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Bierbranche : Es schlägt die Stunde der kreativen Brauer

Groß in Mode: Der amerikanische Bierbrauer Joel Warger in seinem Unternehmen in Cleveland Bild: AP

Der deutsche Biermarkt schrumpft. Große Marken haben damit mehr Probleme als Kleinbrauereien. Die „Craft Breweries“ sind die Trendsetter, die uns den Bierdurst zurück bringen.

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          Bier aus der Flasche gefällig, in der man eher Prosecco vermutet? Und damit es besonders schmeckt, vielleicht in einem wohlgeformten Glas kredenzt, in das auch ein edler Wein eingeschenkt werden könnte? Das „Colonia - Obergäriges Bitterbier“ wird nicht einfach so die Kehle runtergeschüttet, um den ersten Durst zu löschen. Das Bier de luxe wird genossen, ist aber mit 5,99 Euro für 0,75 Liter immerhin noch erschwinglich. Mit dem „Arrique“, für 35 Euro die 0,75-Liter-Flasche, ist man indes im Bier-Himmel angekommen.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Aber Vorsicht: Mit einem Alkoholgehalt von 13,5 Volumenprozent ist ein Genuss nur schlückchenweise zu empfehlen. Die hochwertigen „Bierkreationen“ kommen aus dem Hause Braufactum. Die Braumethoden sind ungewöhnlich. Das Bier reift in edlen Holzfässern oder in der Flasche; Fässer- und Flaschengärung kennt man sonst eher vom Wein. Der Name der Internationale Brau-Manufacturen GmbH deutet auf Kleines hin; Braufactum ist auch sehr klein - und edel eben. Dahinter aber steht ein Bier-Riese: Inhaber ist die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger Gruppe, Deutschlands größte Brauerei.

          Die Branche streift das verstaubte Image ab

          So sitzt denn auch die 2010 ausgegliederte und von einer kleinen Projektgruppe um Braumeister und Geschäftsführer Marc Rauschmann ins Leben gerufene Kleinbrauerei in der früheren Zentrale der Binding-Brauerei in Frankfurt. Wenn es darum geht, den flauen Absatz des Getränks aus Hopfen, Gerste oder Hefe auf Touren zu bringen, sind Innovationen und Kreativität keine Grenzen gesetzt. Dabei streift die Branche zudem das verstaubte Image des biederen Biertrinkers ab. Braufactum, die mittlerweile ihre Edelbiere in ganz Deutschland vertreibt, zeigt einen Trend auf dem deutschen Biermarkt auf, der von immer mehr Verbrauchern goutiert wird.

          Dabei findet diese Entwicklung noch nicht einmal ihren Ursprung im „Land des Bieres“: Die Mode ist vielmehr vor Jahren von den Vereinigten Staaten nach Deutschland herübergeschwappt und heißt dort „Craft Breweries“: Kleinbrauereien also, die in einem überschaubaren, regional begrenzten Einzugsgebiet Biere und Bierspezialitäten mit Aroma-Geschmacksrichtungen anbieten, scheinen neue Biergefühle zu wecken; erfolgreich, wie sie sind.

          „Wir werden in den nächsten Jahren noch sehr viel mehr von den Craft Brewers sehen“, sagt Stephan Barth, Geschäftsführer von Barth&Sohn, in München. Das ist der größte Hopfenhändler der Welt, der zugleich den umfassendsten Überblick über die internationalen Biermärkte hat. Etablierte Brauereien - siehe Radeberger - würden sich ebenso auf neues Terrain begeben wie viele „junge Wilde“, die einfach etwas Neues ausprobieren wollten, sagte Barth. So wild allerdings müssen die Neueinsteiger nicht sein. Nicht selten sei es die nachfolgende Generation alt eingesessener, traditionsreicher Familienbrauereien, derer es viele gibt. Barth schätzt grob, dass sich etwa ein Zehntel der hierzulande knapp 1.300 Brauereien auf neues Terrain begeben haben.

          Mit dieser neuen Entwicklung ist die Hoffnung verbunden, den Bierdurst anzuregen. Denn seit Jahren leidet das deutsche Brauereiwesen unter rückläufigem, bestenfalls stagnierenden Absatz. Der Pro-Kopf-Verbrauch sinkt stetig. Viele Konsumenten ziehen Wein dem Bier vor, wenn es um alkoholische Getränke geht. Die sinkende Bevölkerungszahl tut ihr Übriges, erschwert durch die allgemeine Kritik an übermäßigem Alkoholverzehr.

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