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Bierkonzerne : Der Kampf ums Bud

„Budweiser hat mich durchs Studium gebracht” Bild: AP

Amerikas Biertrinker sind entsetzt: Die belgische Inbev will den Bierkonzern Anheuser-Busch kaufen. Schon formiert sich Widerstand. Plötzlich findet sich der Budweiser-Brauer in der Rolle einer nationalen Ikone wieder.

          Wer hätte gedacht, dass eine Marke wie „Budweiser“ bei den Amerikanern eine derartige Leidenschaft wecken kann? Kaum hatte der belgische Bierkonzern Inbev in dieser Woche ein feindliches Übernahmeangebot für den Budweiser-Brauer Anheuser-Busch abgegeben, ging ein Aufschrei durch Amerika. Plötzlich fand sich Anheuser-Busch in der Rolle einer nationalen Ikone wieder. „Budweiser“ und die Leichtversion „Bud Light“ wurden zur Hochkultur des Bierbrauens verklärt. Amerikaner beschworen den Verkauf von Anheuser-Busch an den Hersteller von Marken wie „Beck's“ und „Stella Artois“ zum Horrorszenario.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          „Meine Freunde und ich sind bestürzt. Wir trinken im Sommer nichts lieber als Bud Light“, jammerte Senatorin Claire McCaskill aus dem Bundesstaat Missouri, in dem Anheuser-Busch zu Hause ist. Im Internet entstanden Protestseiten wie „savebudweiser.com“ und riefen zu Unterschriften gegen einen Verkauf von Anheuser-Busch auf. Innerhalb von ein paar Tagen sammelte jede Seite mehrere zehntausend Unterschriften. Aus den Einträgen der Unterzeichner sprach Bewunderung für den amerikanischen Brauer und Verachtung für die europäischen Bieter. „Budweiser hat mich durchs Studium gebracht“, war zu lesen, oder: „Ich liebe Bier, ich hasse Europäer.“

          Übernahmeangebot sorgt für Zündstoff

          Nicht-Amerikanern mag die Aufregung seltsam vorkommen. Schließlich ist amerikanisches Bier wie „Budweiser“ im Ausland als wässrige Brühe verpönt. Selbst in Amerika wird kaum jemand, der sich für einen echten Bierkenner hält, „Budweiser“ zu seiner Lieblingsmarke erklären. Aber die meisten Amerikaner halten „Budweiser“ oder „Bud Light“ für zumindest gut genug. Anheuser-Busch hat in Amerika einen Marktanteil von fast 50 Prozent, der größte Teil entfällt auf „Budweiser“ und „Bud Light“. Die Marken sind in jeder Hinsicht massentauglich: im Geschmack nicht allzu intensiv und um einiges billiger als Importbiere oder Spezialitätenbiere von kleineren Brauereien. Abgesehen von den Biervorlieben, sorgt es in Amerika immer für Zündstoff, wenn ein traditionsreiches Unternehmen von einer Übernahme aus dem Ausland bedroht ist - selbst wenn es wie Anheuser-Busch ohnehin deutsche Wurzeln hat. Außerdem ist Anheuser-Busch kein gesichtsloses Unternehmen, sondern wird mit der Gründerfamilie Busch identifiziert, die den Brauer seit vielen Generationen führt.

          Anheuser-Busch hat in Amerika einen Marktanteil von fast 50 Prozent, der größte Teil entfällt auf „Budweiser” und „Bud Light”

          Anheuser-Busch verfolgt seine Wurzeln bis weit in das neunzehnte Jahrhundert zurück. Ausgangspunkt war die „Bavarian Brewery“, die im Jahr 1852 vom deutschen Einwanderer Georg Schneider gegründet wurde. Acht Jahre später wurde der Betrieb an einen anderen deutschen Einwanderer weiterverkauft, Eberhard Anheuser aus Bad Kreuznach. Anheusers Tochter Lilly heiratete bald danach Adolphus Busch aus Mainz-Kastel. So entstand die Bierdynastie der Familien Anheuser und Busch, die aus der kleinen Brauerei im Laufe der nächsten Generationen einen gigantischen Bierkonzern schmiedete.

          Einige Dynastien haben verkauft

          Heute steht der Ururenkel von Adolphus Busch an der Spitze: der 43 Jahre alte August Busch IV. Er ist erst seit gut eineinhalb Jahren Vorstandsvorsitzender, und schon droht ihm ein Szenario, das er als Albtraum empfinden muss: Er könnte derjenige aus der Busch-Dynastie sein, unter dessen Führung das Familienimperium verkauft wird. In jüngster Zeit haben einige Dynastien ihre Unternehmen verkauft: Dow Jones ging an den Medienkonzern News Corp., Familie Wrigley hat ihren Kaugummi an Mars verkauft

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