffensive und ein besserer Kundenservice das zunehmend geschäftsschädigende Knauser-Image aufpolieren – und mehr Geschäftsreisende und Familien anlocken.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vorbild für die Offensive ist ein deutsches Erfolgsunternehmen: Vom Lebensmitteldiscounter Aldi könne Ryanair einiges lernen, glaubt  Kenny Jacobs, der frisch angeheuerte neue Marketing-Chef von Ryanair. Aldi sei mit einem zunehmend differenzierten Sortiment heute schließlich längst nicht mehr der reine Billigheimer von einst, sagte Jacobs. Diese zugkräftigte Strategie will Ryanair im Luftverkehr kopieren. Im April startet der Billigflieger eine komplett runderneuerte Website. Sitze kann man neuerdings vorbuchen und die bisher ultrastrikten Handgepäckbestimmungen wurden gelockert. Und während Ryanair bisher vornehmlich die Provinz anfliegt, um Flughafengebühren zu sparen, wollen die Iren in Zukunft mehr zentral gelegene Flughäfen ansteuern.

          Der Wandel von Ryanair ist auch eine Bedrohung für die Konkurrenz: Easyjet, Air Berlin und andere Billigfluganbieter seien in Zukunft nicht mehr die wichtigsten Gegner im Wettbewerb, kündigte O’Leary an: „Unser wirkliches Ziel sind die traditionellen Fluggesellschaften, wie British Airways, Lufthansa und Air France-KLM“, sagte er. Der Ire hat Ryanair in den vergangenen zwei Jahrzehnten praktisch aus dem Nichts zum Marktführer im innereuropäischen Luftverkehr und  einer der profitabelsten Airlines der Welt gemacht.

          Die Hälfte seines Passagierwachstums wolle Ryanair in den kommenden Jahren nicht mehr an entlegenen Land-Flughäfen wie Hahn und Weeze erzielen, sondern an zentralen Airports, sagte O’Leary. Die neuen Kunden kann der Billigflieger auch dringend gebrauchen, denn Ryanair ist eine milliardenschwere Wachstums-Wette eingegangen: Vor einem Jahr platzierte das Unternehmen beim Lieferanten Boeing einen Megaauftrag für 175 neue Flugzeuge vom Typ 737-800. Die vielen zusätzlichen Maschinen müssen mit Passagieren gefüllt werden.

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