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Billigairlines : Für 120 Euro nach New York

Ryanair ist mittlerweile die größte Fluggesellschaft Europas. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Billigflieger greifen die großen Fluglinien jetzt auch auf langen Strecken an. Das klingt besser, als es ist.

          Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii“, trällerte einst Udo Jürgens. Für rund 600 Euro lässt sich das ändern. Soviel kostet ein Lufthansa-Flug von Frankfurt an den Hudson River im Juli. Einfache Strecke in der Economy-Klasse, wohlgemerkt. Aber es geht auch viel billiger, zum Preis eines Bahntickets: 125 Euro. Natürlich nicht mit der Lufthansa. Sondern mit einem der neuen Billigflieger, die jetzt Amerika ansteuern.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf Strecken innerhalb Europas haben die meisten Passagiere diese Anbieter längst kennengelernt. Ryanair, Easyjet & Co. gehören auf dem Kontinent zum Alltag und machen den etablierten Fluggesellschaften mächtig Konkurrenz. Ryanair ist so 2016 sogar zur größten Fluglinie Europas geworden und hat sich an der Lufthansa vorbeigeschoben. Nun erobern die Billigheimer der Lüfte zunehmend die Langstrecke aus Europa nach Übersee und mit ein paar Verbindungen auch nach Asien. Im Juni startet der nächste Anbieter: Level, eine Schwestergesellschaft von British Airways. Von Barcelona geht es zunächst nach San Francisco, Los Angeles, Buenos Aires und in die Dominikanische Republik. Wow Air bietet Billigflüge über Island nach Amerika. Und Eurowings, die Tochtergesellschaft der Lufthansa, will günstig zu touristischen Zielen in Amerika, Afrika und Asien fliegen. „Die Airlines rüsten sich gerade für die nächste Schlacht am Himmel, den Kampf um den Langstreckenpassagier“, sagt Ralf Baron, der als Partner der Unternehmensberatung Arthur D. Little mehrere Fluggesellschaften berät.

          Platzhirsche noch in Vormachtstellung

          Es wird ein Kampf, der noch heftiger wird als der innerhalb Europas. Denn mit den Langstrecken verdienen die Platzhirsche prächtig Geld – vor allem zu den Zielen, bei denen sie die teuren Sitze der Business-Class verkaufen können. Wenn sie hier ihre Vormachtstellung an die Discounter verlieren sollten, können sie den Betrieb einstellen.

          Noch ist die Gefahr klein. Auf Langstrecken haben die derzeit 19 Billiganbieter für diese Distanzen erst einen Marktanteil von drei Prozent erobert. Aber das kann sich rasch ändern. Die Neuen bauen ihr Netzwerk aus, es sind jetzt von Europa aus schon doppelt so viele Flüge wie im vergangenen Jahr. Die Passagiere müssen sich dabei an andere Namen gewöhnen. Die Marktführer Ryanair und Easyjet halten sich noch zurück. Dafür prescht ein ehemaliger Kampfpilot aus Norwegen vor: Bjørn Kjos, 70, gründete 1993 die Fluglinie Norwegian und leitet sie noch immer. Sie ist jetzt der weltweit größte Anbieter von Billig-Langstreckenflügen. Seine Flotte will Kjos bis zum nächsten Jahr im Vergleich zu 2016 vervierfachen. Norwegian startet vor allem vom Drehkreuz Oslo, aber zunehmend auch von anderen europäischen Städten wie London oder Barcelona. Deutsche Passagiere könnten davon profitieren, denn die Skandinavier fliegen auch zu sechs deutschen Flughäfen, darunter Hamburg, Berlin und München und transportieren sie über Oslo in die Welt.

          Akzeptanz von Billigfliegern steigt

          Norwegian hat sich damit vor Air Asia geschoben, den Pionier der Billigflüge auf langen Strecken. Air Asia dominiert seit mehr als zehn Jahren in Asien und bediente bis 2012 auch London und Paris. Die Anfänge der Billigfliegerei nach Amerika reichen sogar bis 1948 zurück, als die isländische Linie Loftleidir erstmals Flüge von Reykjavik nach New York anbot. In den siebziger Jahren probierte es Sir Freddie Laker mit Laker Airways auf der Strecke London-New York. Die Versuche wurden wieder eingestellt.

          Doch jetzt gibt es wieder eine Chance auf den Durchbruch. „Die neue Generation von Flugzeugen wie der Dreamliner 787 von Boeing verbraucht bis zu 20 Prozent weniger Sprit und reduziert die Kosten damit so stark, dass man Tickets günstiger anbieten kann, zumal Kerosin derzeit sehr billig ist“, sagt Peter Berster, Luftfahrtexperte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Hilfreich sei auch, dass die kleinen Flugzeuge mittlerweile ohne Stop so weit fliegen können, dass sie von Europa aus zumindest an die Ostküste Nordamerikas gelangen. Damit könnten die Strecken auch mit weniger Passagieren wirtschaftlich bedient werden – wichtig für Billigflieger, deren Maschinen oft nicht mit Zubringerflügen gefüllt werden. Hinzu kommen liberale Luftverkehrsabkommen, die neue Angebote überhaupt erst möglich machen. Und schließlich die steigende Akzeptanz von Günstigfliegern unter den Passagieren – einschließlich der Geschäftsreisenden und Unternehmen, die bei den Reisekosten sparen wollen.

