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Bilanz : 340.000 Insolvenzen seit dem Jahr 2000

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23.000 Holzmänner wurden 2002 nach Hause geschickt Bild: dpa

Die schwere Rezession in den vergangenen Monaten, das Platzen der Internet-Blase und Managementfehler in den verschiedensten Branchen haben seit der Jahrtausendwende rund fünf Millionen Arbeitnehmer in Deutschland den Arbeitsplatz gekostet.

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          Die schwere Rezession in den vergangenen Monaten, das Platzen der Internet-Blase und auch folgenschwere Managementfehler in den unterschiedlichsten Branchen haben das vergangene Jahrzehnt zu einem der schwärzesten in der deutschen Unternehmensgeschichte nach dem zweiten Weltkrieg gemacht. Wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Montag mitteilte, mussten in den vergangenen zehn Jahren gut 340.000 Unternehmen Insolvenz anmelden - das entspricht ungefähr dem aktuellen Unternehmensbestand Nordrhein-Westfalens.

          Die mit Abstand größte Firmenpleite seit dem Jahrtausendwechsel war das Aus von Arcandor in diesem Jahr. Von der Insolvenz der Mutter des Quelle-Versands und der Karstadt-Warenhäuser sind 52.000 Mitarbeiter betroffen. Das Ende Arcandors zählt zu den größten Unternehmensinsolvenzen in der Nachkriegsgeschichte und stellt zum Beispiel den Zusammenbruch des Baukonzerns Phillip Holzmann, von dem im Jahr 2002 etwa 23.000 Mitarbeiter betroffen waren, noch weit in den Schatten.

          Auf Platz drei der größten Insolvenzen des Jahrzehnts (21.000 Stellen) findet sich der Maschinen- und Anlagenbauer Babcock Borsig, bei dem ebenfalls 2002 die Lichter ausgingen. Mit jeweils rund 11.000 Beschäftigten zählten auch das Brief-Konsortium PIN Group (Platz 4) im Jahr 2008 und der Möbelhersteller Schieder (Platz 5) 2007 zu den großen Firmenzusammenbrüchen.

          Viele bekannte Marken sind verschwunden

          Seit dem Jahr 2000 mussten nicht nur viele Unternehmen den Gang zum Insolvenzrichter antreten, es verschwanden auch eine ganze Reihe bekannter Marken- und Firmennahmen, die teils für Jahrzehnte die deutsche Unternehmenslandschaft und in einigen Fällen sogar die Alltagskultur mitgeprägt hatten: Wiener Wald (2003), Grundig (2003), Salamander (2004), Agfa (2005), Escada (2209), Schiesser (2009) und Karmann (2009). In Erinnerung geblieben sind vielen auch das Ende der Drogeriekette Ihr Platz (2005), des Kirch-Medienimperiums (2002) und der Wadan Werften in diesem Jahr. Ebenfalls im zu Ende gehenden Jahrzehnt traf es Hertie (2008), Woolworth Deutschland (2009) oder Herlitz (2002).

          Insgesamt waren nach Angaben von Creditrefom seit dem Jahr 2000 fünf Millionen Menschen in Deutschland von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen - das entspricht grob einem Fünftel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Nicht zuletzt deshalb kletterte die Zahl der Privatinsolvenzen unaufhörlich. Alleine in den vergangenen vier Jahren beantragten jährlich 100.000 Menschen diese Möglichkeit der Entschuldung; seit dem Jahr 2000 waren es laut Creditreform fast 600.000. Die Gläubiger der zusammengebrochenen Firmen blieben im selben Zeitraum auf Forderungen in Höhe von gut 250 Milliarden Euro sitzen.

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