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Betrugsskandal : Auch der Hess-Aufsichtsrat ist im Visier der Justiz

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Im Betrugsskandal um die insolvente Hess AG ermittelt die Justiz auch gegen ein Mitglied des Aufsichtsrats: offenbar um den Sohn des Firmengründers.

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          Die Staatsanwaltschaft weitet ihre Ermittlungen im Betrugsskandal um den Börsenneuling Hess AG aus: Jetzt werde auch gegen ein Aufsichtsratsmitglied wegen Beihilfe zu Bilanzmanipulation, Kapitalanlagebetrug und Insolvenzverschleppung ermittelt, bestätigt Staatsanwalt Peter Lintz auf Anfrage. Dem Vernehmen nach handelt es sich um Jürgen Hess, den Sohn des Firmengründers und Vater von Christoph Hess, der das Unternehmen bis Januar führte.

          Christoph Hess wurde wie Finanzvorstand Peter Ziegler im Januar fristlos entlassen, nachdem sich im Unternehmen Hinweise auf Bilanzmanipulation gehäuft hatten. Demnach soll über Scheinfirmen der Umsatz künstlich aufgebläht worden sein. Insgesamt gebe es jetzt acht Beschuldigte aus dem Konzern, sagt Staatsanwalt Lintz und deutet an, dass die Zahl noch weiter steigen könne. Die Ermittlungen seien nach wie vor ein „dynamischer Prozess“, sowohl was die Zahl der Beschuldigten als auch die Delikte angeht.

          Bank überlegt, welche Börsengänge sie noch begleitet

          Der Fall Hess hat Aufsehen erregt, weil das kleine Unternehmen mit 380 Mitarbeitern erst im vergangenen Herbst an die Börse gebracht wurde und nun schon Insolvenz angemeldet hat. Für den sechs Millionen Euro teuren Börsengang, der dem Leuchtenhersteller 36 Millionen Euro frisches Geld brachte, zeichnete die LBBW verantwortlich, die nun selbst Strafanzeige gestellt hat.

          Man werde überlegen müssen, ob man überhaupt noch Börsengänge begleiten wolle bei Unternehmen, in deren Bücher man nicht als Hausbank schon seit Jahren Einblick habe, hat LBBW-Vorstandschef Hans-Jörg Vetter mittlerweile gesagt. Zu der Tatsache, dass Hess selbst ausweislich der öffentlich vorliegenden, geschönten Zahlen ein ziemlich schwächlicher Börsenkandidat war, wollte Vetter sich nicht äußern.

          Der frühere Daimler-Manager Till Becker, der als Sanierer zu Hess kam, nachdem Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand fristlos entlassen worden waren, ist inzwischen unverrichteter Dinge abgezogen. Er hätte Hess gerne saniert, erklärte er gegenüber der Belegschaft - allerdings außerhalb eines Insolvenzverfahrens.

          Da das Unternehmen mit Sitz in Villingen-Schwenningen aber zahlungsunfähig ist, hat nun das Insolvenzverwalter-Duo Volker Grub und Martin Mucha das Sagen. Beckers Nachfolger als Vorstandsvorsitzender, der 65 Jahre alte Andreas Budde, ist den beiden aus früheren Insolvenzverfahren bestens bekannt. So war Budde auch schon Vorstandschef des Schuhherstellers Salamander und des Maschinenbauers Rohwedder, als diese insolvent waren. Ziel sei es nun, Investoren für Hess zu finden. Die Grundlage für die Verhandlungen mit ihnen sei das von Becker ausgearbeitete Sanierungskonzept.

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