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Leitung von Hapag Lloyd : Der Clan, der Deutschlands Schiffe lenkt

  • -Aktualisiert am

Meins! Andrónico Luksic, 62, vor der „Valparaiso Express“. Das Hapag-Lloyd-Containerschiff wurde am vergangenen Mittwoch in Chile getauft. Bild: Agencia Uno

Die mächtigste Industriellenfamilie Chiles macht in Banken, Bier und Benzin. Dazu bestimmt sie über die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd. Ein Besuch bei Señor Luksic.

          7 Min.

          Wenn in Valparaiso die deutsche Hymne im Meer versinkt – so hätte man den berühmten „Capri-Fischer“-Schlager umdichten können. Die Zutaten: eine chilenische Hafenstadt, deren bunt bemalte Häuschen im Sonnenlicht leuchten, ein Schiff, wie es die Bewohner dieser Stadt noch nie gesehen haben, breit wie ein Straßenzug, lang wie drei Fußballfelder. Und eine Nationalhymne, die keiner kennt.

          Die „Valparaiso Express“, die in der chilenischen Hafenstadt getauft wurde, gehört der Reederei Hapag-Lloyd, ihr Heimathafen ist Hamburg; deshalb die deutsche Hymne, vorgetragen von einem Streichquintett. Es hat nur keiner mitgesungen. Weil außer dem Kapitän niemand auf der Bühne den Text kannte, weder der holländische Chief Executive Officer, noch der britische Chief Operating Officer schon gar nicht der bullige Bartträger mit dem Goldknopfblazer in der Mitte. Es mag ja sein, dass die Deutschen, vor allem die stolzen Hanseaten, bis heute glauben, Hapag-Lloyd sei ihre Firma. Aber sie irren sich. Die eigentlichen Herrscher über die Flotte aus 166 Containertankern und 9400 Mitarbeitern in 121 Ländern sitzen eineinhalb Autostunden von Valparaiso entfernt in der chilenischen Hauptstadt Santiago. Und Andrónico Luksic, der Mann mit den Goldknöpfen, ist der Chef der Chefs.

          Erinnert an die Kommandozentrale des Bond-Bösewichts

          In seiner Heimat kennt den Milliardär jeder, in Deutschland noch fast niemand. Um das zu ändern, hat seine Holding Quiñenco zusammen mit Hapag-Lloyd eine Handvoll Journalisten nach Chile eingeladen, die F.A.S. ist auch dabei. Drei Tage lang erklären die Gastgeber, warum sie glauben, dass die Reederei, der seit nunmehr fast einem Jahrzehnt andauernden Krise des weltweiten Frachtergeschäfts zum Trotz, in eine renditestarke Zukunft schippert. Nebenbei führt der Luksic-Clan vor, in welchen anderen Branchen er sein Geld verdient. So viel vorab: Als Chilene kann man heute kaum noch durchs Leben gehen, ohne mit Quiñenco-Firmen zu tun zu bekommen – und dadurch das in Liechtenstein verwaltete Vermögen der Familie Luksic zu vergrößern.

          Die Reise beginnt landestypisch auf einem Weingut. Auf 70 Hektar werden hier, am Rande der schneebedeckten Anden, die „großen Weine“ der Firma San Pedro angebaut; die Flaschenpreise fangen bei 60 Euro an. San Pedro gehört zum Getränkekonglomerat Compañía Cervecerías Unidas (CCU), bei dem Quiñenco das Sagen hat.

          Nach einer Präsentation und Verkostung sitzt die Reisegruppe auf der Veranda und schaut trinkend ins Tal. Der Blick ist phänomenal. Es ist Sommer in Chile. Die Gäste schwitzen, und Claudia Gomez-Martinez, die Managerin des Guts, hält einen Vortrag, dessen Grundton man in den nächsten Tagen wieder und wieder hören wird. Chile, in diesem Fall Chiles Wein, ist ihr zufolge einfach spitze. Auf jeden Fall besser als alles, was die anderen lateinamerikanischen Länder zu produzieren imstande sind.

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