          Um günstige Tickets anbieten zu können, setzen die Billigflieger nicht nur auf die neuen, Kerosin sparenden Flugzeugmodelle. Die Flugzeuge sind länger am Tag in Betrieb und dichter bestuhlt, die Kabinenbesatzung wird aufs vorgeschriebene Minimum reduziert und verdient weniger als die Kollegen der etablierten Fluglinien wie Lufthansa & Co. Norwegian setzt sogar Stewardessen aus Niedriglohnländern ein. Zudem verlangen die Discounter für jedes Extra einen Aufschlag auf den Ticketpreis: Essen, Unterhaltungsprogramm an Bord, Koffer, Wunschsitzplatz – alles kostet zusätzlich.

          „Mit diesen Mitteln können die Billigflieger auf der Langstrecke etwa 20 Prozent günstiger anbieten als die traditionellen Fluglinien“, sagt Unternehmensberater Ralf Baron. Das ist weniger als auf Strecken in Europa, wo der Kostenvorteil bis zu 50 Prozent betrage. Auf interkontinentalen Strecken hätten die Billigflieger den Nachteil, dass sie keine lukrative Business-Class anbieten und auch große Flughäfen ansteuern, die hohe Landegebühren verlangen.

          Preis-Check: Passagiere können sparen

          Aber auch 20 Prozent Preisvorteil wären bei Ticketpreisen von 1000 Euro und mehr eine schöne Ersparnis. Ein Preis-Check dieser Zeitung zeigt: Das und sogar manchmal etwas mehr ist durchaus drin. Von Europa nach New York kann man für 125 Euro fliegen. Norwegian bietet das an, allerdings im ungemütlichen November und ab Oslo und nur für den Hinflug. Wer von München kommt, zahlt ab 175 Euro. Auch das ist noch ein guter Preis. Mit Koffer sind es allerdings schon 200 Euro ab Oslo, 250 Euro ab München. Und in den attraktiven Sommermonaten werden auch schnell mal 500 Euro verlangt. Die isländische Wow Air ist sogar noch etwas teurer. Die neue Gesellschaft Level war auf den Vergleichsstrecken nach San Francisco ebenfalls fast nie günstiger, zumal deutsche Passagiere ein weiteres Ticket brauchten, um nach Barcelona zu kommen. Die deutsche Eurowings fliegt weder New York noch San Francisco an und glänzt auf ihren Strecken nicht durch auffallend niedrige Preise.

          So hängt es also sehr vom Reisetermin ab, ob die Billigflieger tatsächlich einen Preisvorteil bieten. Und ob der groß genug ist, um die Komforteinbußen in Kauf zu nehmen. Deutsche Passagiere müssen zum Beispiel erst mal zu den ausländischen Abflughäfen der Billigflieger gelangen, wenn Eurowings das Wunschziel nicht ansteuert oder zu teuer ist. Längere Aufenthalte sind dann einzuplanen.

          Konkurrenzdruck drückt Preise

          Allerdings reift der noch junge Markt rasch, die Angebote verbessern sich, die Konkurrenz verschärft sich und könnte die Preise weiter unter Druck bringen. Davon werden dann auch deutsche Fluggäste profitieren. Noch in diesem Jahr will zum Beispiel Air Asia Frankfurt mit Malaysia verbinden. Auch über Paris soll es vom Herbst an günstiger nach Asien und Südamerika gehen – mit Boost, dem geplanten Billigflieger von Air France-KLM. Vom Sommer 2018 an will Norwegian direkt von Düsseldorf nach Nordamerika fliegen. Auch Level plant, von weiteren europäischen Flughäfen neben Barcelona zu starten. Wer den Flughafen Köln/Bonn nutzen kann, profitiert von der starken Präsenz von Eurowings dort. Das hat ihn mittlerweile zum zweitgrößten Standort für Billig-Langstrecken in Europa nach London gemacht.

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          Und wer bereit zu einem Zwischenstopp in Irland oder Großbritannien ist, der könnte noch in diesem Sommer eine besondere Premiere miterleben: von der europäischen Provinz im Mini-Flugzeug zu einem Dorf-Flughafen in Amerika. Norwegian plant, die kleinen Boeing 737, die man von innereuropäischen Kurzstrecken kennt, über den Teich zu schicken. Von Edinburgh, Belfast und vermutlich Cork in Irland soll es nach Newburgh, 100 Kilometer von New York entfernt, und Providence bei Boston gehen. Preislich könnte das unschlagbar werden.

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