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Billigauto im Elchtest : Hat der ADAC geschummelt?

Dacia Logan: Vielleicht nicht schön, aber auch nicht gefährlich Bild: Hersteller

Ein Billigauto kippt im Elchtest. Das schreckt die Kundschaft. Jetzt zeigt sich: Der Test war nicht korrekt. Größter Autoclub der Welt: Nutzt der ADAC seine Marktmacht im Interesse der deutschen Industrie?

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          Die gelben Engel haben ungefähr so eine Glaubwürdigkeit wie der Papst. Wenn also der ADAC eine gemeinhin als Elchtest bekannte Fahrdynamikprüfung fährt und sich dabei überschlägt, darf man darauf vertrauen, daß das Auto unsicher ist. Oder eben nicht. Der Automobilclub steht im Verdacht, ein Schummelclub zu sein, denn jetzt mußte er kleinlaut einräumen, daß bei einem spektakulären Testunfall mit einem Dacia Logan nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Im Juli 2005 fuhr die Testmannschaft des ADAC mit rund einem Dutzend Autos Sicherheitstests, darunter auch mit dem aus dem Renault-Konzern stammenden "5000-Euro-Auto" aus Rumänien. Der Dacia zeigte dabei kein überragendes Fahrverhalten, aber auch keine lebensbedrohlichen Sicherheitsmängel. Beim abschließenden Test, der extra für Filmaufnahmen aufgebaut wurde, überschlug sich der Dacia.

          Der ADAC stellte die Bilder ins Internet und veröffentlichte dazu eine Pressemeldung, erwähnte gleichwohl nicht, daß zuvor unterschiedliche Reifen aufgezogen wurden, die zudem durch die überharten Testbedingungen völlig ruiniert worden waren. In der von vielen Zeitungen und Internetdiensten aufgegriffenen Meldung hieß es unter der Überschrift "Billigflieger aus Rumänien": "Sicherheitsmängel beim Dacia Logan. Bei einem Fahrdynamik-Test, mit dem der ADAC das Fahrverhalten verschiedener Mittelklassewagen untersucht, hat sich ein Dacia Logan überschlagen."

          Das rumänische Billigauto sollte, wie die anderen Testkandidaten auch, bei Tempo 65 einen Ausweichtest meistern. Eine an sich unkritische Situation, die dank ESP heute weder an das Fahrwerk noch an die Fahrkünste des Fahrers allzu große Ansprüche stellt. Nicht so beim Logan. Er verfügt nicht über ESP.

          Nur „ein Abstimmungsproblem“?

          Daß es zum Überschlag kam, war nach Ansicht der ADAC-Experten ein Abstimmungsproblem. Auch ohne ESP dürfe ein Fahrzeug in einer solchen Situation maximal schleudern, aber keinesfalls umkippen. Beim Dacia habe sich trotz korrekten Reifendrucks die Felge im Asphalt verhakt, was zum Überschlag führte. Der ADAC forderte die Fahrzeughersteller auf, auch bei sogenannten Billigautos die Sicherheit nicht zu vernachlässigen. Autokäufer sollten sich in solch einem Fall überlegen, ob sie sich nicht für den gleichen Preis besser für einen Gebrauchtwagen entscheiden, "der mehr Sicherheitsreserven bietet".

          Das haben wohl einige Käufer getan, denn Renault beobachtete in der Folge einen Absatzrückgang des in Deutschland bislang 1100mal verkauften Logan.

          Es folgte eine Schlammschlacht hinter den Kulissen. Gerüchte wurden herumgereicht, der ADAC wolle der deutschen Automobilindustrie einen Gefallen tun und dem rumänischen Billigmodell den Garaus machen. Die Fachzeitschrift "Auto-Zeitung" fuhr den Test nach, stellte Fahrwerksschwächen fest, schrieb aber auch: "Unter seriösen Testbedingungen kippt der Dacia nicht." Renault selbst ließ die Tests ebenfalls nachfahren, und auch der Reifenhersteller Continental, mit dessen Pneus der Unfallwagen ausgestattet war, untersuchte den Vorfall.

          Einige Ungereimtheiten

          Die französischen und die deutschen Techniker stießen auf einige Ungereimtheiten im ADAC-Test. Offenbar war der Logan vom Autoclub falsch bereift worden. Weil ein Reifen von der Felge gesprungen war, wurde das mit einer anderen Felge ausgestattete Reserverad aufgezogen. Die übrigen Reifen wiesen durch die Tests gravierende Verschleißspuren auf, die im Alltagsbetrieb nicht vorkommen. Zudem wurden die Pylonen auf der Teststrecke willkürlich aufgebaut. Renault veröffentlichte nach einer ersten Prüfung, daß "der Überschlag für uns nicht nachvollziehbar ist. Der Logan hat umfangreiche externe Ausweichtests ohne Probleme absolviert. Auch bei zahlreichen internen Prüfungen zeigte er einwandfreies Fahrverhalten."

          Das sieht der ADAC nun auch so. Denn bei einer Untersuchung stellte sich heraus, daß die Reifen nicht nur optisch stark verschlissen waren. "Mittels Röntgendiagnose wurden Schäden am Stahlgürtel gefunden. Ein solcher Reifenschaden ist versuchsbedingt und tritt im normalen Fahrbetrieb nicht auf", schreibt der ADAC.

          Renault und Continental meinen, für einen derartigen Befund brauche man keine Röntgenstrahlen. Den Vorwurf, der ADAC habe absichtlich oder zumindest grob fahrlässig den Logan gekippt, sprechen sie nicht aus. Aber Renault-Chef Carlos Ghosn ist mächtig sauer. Zunächst wollte er den ADAC auf Schadenersatz verklagen. Doch darauf will Renault nun verzichten. In der Hoffnung, daß die gelben Engel aus anderer Schaden klug geworden sind.

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