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Luftfahrt-Zukunft : Easyjet plant kerosinfreien Flug bis 2035

Noch kerosinbefeuert: Easyjet-Flugzeug in Berlin Bild: dpa

Der Billigflieger blickt optimistischer als andere Airlines auf neue Antriebe. Warum das so ist und was er über Klima-Steuern für Flüge denkt, sagt der Easyjet-Deutschlandchef im Gespräch.

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          Von Köln nach Berlin – solch ein Inlandsflug mag wie ein Fremdkörper im Netz erscheinen, wenn es um Klimaschutz geht. Stephan Erler, Deutschlandchef des Billigfliegers Easyjet, sieht es anders. Er hat zum Winterplan die Verbindung wieder aufgenommen. „Zu Beginn der Corona-Pandemie haben wir entschieden, im innerdeutschen Verkehr eine Pause einzulegen. Die ist beendet“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. „Im Übrigen macht es für uns keinen Unterschied, ob ein Flug innerdeutsch oder europäisch ist, also ob er Landesgrenzen überquert. Wir schauen darauf, ob eine Verbindung für uns profitabel und somit auch gut ausgelastet sein kann.“

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Weniger Leere, mehr Menschen für den guten Flug. Billigflieger argumentieren seit Längerem damit, dass manche Linienflieger oft Flüge mit nur zu 70 bis 80 Prozent besetzten Sitzen durchführten. Easyjet peilt – wenn die Corona-Pandemie nicht gerade die Nachfrage dämpft – eine Auslastung von mehr als 90 Prozent an. Das soll der Wirtschaftlichkeit dienen – und dem Klima.

          „Grundsätzlich unterstützt Easyjet die EU-Strategie Fit for 55“, sagt Erler. „Im Detail gibt es aber noch Raum für Diskussionen“, fügt er an. „Dazu gehört die Frage, ob eine Kerosinsteuer bloß eine weitere Steuererhöhung für die Luftfahrt sein soll oder wie sie Anreize für Investitionen hin zu weniger Emissionen schaffen kann.“ Nicht jeder Flugmanager würde es so formulieren.

          Deutsche Airlines favorisieren Ticketsteuer

          Deutsche Airlines lehnen eine EU-Kerosinsteuer, die nicht in aller Welt greift, ab. Sie würde eigene Direktflüge in die Ferne gegenüber Verbindungen anderer Airlines mit Umstieg außerhalb der EU benachteiligen. Stattdessen befürwortet man nun die lange kritisierte Luftverkehrsteuer. Denn deren Höhe richte sich nach dem letzten Ziel, egal wie oft umgestiegen wird. Doch Easyjet-Manager Erler hat Einwände: „Bei der deutschen Luftverkehrsteuer fehlt ein Anreiz für Airlines, stets volle Flugzeuge zu haben. Die Steuer wird je verkauftem Ticket erhoben, unabhängig von der Auslastung des Flugzeuges.“

          Ein Ja zum Klimaschutz ist mittlerweile in der Luftfahrt allerorten zu hören, doch über den rechten Weg ist die Branche uneins. „Wir sind uns bewusst, welche Klimafolgen mit Flügen verbunden sind“, sagt Erler. „Easyjet war das erste Unternehmen in der Luftfahrt, das Kompensationen für alle Kunden eingeführt hat.“ 

          Seit 2019 gilt das, die Kooperation mit der Organisation First Climate brachte Lob, aber auch Spott. Denn der im Ticketpreis enthaltene Klimabeitrag erschien mickrig. „Wir wollten nicht nur ein freiwilliges Angebot machen, sondern für alle Kunden einen Ausgleichsbeitrag leisten“, sagt Erler.

          Pladöyer für Pflichtkompensation

          First-Climate-Geschäftsführer Urs Brodmann verteidigt die Kalkulation. „Es ist falsch anzunehmen, dass etwas, was kostengünstig ist, nicht gut sein kann“, sagt er. „Wenn eine Fluggesellschaft sämtliche Klimaeffekte kompensiert, kann sie Vorteile eines Großhändlers nutzen. Sorgt eine Airline nur für die Kompensation, wenn der Kunde es ausdrücklich will, befindet sie sich im Einzelhandelsbereich und kann gewisse Skaleneffekte nicht nutzen.“

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          Die Inklusiv-Kompensation sei auch aus einem anderen Grund der richtige Weg. „Wir haben lange Fluggesellschaften erlebt, die die Kompensationsentscheidung den Kunden überlassen haben. Das Ergebnis waren immer sehr niedrige Quoten an Passagieren, die sich dazu entschlossen.“

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