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Von zwölf Ex-Managern : Bilfinger fordert Schadenersatz in Millionenhöhe

  • Aktualisiert am

Ex-Vorstände des börsennotierter Industriedienstleisters müssen mit hohen Schadensersatzzahlungen rechnen Bild: Fredrik von Erichsen/dpa

Der Aufsichtsrat von Bilfinger macht Ernst: Frühere Vorstände müssen mit hohen Schadensersatzforderungen rechnen – wegen Pflichtverletzungen innerhalb des Unternehmens.

          Der Industriedienstleister Bilfinger verlangt von zwölf ehemaligen Vorständen Schadenersatz in Millionenhöhe. Der Aufsichtsrat der Bilfinger SE beschloss am Dienstag, einen Tag vor der Hauptversammlung, entsprechende Forderungen an die Ex-Manager abzusenden. „Dabei wurde auch festgelegt, in welcher Höhe jedes der ehemaligen Vorstandsmitglieder in Anspruch genommen wird“, teilte das Unternehmen in Mannheim mit. Welche Beträge von welchen früheren Vorständen gefordert werden, wurde nicht mitgeteilt. Zuvor hatte es Kritik am Aufsichtsrat gegeben, weil dieser nicht mit der gebotenen Härte gegen die Ex-Vorstände vorgehe.

          Insgesamt spricht Bilfinger von einem „erstattungsfähigen Schaden in Höhe eines niedrigen dreistelligen Millionenbetrages“. In die geforderte Summe fließen Kosten ein, die das Unternehmen zusätzlich zu bereits vorhandenen, aber ungenügenden Compliance-Systemen zahlen musste – diese Systeme sollen die Einhaltung von Regeln gegen Korruption und Bestechung sicherstellen.

          Der Bilfinger-Aufsichtsrat wirft den früheren Vorständen „Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit der Implementierung eines ordnungsgemäßen Compliance-Management-Systems“ vor. Das Unternehmen hatte deshalb auch den ehemaligen FBI-Direktor Luis Freeh als Berater in Sachen Verhaltenskodex angestellt. So konnte nach fünf Jahren die Aufsicht durch die amerikanische Justizbehörde Ende 2018 beendet werden. Damit war auch eine bislang nur aufgeschobene Strafverfolgung obsolet.

          Früherer hessischer Ministerpräsident unter Ex-Vorständen

          Vorstandsmitglieder hätten außerdem „Pflichtverletzungen im Rahmen eines M&A-Projekts begangen“, teilte Bilfinger weiter mit. Als M&A (Mergers & Acquisitions) werden Fusionen und Zukäufe zusammengefasst. Das Kontrollgremium hatte bereits Anfang 2018 grundsätzlich allen Vorstandsmitgliedern, die zwischen 2006 und 2015 amtierten, aber vor 2015 in das Gremium eintraten, Pflichtverletzungen vorgeworfen.

          Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch, der Bilfinger zwischen 2011 und 2014 leitete, hatte bereits damals „mit Befremden“ auf die Vorwürfe „gegen ganze Generationen von früheren Bilfinger-Vorständen“ reagiert. Daran habe sich nichts geändert, sagte sein Sprecher Dirk Metz am Dienstag. Die Vorwürfe seien vollkommen abwegig.

          Der Umsatz des auf Wartung und Reparatur von Anlagen spezialisierten Unternehmens mit 36.000 Beschäftigten lag 2018 bei 4,2 Milliarden Euro, drei Prozent über dem Vorjahreswert. Der Verlust unterm Strich fiel mit 24 Millionen Euro deutlich geringer aus als im Vorjahr mit 89 Millionen Euro.

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