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Bester Jahresauftakt seit 2007 : Investmentbanking treibt Gewinn der Deutschen Bank

  • Aktualisiert am

Kann sich ein entspanntes Lächeln leisten: Josef Ackermann Bild: dpa

Bei der Deutschen Bank sprudeln die Gewinne - und das ausgerechnet im Investmentbanking, das in der Finanzkrise verteufelt wurde. Die Bank hat im ersten Quartal deutlich mehr als vor einem Jahr verdient, doch die Anleger lässt das kalt.

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          Mit einem Milliardengewinn im ersten Quartal knüpft die Deutsche Bank an Rekordzeiten vor der Krise an. Sprudelnde Einnahmen im viel kritisierten Investmentbanking - etwa im Handel mit Anleihen und Aktien, Währungen und Rohstoffen - bescherten dem Dax-Konzern nach Angaben vom Dienstag den besten Jahresauftakt seit 2007.

          Die Euphorie über den hohen Quartalsgewinn hielt an der Börse nicht lange an. Die Aktien gaben ihre frühen Kursgewinne schnell wieder ab und lagen am Mittag 1,3 Prozent im Minus bei 54,60 Euro. An den Zahlen sei nichts auszusetzen, sagten mehrere Händler übereinstimmend. Es gebe aber Zweifel an der Nachhaltigkeit.

          „Nach der Party heute morgen konzentrieren sich die Anleger auf die kurzfristigen Aussichten und fragen sich, ob das Unternehmen das noch einmal schaffen kann“, sagte ein Händler. Zudem gab sich Finanzvorstand Stefan Krause zurückhaltend und wollte die Entwicklung im ersten Quartal nicht auf das
          Gesamtjahr übertragen. „Das ist nicht gerade der bestmögliche Ausblick, den man geben kann“, betonte ein Händler (lesen Sie dazu die aktuelle Aktienanalyse).

          Bild: dpa

          Dabei hat die Deutsche Bank die Erwartungen von Analysten deutlich übertroffen. Das größte deutsche Geldhaus verdiente im ersten Quartal vor Steuern 2,8 Milliarden Euro, eine Milliarde mehr als vor Jahresfrist, wie die Deutsche Bank am Dienstag mitteilte. Nach Steuern stand ein Gewinn von 1,8 (Vorjahreszeitraum: 1,2) Milliarden Euro in den Büchern.

          „Entscheidend für das gute Ergebnis im ersten Quartal 2010 war unser Geschäft im Investmentbanking“, sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Die Sparte habe mit einem Vorsteuergewinn von 2,7 Milliarden Euro so viel verdient wie noch wie in einem Quartal. Die Eigenkapitalquote vor Steuern lag bei 30 Prozent und damit sogar über Ackermanns in Deutschland viel kritisiertem Ziel von 25 Prozent.

          Risikovorsorge zurückgefahren

          Auch die Risikovorsorge im Kreditgeschäft konnte zurückgefahren werden. Sie lag in den ersten drei Monaten des Jahres bei 262 Millionen Euro, nach 526 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Aufwendungen von allein 120 Millionen Euro fielen bei der Deutschen Bank für die Bonussteuer in Großbritannien an.

          Die Bank sei auf gutem Weg, ihr Ziel von zehn Milliarden Euro Gewinn vor Steuern für das Jahr 2011 zu erreichen, erklärte Finanzvorstand Stefan Krause in einer Analystenpräsentation. Die meisten Experten hatten vor den Quartalszahlen erhebliche Zweifel geäußert, dass dieses Ziel erreicht werden kann. Für das laufende Jahr gab Ackermann keine Prognose ab, zeigte sich aber optimistisch. „Im ersten Quartal hat sich die Weltwirtschaft spürbar stabilisiert, auch wenn noch einige Risiken verbleiben.“

          Die Bank rechnet im Investmentbanking mit einem weiterhin boomenden Geschäft. Für den Bereich zeichne sich 2010 ein weiteres gutes Jahr ab, auch wenn das Ertragsniveau in den meisten Segmenten niedriger als im Vorjahr liegen dürfte, heitß es im Quartalsbericht. Das Privatkundengeschäft solle sich stabilisieren, im Geschäft mit Firmenkunden sei dagegen von einem anhaltend schwierigen Umfeld auszugehen.

          Die Übernahme der Privatbank Sal. Oppenheim, die seit Ende Januar in den Büchern steht, hielt die Deutsche Bank dagegen im Geschäft mit der Vermögensverwaltung in den roten Zahlen. Der Verlust aus der Erstkonsolidierung lag bei 58 Millionen Euro, das Minus im Bereich Asset & Wealth Management betrug Steuern fünf (173) Millionen Euro. „Während die Integrations- und Ausstiegskosten unsere Profitabilität kurzfristig deutlich belasten könnten, erwarten wir ab 2012 einen positiven Beitrag zum Konzern und langfristig erhebliches Potenzial“, hieß es im Ausblick.

          Keine Eile mit der Postbank-Übernahme

          Dass die Übernahme von Sal. Oppenheim ein großer Brocken ist, dürfte auch ein Grund für die gemächliche Gangart bei der Übernahme der Postbank sein. Hartnäckigen Gerüchten an den Aktienmärkten, wonach die Deutsche Bank die Postbank schneller als geplant komplett übernehmen will, versuchte Krause den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Eine schnellere Übernahme würde sich für uns nicht lohnen“, erklärte er. Derzeit hält die Deutsche Bank knapp 30 Prozent an der Postbank und hat die Option auf eine komplette Übernahme im Februar 2012. Die Aktien der Postbank waren in den vergangenen Wochen wegen der Spekulation über eine baldige Übernahme stark gestiegen. Dienstag gegen Mittag gaben die Postbank-Papiere rund vier Prozent nach auf 26,18 Euro.

          Die wirtschaftliche Lage sieht die Deutsche Bank noch nicht vollkommen entspannt. „Die wirtschaftlichen Aussichten sind weiterhin durch ein hohes Maß an Unsicherheit geprägt“, schrieb Ackermann in einem Brief an die Aktionäre. Außerdem rücke der Ausstieg aus der aktuell sehr expansiven Geld- und Zinspolitik sowie anderen staatlichen Stützungsprogrammen immer näher.

          Hinzu komme, dass derzeit nicht absehbar sei, wie und wann die strengeren regulatorischen und fiskalpolitischen Maßnahmen umgesetzt würden. Ackermann sprach sich erneut für eine international koordinierte Vorgehensweise aus.

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