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Bijou Brigitte : „Es ist mein Ehrgeiz, Amerika zu knacken“

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Friedrich-Wilhelm Werner Bild:

Friedrich-Wilhelm Werner gilt als Dagobert Duck der Modeschmuck-Branche. Ihm und seiner Familie gehören 50 Prozent von Bijou Brigitte. Ans Verkaufen denkt er nicht, ans Aufhören auch nicht. Erstmal will Werner den nordamerikanischen Mark knacken.

          Der zweistöckige Bau im Gewerbegebiet von Poppenbüttel sieht unscheinbar aus. Ein schlichter Zweckbau. Wer den Eingang passiert, wird von viel Glitzer empfangen. Im hellen und freundlichen Foyer sind sie ausgestellt: Ringe, Ketten, Ohrringe mal aus Strass, dann aus Perlmutt oder auch Holz, je nach Mode und Saison. Auf halbem Weg zur ersten Etage sticht ein deutlich mehr als ein Meter großer lilafarbener Amethyst ins Auge, aufgeschnitten wie eine Frucht. Willkommen bei Bijou Brigitte!

          Friedrich-Wilhelm Werner kennt die Glitzerwelten. Er ist der Mann, der Modeschmuck hoffähig gemacht hat. Mit fast 1000 Filialen in Deutschland und Europa stieg der introvertierte Hanseat mit dem grauen Bart, dem exakt zurückgekämmten Haar und dem wachen Blick zum „König des Modeschmucks“ auf. Sein seit 1989 an der Börse notiertes Unternehmen, das ihm mehrheitlich gehört, erzielte zuletzt einen Umsatz von knapp 350 Millionen Euro und einen Gewinn vor Steuern und Zinsen von 113 Millionen Euro. Die Umsatzrendite von fast 30 Prozent brachte Werner noch einen weiteren „Titel“ ein: Er wird gern auch als „Dagobert Duck“ der Branche bezeichnet.

          Das Geschäft begann mit einer Ochsentour

          Die zündende Idee, aus billigen Accessoires viel Geld zu machen, kam ihm vor 44 Jahren. Als Zwanzigjähriger reiste Werner mit einem Musterkoffer durch die Lande, um Waren zu verkaufen. Eine Ochsentour, denn was heute selbstverständlich ist, galt damals alles andere als schick, wurde mit abfälligem Unterton als Klunker bezeichnet. Schon drei Jahre später handelte er mit selbst entworfenem Schmuck, später auch kreiert von seiner Frau Brigitte, die er auf diesem Wege kennenlernte und die der Firma 1971 ihren Namen gab mit dem Zusatz Bijou für Juwel.

          Werner hielt an seiner Idee fest. Und deshalb lassen heute nicht nur Teenager viel Geld in seinen Läden, sondern auch reifere Damen ihren echten Schmuck in den Schatullen zu Hause, um mit neuesten Kreationen zu glänzen. Um immer das Neueste zu bieten, beschäftigt Werner sechs Einkäuferinnen, die auf den Messen dieser Welt nach neuen Trends und nachahmungswürdigen Objekten bekannter Modelabels suchen. Anschließend werden Muster der heimgebrachten Schätze zu Lieferanten nach Asien geschickt, die daraus schnell Stücke machen, die sich optisch von teuren Originalen kaum unterscheiden, nur viel billiger sind.

          „Einfaches wie geniales Konzept“

          So wurde Bijou Brigitte nicht nur zum Liebling modebewusster Frauen, sondern auch zum Börsenstar. Aktionäre der ersten Stunde konnten ihr eingesetztes Kapital in Spitzenzeiten bis zu 3500 Mal vervielfachen. Analysten sahen kein Ende des Wachstums, lobten das „einfache wie geniale Konzept“. Jährliche Steigerungsraten von durchschnittlich 30 Prozent von 2002 bis 2005 sorgten für Hochstimmung und einen Höchststand des Aktienkurses von 269 Euro im April 2006. Mittlerweile hat sich die Stimmung merklich abgekühlt, die Aktie rutschte bis auf 109 Euro ab, kostet derzeit 118 Euro. Bijou Brigitte wächst zwar weiter, aber längst nicht mehr so exorbitant wie in den Jahren zuvor. Auf vergleichbarer Fläche mussten sogar Rückgänge gemeldet werden. Bei den Finanzexperten kommen Zweifel auf, ob die Wachstumsstory beendet ist. Sie monieren, dass zu wenige Filialen eröffnet werden.

          Werner schaut aus seinem Büro im zweiten Stock aus dem Fenster und beobachtet ein Flugzeug, das am Hamburger Flughafen zur Landung ansetzt, wendet den Blick und sagt ruhig: „Es gibt noch viele Wachstumsmöglichkeiten für uns.“ Selbst in Ländern wie Deutschland und Spanien, wo Bijou Brigitte schon die errechnete Quote von einer Filiale pro 200.000 Einwohner nahezu erreicht, sei noch kein Ende in Sicht. 2000 Filialen in ganz Europa sollen es nach internen Plänen einmal werden.

          Will Russland und die Türkei erobern

          Zunächst stehen weitere 60 bis 70 in Spanien auf der Agenda und noch etliche in Deutschland. Mehr Potential bieten Frankreich und Italien. Anschließend will der 64-Jährige Russland und die Türkei erobern. Damit sei noch lange nicht Schluss, fügt er selbstbewusst hinzu. Anfragen kämen aus der ganzen Welt, beispielsweise den Vereinigten Arabischen Emiraten. Selbst die auf echten Schmuck versessenen Chinesen ließen sich von Modeschmuck begeistern.

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