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Kampf um TV-Übertragung : Bedrohung für Sky bei den Bundesligarechten

Bislang war der Bezahlsender Sky der wichtigste Partner der DFL. Bild: dpa

Beim Kampf um die TV-Milliarden bekommt der bisherige Primus Druck: Konkurrenten des Bezahlsenders Sky und ein Verein intervenieren beim Kartellamt – und fordern eine neue Regel für das Auktionsverfahren.

          Das Milliardengeschäft um die Vermarktung der Medienrechte an der Fußball-Bundesliga könnte eine überraschende Wendung bekommen. So haben nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mehrere potentielle Interessenten und dazu außerdem noch der Fußball-Branchenführer FC Bayern München beim Bundeskartellamt die Einführung der „No Single Buyer Rule“ für das bevorstehende Auktionsverfahren – gültig von 2017 an – gefordert. Demnach dürften zum Beispiel die Liverechte an der Bundesliga im Fernsehen nicht nur an einen Anbieter verkauft werden, wie es derzeit mit dem Pay-TV-Sender Sky der Fall ist.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dieses Modell kommt in der englischen Premier League zur Anwendung, wo neben Sky auch die BT Group (British Communication) jeden Spieltag Partien direkt überträgt. Die Diskussion mit dem Kartellamt forciert hat offenbar eine Gruppe um Dieter Hahn, Aufsichtsratschef von Constantin Medien – aber auch die Deutsche Telekom und weitere Interessenten. Das Bundeskartellamt bestätigte auf Anfrage, dass bei der Prüfung verschiedene Szenarien eine Rolle spielten. Fest steht: Die für Anfang Januar von der Deutschen Fußball Liga (DFL) vorgesehene Ausschreibung des Bieterverfahrens mit der Registrierung verzögert sich nun.

          Hinter der Eingabe beim Kartellamt stehen unterschiedliche Motive: Die Medienunternehmen wollen damit hinter dem Marktführer Sky ihre Eintrittschancen als Bundesligasender begünstigen. Auf Fußballseite erhofft sich ein Klub wie der FC Bayern, dass sich der Bieterwettstreit dadurch noch weiter anheizen ließe und unter dem Strich wesentlich mehr Geld eingenommen werden könnte. In England schaukelten sich so die beiden zum Zuge gekommenen Pay-Anbieter zuletzt in neue Dimensionen hoch: Ab der nächsten Saison zahlen Sky und BT den Klubs auf der Insel zusammen umgerechnet 2,3 Milliarden Euro für 168 Live-Partien im Jahr. Das ist ein Zuwachs auf der Einnahmenseite von gut 70 Prozent.

          Keine Gefahr für kleinere Anbieter

          Für den deutschen Sky-Ableger, der mit mehr als vier Millionen Abonnenten stetig gewachsen ist, aber nach Steuern weiterhin keinen Gewinn ausweist, würde die Einführung einer „No Single Buyer Rule“ einen herben Rückschlag für die Expansionspläne bedeuten. Der Sender mit dem Slogan „Alle Spiele, alle Tore“ müsste sich bei den Liveübertragungen die Bundesliga mit einem anderen Marktteilnehmer aufteilen. Der Pay-TV-Anbieter aus München zeigt bisher alle Spiele der ersten und zweiten Bundesliga und zahlt dafür 486 Millionen Euro für jede Saison. Er ist damit der mit Abstand wichtigste Geschäftspartner der Liga. Die Frage ist, ob das auch so bleiben wird.

          Das Unternehmen wollte sich zu den neuen Diskussionen und dem Vorstoß einiger Konkurrenten nicht äußern. Auch von der DFL gab es in der heiklen Angelegenheit keinen Kommentar. Die hier federführende Ligaorganisation hatte im Frühjahr ein Konzept mit den verschiedenen Rechtepaketen beim Bundeskartellamt zur Abstimmung eingereicht, sich dort aber gegen die Einführung der Regel, die auch in der italienischen Liga greift, ausgesprochen. Die vorgesehene Ausschreibung berge keine Gefahr, dass kleinere Anbieter vom Markt ausgeschlossen würden, hieß es da von DFL-Seite.

          Trotzdem spricht Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge in Bezug auf Sky und die Live-Rechte immer wieder gerne von einem „Monopol“, das beseitigt werden müsse. In Wirklichkeit war es bei der vergangenen Bundesligavergabe im Jahr 2012 aber so, dass neben Sky auch die Deutsche Telekom bei den Live-Paketen mitbot und damit in diesem Sektor für eine Verdopplung der DFL-Einnahmen gesorgt hat. Und nur darauf achtet das Kartellamt – ob bei der Auktion ein regelgerechter Wettbewerb gegeben ist.

          So gut es für die DFL wäre, wenn die Preise für die finanziell lukrative Liveberichterstattung weiter hochschießen. Die DFL ist auch vorsichtig und möchte den Bogen möglicherweise nicht überspannen. Einmal soll dem langjährigen und größten Partner Sky nicht zu hart mitgespielt werden. Dann muss eine „No Single Buyer Rule“ nicht unbedingt zu viel höheren Mehreinnahmen führen. Denn womöglich würde Sky für gewisse Live-Pakete mehr bieten als die Konkurrenz, aber dann eben nicht berücksichtigt werden, weil ein zweiter Anbieter zum Zuge kommen müsste. Vielleicht aber hofft die DFL insgeheim doch nur darauf, dass das Kartellamt die neue Regel einfordert.

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