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Beteiligungen : Die gewitzten Investoren aus Qatar

Blick auf die Zahlen: Die Qataris investieren viel und denken dabei langfristig Bild: REUTERS

Qatar sitzt auf den drittgrößten Gasvorkommen der Welt. Seine Petrodollars investiert das Land äußerst raffiniert in westliche Konzerne. Die Beteiligungen bilden dabei den Gegenpol zu den Hedgefonds.

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          Schnäppchenjäger sind die Qataris nicht. Sie kaufen gezielt ein: Ihre Staatsfonds sind 2008 mit 9,9 Prozent in die Credit Suisse eingestiegen, damit diese für Qatar die großen Deals abwickelt. Weil der Emir und seine Frau gerne Porsche fahren und überhaupt von deutscher Technologie fasziniert sind, kauften sie 17 Prozent der Stammaktien der Volkswagen AG. Um draußen in der Welt privilegiert einkaufen zu können, gaben sie im vergangenen Mai 1,5 Milliarden Pfund für das Londoner Nobelkaufhaus Harrods aus, und um auch in der Atomenergie mitmischen zu können, zeigt das gasreiche Qatar nun Interesse an einem Einstieg in das französische Unternehmen Areva, wo Investitionen bis zu 3 Milliarden Euro für möglich gehalten werden.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Doch zunächst bereichert Hochtief das Portfolio. Denn um die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 ausrichten zu können, benötigt Qatar dringend Unternehmen, die den Bau der neuen Stadien und der Infrastruktur überwachen. Denn Moody’s erwartet, dass Qatar bis 2020 für den Ausbau seiner Infrastruktur 57 Milliarden Dollar ausgeben wird. Dazu passt Hochtief. Als interessant sind aus qatarischer Sicht die Tochtergesellschaften Leighton in Australien und Turner in den Vereinigten Staaten. Leighton hatte vom Bauboom in Dubai profitiert, der nun zu Ende ist. Turner hingegen ist im Bauconsulting, bei Gewerbeimmobilien und beim „grünen Bauen“ stark. Schließlich sollen 2022 die Stadien emissionsfrei mit Solarpanelen gekühlt werden.

          Hochtief passt zu Qatar, und Qatar passt zu Hochtief. Denn seine Staatsfonds sind, wie alle in den reichen arabischen Staaten am Golf, an langfristigen Bindungen interessiert. Sie sollen die üppigen Petrodollars gut anlegen und dabei ihre Volkswirtschaften diversifizieren. Die Beduinen der Arabischen Halbinsel hatten Heuschrecken als Feinde ihrer biologischen Lebensgrundlagen gefürchtet. Daraus haben in der Gegenwart die Manager der Staatsfonds gelernt. Sie verhalten sich als Gegenpol zu den Hedgefonds, die den Gewinn kurzfristig maximieren und dazu auch gewachsene Strukturen zerschlagen. Das kommt den Staatsfonds auch deshalb nicht in den Sinn, weil die Herrscherhäuser, denen sie gehören – in Qatar die Al Thani –, in Generationen denken, langfristig. Ihre Vertreter sitzen in den Vorständen der Unternehmen, in die sie einsteigen. Das Management und Tagesgeschäft überlassen sie aber jenen, die sie mit eingekauft haben und denen sie vertrauen.

          Prall gefüllt haben sie ihre Tresore mit den Einnahmen aus dem Export von Erdöl und Erdgas. Zu dem Bruttoinlandsprodukt von Qatar von 126 Milliarden Dollar in diesem Jahr trägt das Erdöl 27 Prozent und das Erdgas bereits 32 Prozent bei. Richtig reich ist Qatar durch das Gas. Vor der Küste im Norden des kleinen Landes hatten bis vor einigen Jahrzehnten noch Perlenfischer nach Muscheln getaucht. Bis dort 1971 das größte Gasfeld der Welt entdeckt wurde, das North Field. Ihm verdankt Qatar seinen Reichtum. Denn es enthält 910 Trillionen Kubikfuß Erdgas, das sind 14 Prozent aller bekannten Gasvorkommen. Qatar, halb so groß wie Hessen, verfügt damit über die drittgrößten Gasreserven nach Sibirien und Iran.

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