https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/besetzung-des-vorstands-bahnchef-sucht-frau-12212372.html

Besetzung des Vorstands : Bahnchef sucht Frau

Auf der Suche: Bahnchef Grube Bild: dpa

Rüdiger Grube sucht eine Nachfolge für Technik-Vorstand Kefer. Wegen der anhaltenden Quotendiskussion besteht bei der Deutschen Bahn der Druck, eine Frau in die Führungsriege zu holen.

          2 Min.

          Bahnchef Rüdiger Grube sucht eine Frau - oder einen Mann - für das Vorstandsressort Technik. Der amtierende Technik-Vorstand Volker Kefer soll das Fachgebiet abgeben, weil er mit seinem zweiten Ressort Infrastruktur mehr als ausgelastet ist. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG soll die Aufspaltung des Keferschen Vorstandsbereichs am 19. Juni billigen, wie aus der Tagesordnung für die Sitzung hervorgeht.

          Kerstin Schwenn
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Eine Nachfolgerin - oder eben ein Nachfolger, falls sich keine passende Frau findet - wird voraussichtlich am übernächsten Mittwoch noch nicht zur Wahl der Aufseher stehen. Es werden noch Gespräche geführt. Wie aus Aufsichtsratskreisen zu hören ist, hat Grube sich nicht auf eine weibliche Besetzung festgelegt, spürt aber wegen der andauernden Quotendiskussion einen gewissen öffentlichen Druck, endlich wieder eine Frau in die Führungsriege zu holen.

          Viele gute Leute im Markt

          Der Bahnvorstand ist rein männlich, seit Personalvorstand Margret Suckale die Bahn nach der Datenaffäre 2009 in Richtung BASF verließ. Noch steht nicht fest, ob der neue Posten intern oder extern besetzt wird. Es gebe viele gute Leute im Markt, darunter auch viele Frauen, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Grube soll sich umhören, auch in seinen früheren Branchen Auto- und Luftfahrtindustrie. Er soll sogar Listen des Vereins Deutscher Ingenieure und des Deutschen Ingenieurinnenbundes durchforsten.

          Der Ingenieur Kefer leitet das Technikressort seit September 2009, zuvor war er Vorstandsvorsitzender der Tochtergesellschaft DB Netz. Der Ingenieur Grube, der im Mai 2009 den Vorstandsvorsitz der Bahn von Hartmut Mehdorn übernommen hatte, war damals entsetzt, dass „Technik“ nur einem Generalbevollmächtigten oblag - schließlich sollten die Verhandlungen mit der Industrie über Milliardenaufträge „auf Augenhöhe“ geführt werden.

          2010 übernahm Kefer dann zusätzlich, nachdem sich Grube mit dem Netzvorstand Stefan Garber über die Kalkulation des Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 zerstritten hatte, das Ressort Infrastruktur. Aus der Übergangs- wurde eine Dauerlösung. Kefer fand Gefallen an der Doppelaufgabe. Die jedoch hat es in sich. Das Megavorhaben Stuttgart 21 avancierte rasch zum Megaproblem, das Kefers ganze Aufmerksamkeit forderte. Gleichzeitig eskalierte der Streit mit der Bahnindustrie wegen deren Lieferschwierigkeiten bei ICE und Regionalzügen - Krisensitzungen mit Bundesverkehrsministerium und Eisenbahnbundesamt inklusive.

          Grube gewann den Eindruck, die Vereinigung der Verantwortlichkeiten in einer Person bewähre sich nicht. Er ist nun bemüht, die Aufspaltung des Doppelressorts nichts als Kefers Entmachtung erscheinen zu lassen. Der Infrastrukturvorstand wird in der Tat nicht beschäftigungslos sein. Neben dem Dauerbrenner Stuttgart 21 muss er sich um die Infrastrukturfinanzierung kümmern, mit dem Bund einen neuen Vertrag aushandeln. Grubes neue Frau für die Technik, die auch ein Mann sein könnte, muss derweil nicht nur mit den Bahnherstellern und dem Eisenbahnbundesamt kämpfen. Sie soll den Blick auch wieder auf Innovationen auf der Schiene richten. Am 19. Juni steht noch eine weitere Personalie an: Der Aufsichtsrat soll den Vertrag von Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg verlängern.

          Weitere Themen

          EU will Rodung von Regenwald für Soja und Kaffee stoppen

          Lieferketten : EU will Rodung von Regenwald für Soja und Kaffee stoppen

          Ein beachtlicher Teil der Rodung des Regenwalds geht auf das Konto der EU, weil sie Waren einführt, die dort produziert werden. Die Importeure sollen deshalb künftig sicherstellen, dass sie nur noch „rodungsfreie“ Waren einführen.

          Topmeldungen

          Der Zweite Senat beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.

          Coronafonds der EU : Karlsruhe muss die Demokratie schützen

          Der Europäische Gerichtshof feiert Jubiläum, aber das Bundesverfassungsgericht wird weiterhin dringend gebraucht. Denn Europa soll kein Staat werden.
          Karl Lauterbach (zweiter von links) präsentiert die Arbeitsergebnisse der Regierungskommission für Krankenhäuser.

          Pläne für Krankenhausreform : Karl Lauterbachs Klinikrevolte

          Eine Regierungskommission schlägt vor, Fallpauschalen zurückzufahren und lieber Vorhaltekosten zu übernehmen. Die Länder und die Selbstverwaltung wurden dazu nicht gefragt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.