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Betrugsverdacht : Ermittlungsverfahren gegen Beluga-Chef

Unter Betrugsverdacht: Der beurlaubte Beluga-Chef Niels Stolberg Bild: dapd

Die Bremer Staatsanwaltschaft hat gegen den Firmengründer der Beluga-Reederei, Niels Stolberg, und weitere leitende Angestellte ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des schweren Betrugs eingeleitet. Der Finanzinvestor Oaktree hatte Strafanzeige erstattet.

          Bisher waren es nur Vorermittlungen. Doch jetzt sind die Indizien offenkundig stichhaltig genug, um die nächste Stufe zu zünden: Die Staatsanwaltschaft Bremen hat gegen den Gründer der Bremer Reederei Beluga Shipping, Niels Stolberg, sowie gegen drei weitere Manager des Unternehmens ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wegen des Verdachts des Betrugs im besonders schweren Fall und der unrichtigen Darstellung. „Die Beschuldigten stehen in dem Verdacht, seit dem Jahr 2009 Umsatzerlöse im dreistelligen Millionenbereich falsch ausgewiesen und hierdurch Kapitalgeber getäuscht zu haben“, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Der seit Donnerstag vergangener Woche beurlaubte Stolberg wollte sich mit Blick auf das laufende Verfahren nicht zu den Vorwürfen äußern. Er betonte aber, dass er sich in der kommenden Woche gegenüber der Staatsanwaltschaft erklären werde. „Ich laufe nicht weg und bin auch nicht auf der Flucht“, sagte Stolberg dieser Zeitung. Seine Anwälte seien am Montag bei der Staatsanwaltschaft vorstellig geworden. Stolberg hat sich den Frankfurter Wirtschaftsstrafrechtler Hanns Feigen an seine Seite geholt, der zuletzt den ehemaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel anwaltlich vertreten hat.

          Ausgelöst hat die Ermittlungen der amerikanische Finanzinvestor Oaktree, der in der vergangenen Woche Strafanzeige gegen Stolberg gestellt hatte. Oaktree war im Sommer 2010 mit einem Drittel bei der weltgrößten Schwergutreederei eingestiegen und hatte überdies die Finanzierung von 20 neu bestellten Schwergutschiffen übernommen. Vorangegangen war die in solchen Fällen übliche Prüfung (due diligence) der testierten Jahresberichte. Doch inzwischen sind die Amerikaner offenkundig der Ansicht, dass diese nicht mal mehr das Papier wert sind, auf dem sie stehen.

          Oaktree ist nach eigenem Bekunden im Februar 2011 darüber informiert worden, dass Beluga zusätzliche finanzielle Mittel benötige. Diese habe man nach kurzer Prüfung zur Verfügung gestellt, erklärte der Finanzinvestor am Dienstag. In diesem Zusammenhang kletterte der Anteil an Beluga auf 49,5 Prozent, die Mehrheit der Gesellschafteranteile liegt nach wie vor in den Händen Stolbergs.

          Vor allem aber ging Oaktree der Frage nach, warum Beluga plötzlich finanzielle Hilfe benötigte. Noch Ende Januar hatte die Reederei verlauten lassen, dass der Umsatz 2010 auf 500 (Vorjahr: 415) Millionen Euro gestiegen sei und dass man das vergangene Jahr mit Gewinn abgeschlossen habe. Nun aber entdeckten die Amerikaner, die inzwischen die komplette Führungsriege ausgetauscht und eigene Manager an die Beluga-Spitze entsandt haben, „finanzielle Unregelmäßigkeiten im Hinblick auf Umsatz und Liquidität“ und legten die entsprechenden Unterlagen der Staatsanwaltschaft vor.

          Stolberg galt als Vorzeigeunternehmer

          Nach eigener Aussage unterstützt Oaktree Beluga derzeit „mit erheblichen finanziellen und operativen Ressourcen“. Dabei sei es oberste Priorität, den Geschäftsbetrieb in vollem Umfang fortzuführen. Oaktree ist ein auf Restrukturierungsfälle spezialisierter Finanzinvestor, der die rund 100 Millionen Euro Erstinvestition (Fremd- und Eigenkapital) in Beluga aus seinem europäischen Private-Equity-Topf genommen hat. Dieser ist mit rund 3,8 Milliarden Dollar gefüllt. Trotz ihrer prall gefüllten Kasse wollen die Amerikaner die Sanierungslast möglichst nicht alleine tragen. Kreditgeber und Emissionshäuser, die Beluga-Schiffe finanziert haben, sollen Zinsen stunden und Charterraten reduzieren. Zu den finanzierenden Banken zählen die Norddeutsche Landesbank und deren Tochtergesellschaft Bremer Landesbank. Dort enthielt man sich auf Anfrage jeglichen Kommentars.

          Der 50 Jahre alte Stolberg galt in Bremen als ein Vorzeigeunternehmer. Er hat seine Reederei von 1995 an gleichsam aus dem Nichts aufgebaut und sich auch jenseits der Schifffahrt in Kultur, Sport und Ausbildungsförderung engagiert.

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