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Bieterwettstreit? : Neuer Interessent für Osram

Die Investoren Bain Capital und Carlyle sollen Zusicherungen zu den Standort von Osram machen. Bild: EPA

Überraschend ist die österreichische AMS als Bieter für den Münchner Lichttechnik-Konzern auf den Plan getreten. Er will den Finanzinvestoren Bain und Carlyle Paroli bieten. Der Osram-Vorstand hat größte Bedenken.

          Um den Lichttechnikkonzern Osram scheint womöglich ein Bieterstreit zu entbrennen. Am Montagabend gab des Unternehmen eineinhalb Stunden nach Börsenschluss bekannt, dass die österreichische AMS AG eine „vorläufige Interessenbekundung“ gegenüber dem Vorstand abgegeben habe, in Gespräche über eine öffentliche Offerte einzutreten. Das würde einer Kampfansage an die bisherigen Bieter – die amerikanischen Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle – gleich kommen. Der an der Schweizer Börse gehandelte Hersteller von Sensoren hat die Osram-Aktie auf Basis eigener Annahmen mit 38,50 Euro bewertet.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Das würde einem Wert von 3,7 Milliarden Euro für das Münchner Unternehmen entsprechen. Das ist deutlich höher als die 3,4 Milliarden Euro, die Bain und Carlyle auf Basis ihrer Offerte von 35 Euro zugrundelegen. Der Osram-Vorstand ließ am Montagabend unmissverständlich durchblicken, dass er erhebliche Zweifel an der Finanzierbarkeit durch die Österreicher habe.

          Damit kommt eine überraschende Wende in den seit einem halben Jahr währenden Übernahmeprozess des im M-Dax notierten Unternehmens. Eigentlich wurde für Ende dieser Woche das formelle Angebot der beiden amerikanischen Finanzinvestoren erwartet, das dann in den darauf folgenden zehn Handelstagen von Vorstand und Aufsichtsrat von Osram geprüft werden soll. Nach den ursprünglichen Planungen sollte das Angebot an die Aktionäre bis September laufen. Der Zeitplan könnte durcheinander geraten, sollte nun ein Gegenbieter auftreten. Offenbar aber gibt es Zweifel an der Ernsthaftigkeit des AMS-Angebot, was sich aus der am Montagabend veröffentlichten Pflichtmitteilung herauslesen lässt. Auch wurden schon Stimmen im Aufsichtsrat vernommen, dass der Vorstoß mit großer Skepsis zur Kenntnis genommen worden sein soll.

          Wie will AMS den Deal stemmen?

          AMS ist an der Börse mit 3,2 Milliarden Euro so hoch bewertet wie derzeit auch Osram. Mit 1,44 Milliarden Euro erreicht der Umsatz der Österreicher gerade einmal etwas mehr als ein Drittel dessen, was Osram mit 4,1 Milliarden Euro erzielt. Die Verschuldung von AMS soll eine ähnliche Größenordnung erreichen wie der Umsatz. Das Angebot stehe unter dem Vorbehalt der Ergebnisse einer detaillierten Einsicht in die Bücher von Osram (Due Diligence), hieß es in der Mitteilung. Ebenso sei eine erforderliche Finanzierung noch nicht gesichert. Die Finanzierung des Angebots soll, wie AMS dem Vorstand mitgeteilt hat, über ein zeitlich begrenztes Bankdarlehen (Brückenfinanzierung) über 4,2 Milliarden Euro erfolgen. Das soll durch eine später erfolgende Kapitalerhöhung über 1,5 Milliarden Euro teilweise refinanziert werden.

          Der Vorstandsvorsitzende Berlien favorisiert wohl einen Einstieg der Amerikaner.

          „Derzeit liegen weder für die Fremdfinanzierung noch für den Eigenkapitalanteil verbindliche Zusagen vor; die Deckung des weiteren Finanzbedarfes ist nicht offengelegt“, heißt es in der Mitteilung. Der Vorstand von Osram erachte auf der Grundlage der derzeit verfügbaren Informationen die Transaktionswahrscheinlichkeit als „sehr gering“. Dennoch werde der Vorstand es AMS ermöglichen, „durch eine weitere Due Diligence unter strikter Beachtung wettbewerbsrechtlicher Erfordernisse die Zweifel an der Finanzierbarkeit der von AMS angestrebten Transaktion zu beseitigen“.

          Große Sympathien für Bain und Carlyle

          Im Gegensatz dazu befürwortet Osram-Vorstandsvorsitzender Olaf Berlien den Vorstoß der Finanzinvestoren aus den Vereinigten Staaten. Nach monatelangen Verhandlungen gaben Bain und Carlyle vor eineinhalb Wochen bekannt, dass sie dem Streubesitz eine Übernahmeofferte unterbreiten und mindestens 70 Prozent der Aktien erwerben wollen. Am Ende wird angestrebt, das angeschlagene Unternehmen von der Börse zu nehmen, um es dann ungestört von den üblichen Berichterstattungen fernab der Öffentlichkeit auf Vordermann zu bringen. An der Börse herrscht Unsicherheit, ob es tatsächlich zu der Übernahme kommt. Denn der Aktienkurs bewegt sich nach wie vor mit rund 33 Euro unterhalb der Offerte.

          Berlien sprach damals von einem sehr attraktiven Angebot, die Aktien „risikolos“ mit einem Aufschlag von 23 Prozent anzudienen. Für ihn ist es wichtig, dass das Unternehmen unter den neuen Eigentümern selbständig und in Deutschland bleibe, mit der Zentrale in München und mit ihm weiterhin als Vorstandschef. Zudem soll es Zusicherungen für Standorte und die Mitarbeiter (26.000 im Konzern) geben, wie sie schon früher mit entsprechenden Betriebsvereinbarungen geregelt waren. Der Vorstand selbst sieht seine Zukunft im Unternehmen und findet Unterstützung durch die Finanzinvestoren. Die wollen auch als starke Kapitalgeber auftreten und Osram stärken, wozu AMS wohl weniger im Stande sein würde.

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