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Blablabus gegen Flixbus : Der neue Zweikampf auf der Straße

Blablacar-Mitgründer und Geschäftsführer Nicolas Brusson: „Der deutsche Markt ist für uns sehr wichtig, wir investieren erheblich und gehen recht aggressiv vor.“ Bild: AFP

Flixbus besitzt quasi ein Monopol auf dem deutschen Fernbusmarkt. Jetzt aber geht Blablabus aus Frankreich gegen den Marktführer in die Offensive. Doch die beiden Unternehmen unterscheiden sich in ihren Expansionszielen.

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          Im seit 2014 offenen Fernbusmarkt herrscht heute kaum mehr Wettbewerb. In Deutschland befördert Flixbus Menschen, die billig unterwegs sein wollen – und sonst praktisch keiner mehr. Das könnte sich bald ändern. Ein neuer, alter Anbieter aus Frankreich namens Blablabus versucht dem deutschen Quasi-Monopolisten in die Parade zu fahren. Es handelt sich um einen Zweikampf von erwachsen gewordenen Start-up-Unternehmen. Der französische Herausforderer stammt vom staatlichen Bahnkonzern SNCF ab: Der schied vor geraumer Zeit aus dem Geschäft mit den Fernbusreisen aus. Sein Angebot „Ouibus“ galt als zu behäbig und zu teuer. Dabei hatte sich Bahn-Chef Guillaume Pépy lange Zeit gerühmt, anders als die Deutsche Bahn gleich nach der Marktöffnung durch den damaligen Wirtschaftsminister Emmanuel Macron im Jahr 2015 die Gelegenheit beim Schopf ergriffen zu haben. Doch die SNCF verlor den Fernbus-Wettstreit. 2006 verkaufte sie ihr Geschäft an die Online-Mitfahrzentrale Comuto, die in Frankreich jeder nur als Blablacar kennt.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seitdem hat es auf dem französischen Markt ähnlich wie in Deutschland einen scharfen Konzentrationsprozess gegeben. Nachdem die SNCF den Verkauf ihres Fernbusgeschäfts an Blablacar angekündigt hatte, schluckte der französische Marktführer Flixbus den Anbieter Isilines, der im Besitz der Gesellschaft Transdev ebenfalls mehrheitlich der öffentlichen Hand Frankreichs gehörte. Nun gehen die beiden Übriggebliebenen aufeinander los: Flixbus gegen Blablabus. Die Muttergesellschaft Blablacar hat ihrem Busgeschäft mit „Blablabus“ noch schnell den passenden Namen gegeben. Der Name Blablacar geht auf die Möglichkeit zurück, sich im Buchungsprozess entweder als stiller („bla“) oder mittelmäßig gesprächiger Typ („blabla“) oder als Plappermaul („blablabla“) zu präsentieren. Das Unternehmen ist heute in 22 Ländern aktiv und bezeichnet sich als größte Mitfahrzentrale der Welt. Allein im ersten Halbjahr vermittelte Blablacar 50 Millionen Passagiertransporte. Das kommt bei Investoren sehr gut an. Sie wittern ihre Chancen. Inoffiziell wird Blablacar mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet. Man profitiert vom Netzwerkvorteil des ersten oder durchsetzungsfähigsten Anbieters. Tatsächlich suchen über das Online-Portal die meisten Fahrer die meisten Mitfahrer. Und es gibt die meisten Bewertungen. Ähnlich wie bei Restaurantbesuchen, die viele vorher über Unternehmen wie Tripadvisor prüfen, haben Fahrer und Mitfahrer eine bessere Vorstellung davon, auf wen sie sich einlassen.

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