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Bierkonsum : Brauer fürchten das totale Rauchverbot

Trotz WM und heißem Sommer - der Bierkonsum geht auch in diesem Jahr weiter zurück Bild: dpa

Die Lust und die Freude am Gerstensaft ist ungebrochen - bei den jungen Leuten. Aufgrund der Demographie schrumpft aber deren Zahl. Das zwingt die Brauwirtschaft zur Konsolidierung.

          Zu den Gewinnern der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika gehören die deutschen Brauereien - wegen des verstärkten Konsums hierzulande. „Der Juni war gut, er hat uns teilweise zweistellige Zuwachsraten beschert“, freut sich Rechtsanwalt Peter Hahn, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauerbundes.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Der Trost ist allerdings nur schwach. Denn bis Mai war es ein schlechtes Jahr. Die Statistik weist aus, dass es seit 1993 keinen so absatzschwachen Mai gab wie den dieses Jahres. In den ersten fünf Monaten ging der Bierkonsum hierzulande um 4,5 Prozent zurück. Das gute Sommerwetter wird dazu beitragen, dass sich das Gesamtjahr in die Reihe der vergangenen Jahre fügt und am Ende einen weiteren Rückgang des Bierkonsums um 1 bis 2 Prozent ausweist. Im vergangenen Jahr verkauften die deutschen Brauereien aus 1327 Braustätten 100 Millionen Hektoliter Bier und setzten damit 7,855 (Vorjahr 8,155) Milliarden Euro um.

          Ein Rückgang des Fassbierabsatzes

          Für den bereits seit Jahren zu beobachtenden Rückgang des Bierkonsums - an dem der Staat unter anderem mit 730 Millionen Euro Biersteuer partizipiert - hierzulande sind nach Hahns Worten in erster Linie die Demographie und die veränderten Lebensgewohnheiten verantwortlich. Bei jungen Menschen zwischen 25 und 45 Jahren habe Bier nach wie vor einen guten Ruf und viele Freunde. Ältere Menschen trinken insgesamt weniger - nach Angaben von Ärzten zu wenig - und entsprechend auch weniger Bier. Hinzu kommen veränderte Lebensgewohnheiten. Während man noch vor zwanzig Jahren keine deutsche Baustelle ohne Bierkasten sah, sind die Baustellen heute weitgehend alkoholfrei.

          Die größte Sorge der Brauer: Nichtraucherschutzkampagnen

          Die größte Sorge bereitet den Brauern aber die Politik mit ihren Nichtraucherschutzkampagnen. Wenn in der Öffentlichkeit nicht mehr geraucht werden darf, gehen weniger Leute in die Gaststätte. Dann geht der Fassbierabsatz stark zurück. Das wird nach Hahns Worten auch nicht durch einen höheren Zu-Hause-Konsum ausgeglichen. Die Erfahrung aus mehreren Ländern zeigt, dass die Einführung eines öffentlichen Rauchverbots zu einem Rückgang des Fassbierabsatzes um 20 bis 30 Prozent führt. Zu einem Teil kehrt der Konsum zurück, aber ein Teil ist für immer verloren. Daher hofft die Branche, dass aus dem Ergebnis des bayerischen Volksentscheids nicht die Schlussfolgerung gezogen wird, das Rauchen in der Öffentlichkeit weiter einzuschränken. Ebenso kritisch sieht die Branche Forderungen aus Sachsen-Anhalt nach einer Null-Komma-null-Promillegrenze im Straßenverkehr. Dafür gibt es nach Hahns Worten überhaupt keinen Grund. Die Zahl der durch Alkohol verursachten Autounfälle steige erst bei einem Blutalkoholwert von mehr als 1 Promille, sogar erst von mehr als 1,3 Promille. „Das Problem sind nicht trinkende Autofahrer, sondern autofahrende Alkoholiker.“

          Für eine nachhaltige Lobbyarbeit brauchte die Branche jetzt einen starken Verband mit hoher Durchschlagskraft. Gerade da hat die Branche aber Schwierigkeiten mit ihrer organisierten Vertretung. Drei große Brauereigruppen - Bitburger, Radeberger, Krombacher mit den angeschlossenen Marken - haben den Verband verlassen, weil sie ihre Interessen nicht nachhaltig vertreten sehen. Sie hatten sich vor allem an der Struktur gestoßen: Der deutsche Brauerbund ist ein Verband der Verbände. Man ist nur über einen Landesverband indirekt Mitglied im nationalen Brauerbund. Der Verband hat reagiert und die direkte Mitgliedschaft von Großbrauereien im Deutschen Brauerbund zugelassen. Davon hat nach einem Jahr aber nur eine Brauerei Gebrauch gemacht - und zwar die deutsche Tochtergesellschaft der belgischen Großbrauerei Anheuser-Busch Inbev. Die abtrünnigen deutschen Brauereigruppen konnte auch das nicht zur Rückkehr bewegen.

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