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Bharat-Benz : Daimlers Lkw-Projekt fährt in Indien an die Wand

„Möglicherweise finanziell notleidend“: Bharat-Benz Bild: AFP

Hoffnungsvoll hatte Daimler sein Lastwagenprojekt in Indien begonnen. Nun steckt es tief in der Krise; das Eigenkapital schmilzt weg. Die indische Aufsichtsbehörde stuft Bharat-Benz sogar als „möglicherweise finanziell notleidend“ ein.

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          Das so hoffnungsvoll von Daimler begonnene Lastwagenprojekt in Indien ist tief in die Krise gefahren. Die neu geschaffene Marke Bharat-Benz, mit der der Subkontinent, aber auch andere Entwicklungsländer erobert werden sollten, ist auch aufgrund des stark abgeschwächten Wachstums in Indien hinter seinen Zielen zurückgeblieben. Die Wachstumsrate in Indien hat sich in drei Jahren halbiert, die Inflation grassiert, Investitionen werden aufgeschoben. Die Daimler India Commercial Vehicles (DICV), ein hundertprozentiges Tochterunterunternehmen der Stuttgarter, musste nun entsprechend der indischen Gesetze ein Wegschmelzen des Eigenkapitals melden.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die indische Aufsichtsbehörde Bureau for Industrial and Financial Reconstruction (BIFR) stuft ein Unternehmen als „möglicherweise finanziell notleidend“ ein, wenn der Wert der Abschreibungen und die operativen Kosten mehr als die Hälfte des Nettounternehmenswertes übersteigen. Bei DICV soll er im Geschäftsjahr 2013 (31. März) rund 60 Prozent erreicht haben. Ein Sprecher betonte, dass DICV weiterhin „planmäßig von der Muttergesellschaft“ finanziert werde. Die nächste Finanzspritze aus Stuttgart werde im Mai erwartet.

          Ohne Zweifel aber hatten die Stuttgarter in Indien mit einem anderen Szenario gerechnet. Mit Investitionen von mehr als 700 Millionen Euro für ein eigenes Werk im südindischen Chennai sollte eigentlich die Spitze im Nutzfahrzeugmarkt erobert werden. Branchenkenner schätzen, die Marke Bharat-Benz habe im vergangenen Kalenderjahr nur knapp 7000 Einheiten verkauft, einschließlich erster Verkäufe in den drei Exportmärkten Sambia, Sri Lanka und Kenia. Der Markt in Indien sei „in einem katastrophalen Zustand“, sagte der Sprecher.

          Am Absatz gemessen steht Bharat-Benz nur auf Platz vier der größten Lastwagenhersteller des Subkontinents. Marktführer Tata Motors und Konkurrent Ashok Leyland drücken derzeit die Kosten und trennen sich von Unternehmenseinheiten, die als überflüssig erachtet werden. Am nächsten Freitag wird Bharat-Benz planmäßig neue Modelle vorstellen.

          Konkurrenten bieten extreme Nachlässe

          Das neue Werk wurde so angelegt, dass es zunächst 36.000 Einheiten produziert, aber problemlos auf eine Kapazität von jährlich 72.000 Einheiten erweitert werden kann. Als sich die Krise kurz nach dem Markteintritt der Stuttgarter abzeichnete, versuchten sie diese zunächst durch den Export zu mildern. Marc Llistosella, der das Projekt Bharat-Benz mit großen Vollmachten von Stuttgart gründete, sprach bei der Eröffnung von 200.000 Zielkunden für Bharat-Benz in Indien. Damals hoffte man, dass hohe einstellige Wachstumsraten der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens weiter Schwung für Investitionen geben. Die potentiellen Käufer aber halten sich derzeit mit Ausgaben zurück. Und die Wettbewerber von Bharat-Benz drücken ihre Produkte mit extremen Nachlässen in den Markt.

          „2020 wird Indien der zweitgrößte Lastwagenmarkt nach China sein“, sagte der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche vor eineinhalb Jahren. „Wenn du es hier nicht schaffst, schaffst du es überhaupt nicht.“ Der Anteil moderner, robuster Lastwagen, wie Bharat-Benz sie bietet, werde bis 2020 von einst 4 Prozent auf 80 Prozent wachsen.

          Daimlers Markteintritt in Indien war von Beginn an schwierig: Der erste Daimler-Versuch eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem heutigen Hauptkonkurrenten Tata endete 1969. Der zweite Versuch ging 2008 daneben; eine Partnerschaft mit der Hero-Gruppe, einem Hersteller von Motorrädern. Als Hero ausstieg, machte Daimler allein weiter, gründete die Marke Bharat-Benz und baute eine riesige Fabrik.

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