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Besetzung des Vorstands : Bahnchef sucht Frau

Auf der Suche: Bahnchef Grube Bild: dpa

Rüdiger Grube sucht eine Nachfolge für Technik-Vorstand Kefer. Wegen der anhaltenden Quotendiskussion besteht bei der Deutschen Bahn der Druck, eine Frau in die Führungsriege zu holen.

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          Bahnchef Rüdiger Grube sucht eine Frau - oder einen Mann - für das Vorstandsressort Technik. Der amtierende Technik-Vorstand Volker Kefer soll das Fachgebiet abgeben, weil er mit seinem zweiten Ressort Infrastruktur mehr als ausgelastet ist. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG soll die Aufspaltung des Keferschen Vorstandsbereichs am 19. Juni billigen, wie aus der Tagesordnung für die Sitzung hervorgeht.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Eine Nachfolgerin - oder eben ein Nachfolger, falls sich keine passende Frau findet - wird voraussichtlich am übernächsten Mittwoch noch nicht zur Wahl der Aufseher stehen. Es werden noch Gespräche geführt. Wie aus Aufsichtsratskreisen zu hören ist, hat Grube sich nicht auf eine weibliche Besetzung festgelegt, spürt aber wegen der andauernden Quotendiskussion einen gewissen öffentlichen Druck, endlich wieder eine Frau in die Führungsriege zu holen.

          Viele gute Leute im Markt

          Der Bahnvorstand ist rein männlich, seit Personalvorstand Margret Suckale die Bahn nach der Datenaffäre 2009 in Richtung BASF verließ. Noch steht nicht fest, ob der neue Posten intern oder extern besetzt wird. Es gebe viele gute Leute im Markt, darunter auch viele Frauen, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Grube soll sich umhören, auch in seinen früheren Branchen Auto- und Luftfahrtindustrie. Er soll sogar Listen des Vereins Deutscher Ingenieure und des Deutschen Ingenieurinnenbundes durchforsten.

          Der Ingenieur Kefer leitet das Technikressort seit September 2009, zuvor war er Vorstandsvorsitzender der Tochtergesellschaft DB Netz. Der Ingenieur Grube, der im Mai 2009 den Vorstandsvorsitz der Bahn von Hartmut Mehdorn übernommen hatte, war damals entsetzt, dass „Technik“ nur einem Generalbevollmächtigten oblag - schließlich sollten die Verhandlungen mit der Industrie über Milliardenaufträge „auf Augenhöhe“ geführt werden.

          2010 übernahm Kefer dann zusätzlich, nachdem sich Grube mit dem Netzvorstand Stefan Garber über die Kalkulation des Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 zerstritten hatte, das Ressort Infrastruktur. Aus der Übergangs- wurde eine Dauerlösung. Kefer fand Gefallen an der Doppelaufgabe. Die jedoch hat es in sich. Das Megavorhaben Stuttgart 21 avancierte rasch zum Megaproblem, das Kefers ganze Aufmerksamkeit forderte. Gleichzeitig eskalierte der Streit mit der Bahnindustrie wegen deren Lieferschwierigkeiten bei ICE und Regionalzügen - Krisensitzungen mit Bundesverkehrsministerium und Eisenbahnbundesamt inklusive.

          Grube gewann den Eindruck, die Vereinigung der Verantwortlichkeiten in einer Person bewähre sich nicht. Er ist nun bemüht, die Aufspaltung des Doppelressorts nichts als Kefers Entmachtung erscheinen zu lassen. Der Infrastrukturvorstand wird in der Tat nicht beschäftigungslos sein. Neben dem Dauerbrenner Stuttgart 21 muss er sich um die Infrastrukturfinanzierung kümmern, mit dem Bund einen neuen Vertrag aushandeln. Grubes neue Frau für die Technik, die auch ein Mann sein könnte, muss derweil nicht nur mit den Bahnherstellern und dem Eisenbahnbundesamt kämpfen. Sie soll den Blick auch wieder auf Innovationen auf der Schiene richten. Am 19. Juni steht noch eine weitere Personalie an: Der Aufsichtsrat soll den Vertrag von Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg verlängern.

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