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Entscheidung nahe : Oetker treibt den Verkauf der Lampe-Bank voran

Der Eingang der Lampe-Bank Bild: dpa

Einige Bieter wie die Bethmann Bank hat das Bielefelder Unternehmen inzwischen ausgeschlossen. Schon in wenigen Wochen dürfte klar sein, wer den Zuschlag bekommt. Ein Favorit kristallisiert sich immer mehr heraus.

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          Seitdem im Juli 1949 der Bielefelder Unternehmer Rudolf-August Oetker 8,4 Millionen D-Mark in das 1852 gegründete Bankhaus Lampe hineinsteckte, leistet sich das Familienunternehmen Oetker neben Nahrungsmitteln wie Tiefkühlpizza, Back- und Puddingpulver sowie Bier auch eine Bank. Doch diese nun gut 70 Jahre andauernde Epoche dürfte schon in den nächsten Wochen enden.

          Nach Informationen der F.A.Z. stehen die Verhandlungen über einen Verkauf des Bankhauses Lampe kurz vor einer Entscheidung. Damit dürfte Lampe, dessen Stammhaus am Alten Markt in Bielefeld gerade mehrere Jahre lang aufwendig renoviert wurde, vor einer größeren Neuausrichtung stehen.

          Wie in Finanzkreisen bestätigt wird, hat das Familienunternehmen Oetker den Kreis der an Lampe interessierten Bieter vor Weihnachten verkleinert. Ausgeschieden sind demnach die Schweizer Bank UBS und der französische Bankier Philippe Oddo, dem seit 2016 schon die Frankfurter BHF-Bank gehört. Auch das der holländischen Bank ABN Amro gehörende Bankhaus Bethmann, das zuletzt als heißer Kaufinteressent gehandelt wurde, bietet nach Informationen der F.A.Z nicht länger für die Lampe-Bank. Weder Oetker noch UBS, Oddo-BHF und Bethmann wollten dazu einen Kommentar abgeben.

          Oddo hatte dem Vernehmen nach gegenüber der Oetker-Familie mit seinen Kontakten zu französischen Familienunternehmen und besonderen Investmentzielen etwa im Bereich Biotechnik geworben, in die der zu den reichsten Franzosen gehörende Philippe Oddo auch selbst investiert. Schließlich haben die Oetkers einiges Geld noch anzulegen, seit sie im Jahr 2017 die Reederei Hamburg Süd für 3,7 Milliarden Euro an den dänischen Konkurrenten Maersk verkauft haben.

          Andere pokern höher als Oddo-BHF

          Doch Oddos Werben hat offenbar nicht verfangen. Andere Bieter, allen voran der chinesische Investor Fosun, scheinen bereit zu sein, deutlich mehr Geld für das Bankhaus Lampe auf den Tisch zu legen als die 200 bis 300 Millionen Euro, die Oddo geboten haben soll. Ob Oetker nur noch mit einem Bieter oder mit mehreren „exklusiv“ verhandelt, ist unklar. Dem Vernehmen nach ist das chinesische Konglomerat Fosun, das 2016 das Bankhaus Hauck & Aufhäuser gekauft hat, noch im Rennen. Eine Sprecherin von Hauck & Aufhäuser wollte das am Donnerstag nicht kommentieren.

          Sollte Fosun zum Zuge kommen, würden die Chinesen ihre Expansion in Deutschland fortsetzen. Neben dem Tourismus (Thomas Cook) und der Mode (Tom Tailor) bildet der Finanzsektor ein Investitions-Schwerpunkt der größten privaten chinesischen Beteiligungsgesellschaft. Kurz nach dem lange von der deutschen Bankenaufsicht geprüften Kauf von Hauck & Aufhäuser kam ein Innovation-Hub für Finanz-Start-up-Beteiligungen und die Frankfurter Leben hinzu, die in Not geratene Pensionskassen aufkauft. Auch die Bank Hauck & Aufhäuser nennt als strategisches Ziel ausdrücklich „anorganisches Wachstum“.

          Lampe in schwerem Fahrwasser

          Durch Zukäufe gewachsen ist auch das Bankhaus Bethmann, das 2004 aus der Fusion der Banken Delbrück und Bethmann-Maffei hervorging und seither der holländischen Bank ABN Amro gehört. 2011 kaufte Bethmann dann die Liechtensteiner Bank LGT, 2014 das deutsche Privatkundengeschäft von Credit Suisse. Dahinter stand stets das Kalkül, dass sich die notwendigen hohen Investitionen in die IT nur dann rechnen, wenn sie auf mehr Kunden und mehr Anlagevolumen umgelegt werden können.

          Das Bankhaus Lampe leidet – wie viele anderen Banken auch – unter der Niedrigzinsphase und dem Margendruck in der Vermögensverwaltung. 2018 erreichte Lampe mit knapp 15 Millionen Euro den niedrigsten Gewinn seit fünf Jahren. Das verwaltete Vermögen sank von 22,4 auf 19,1 Milliarden Euro. Anders als Bethmann ist Lampe auch im Kapitalmarktgeschäft vertreten. Insofern könnte Lampe tatsächlich besser zu Hauck & Aufhäuser beziehungsweise zu Fosun passen.

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