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BCG-Studie : Sanktionen und Geopolitik sind wachsende Compliance-Risiken

Als Reaktion auf die jüngsten Waffenverkäufe der USA an Taiwan hat China Sanktionen gegen mehrere amerikanische Konzernmanager verhängt. Bild: dpa

Der Ukrainekrieg und die Bedrohung Taiwans hinterlassen Spuren: Der Umgang mit Sanktionen und deren Vermeidung sind zu den wichtigsten Aufgaben von Compliance-Managern geworden.

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          Das globale Wirtschafts- und Machtgefüge ändert sich, Konflikte in Südostasien und Europa nehmen an Schärfe zu. So ist der Umgang und die Prävention vor möglichen Handelssanktionen innerhalb eines Jahres zu einer der wichtigsten Aufgaben von Compliance-Verantwortlichen in Großkonzernen geworden. 36 Prozent der Befragten sehen in den Sanktionen ein Risiko für ihren Arbeitgeber, deutlich mehr als noch vor einem Jahr.

          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und erstmals überhaupt nennen die mehrheitlich aus Nordamerika und Europa stammenden Compliance-Manager geopolitische Spannungen (17 Prozent) als einen wichtigen Aspekt für Regel- und Gesetzestreue. Das geht aus dem jährlichen „Global ESG, Compliance & Risk Report“ der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) hervor, der in dieser Woche veröffentlicht wird und der F.A.Z. vorab vorliegt.

          Cybersicherheit höchste Priorität

          „Unsere Studie zeigt, dass Wirtschafts- und Handelssanktionen als Instrument im Kontext geopolitischer Spannungen deutlich an Bedeutung gewinnen“, sagt Katharina Hefter, in Deutschland mitverantwortlich für dem Report. Konkret könnten einzelne Konflikte – wie aktuell in Europa zu beobachten – ad hoc zu einer höheren Anzahl und Komplexität an Sanktionen führen. Daneben zieht die kontinuierliche Verhärtung der Fronten zwischen größeren Wirtschaftsregionen eine konstant höhere Intensität an Sanktionen sektor- und länderübergreifend nach sich, sagt Hefter.

          Ihrer Einschätzung nach wächst damit intern auch die Verantwortung des Fachbereichs. „Compliance-Abteilungen müssen hier im Einhalten von Sanktionsregelungen, Bekämpfen von Sanktionsumgehungsversuchen und Positionieren im Kontext der unterschiedlichen Fronten sehr differenziert vorgehen.“

          Auch Unternehmensethik im Fokus

          Die vordersten Plätze in der BCG-Umfrage bleiben im Vergleich zum Jahr 2021 unverändert. Weiterhin hat das Thema Cybersicherheit inklusive Datenschutz bei nahezu zwei Dritteln der Befragen die höchste Priorität für die Compliance im eigenen Unternehmen. Es folgen die Unternehmensethik (52 Prozent) sowie mit 42 Prozent gleichauf die Digitalisierung sowie die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG). Letzteres hat sich laut den Studienautoren über alle Regionen, Branchen und Unternehmensgrößen hinweg längst zu einem zentralen Baustein der Compliance-Kultur entwickelt.

          So berichtet Julia Gebhardt, Ko-Autorin des Reports, davon, dass viele Konzerne schon Maßnahmen ergriffen hätten, um ihre Strukturen auf die kommenden regulatorischen Verpflichtungen, wie das ab Januar 2023 geltende Lieferkettengesetz (LKSG) und die geplanten, weitergehenden EU-weiten Vorgaben anzupassen. „Im Rahmen des LKSG müssen Unternehmen zum Beispiel einen dedizierten Menschenrechtsbeauftragten bestellen, der für das Risikomonitoring verantwortlich ist, an die Geschäftsleitung regelmäßig berichtet und als zentraler Ansprechpartner für die Überwachungsbehörde dient“, erklärt Gebhardt.

          Dafür sei eine intensive Zusammenarbeit unterschiedlicher Bereiche wie Compliance, Recht, Personal, Einkauf und IT erforderlich. Die Herangehensweise kann sich aber lohnen. „Wie wir von unseren internationalen Kunden hören, wollen sie ihre Erfahrungen aus der Umsetzung als Vorlage für ihre internationale ESG-Strategie nutzen.“

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