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Bertelsmann und Pearson : Ein neues Kapitel im Buchmarkt

Gemeinsam voran: Bertelsmanns Random House und Pearsons Penguin Bild: dpa

Was die Fusion von Random House und Penguin für Verlage, Autoren und Leser bedeutet. Eine Analyse.

          2 Min.

          Die Medienkonzerne Bertelsmann und Pearson wollen ihre Buchverlage zu einem neuen Riesen im internationalen Buchmarkt fusionieren. Auf Basis der Geschäftszahlen des vergangenen Jahres kommen Random House (Bertelsmann) und Penguin (Pearson) zusammen auf einen Umsatz von rund 3 Milliarden Euro. Nach Berechnung des Marktforschers Bookscan erreichten Random House und Penguin gemeinsam in den Vereinigten Staaten, dem größten Buchmarkt der Welt, dieses Jahr bisher einen rechnerischen Marktanteil von rund 30 Prozent. Was bedeutet die angekündigte Elefantenhochzeit für den Buchmarkt? Was sind die Folgen für Autoren und Leser?

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Buchverlage:

          Bisher dominieren sechs große Verlage das globale Geschäft. Auch die Stuttgarter Mediengruppe Holtzbrinck zählt mit Macmillan zu diesem Kreis.  Nun werden nur noch fünf Schwergewichte übrig bleiben. Fachleute spekulieren bereits, dass der Fusion von Random House und Penguin weitere Zusammenschlüsse folgen werden. Die Logik: Bücher werden immer häufiger nicht mehr im Laden gekauft, sondern entweder im Versandhandel bestellt oder gleich als E-Book-Download. In Deutschland wird bisher zwar nur etwa jedes fünfte Buch nicht mehr im Geschäft gekauft, in anderen Ländern hat aber bereits der Exodus des stationären Buchhandels eingesetzt.

          Die neuen digitalen Vertriebskanäle für Bücher werden jedoch von wenigen weltweit aktiven Großkonzernen beherrscht. Allen voran Amazon, aber auch Apple und Google mischen im digitalen Buchmarkt mit. Amazon versucht sich sogar selbst bereits erfolgreich als (digitaler) Buchverleger. Um den mächtigen Geschäftspartnern beim Feilschen um Einkaufspreise, Endkundenpreise und Konditionen Paroli bieten zu können, versuchen die Buchverlage durch Zusammenschlüsse größer zu werden.  Das gilt nicht nur für Random House und Penguin, sondern auch für die Konkurrenz.

          Die Autoren:

          Für die Autoren ist die Nachricht der Großfusion eher keine gute Nachricht. Literaturagenten, die Vertreter der Autoren in den Verhandlungen mit den Verlagen, warnen bereits:  Bei dem Zusammenschluss drohe  die Liste der von Random House und Penguin verlegten Autoren kürzer zu werden. Denn bei Fusionen geht es fast immer auch ums Kostenkürzen und Rationalisieren.

          So war es auch im Musikmarkt: Dort verloren nach dem Zusammenschluss der beiden Branchengrößen Sony Music und BMG zahlreiche Musiker ihre Plattenverträge. Wenn im Buchmarkt tatsächlich weitere Zusammenschlüsse folgen, dürften die Folgen umso gravierender sein. Weniger Wettbewerb im Buchmarkt könnte es besonders für Nachwuchs-Autoren schwerer machen, einen Verlag für ihre Bücher zu finden: Es wird in Zukunft wohl weniger Adressen geben, an die sie ihre Manuskripte schicken können.

          Die Leser:

          Auch für die Leser ist der Zusammenschluss nicht unbedingt eine gute Nachricht. Wenn Random House und Penguin tatsächlich nach der Fusion beginnen, im großen Stil Autoren auszusortieren, wird wahrscheinlich die Vielfalt im Buchsortiment leiden. Andererseits dürften aber auch die Leser kein Interesse daran haben, dass die Dominanz von Amazon & Co zu groß wird.

          Wenn Random House und Penguin eins werden, schadet das zwar dem Wettbewerb innerhalb des Buchverlagsgeschäfts. Aber die Fusion stärkt eben zugleich die Position der bislang vergleichsweise kleinen Verlage gegenüber wenigen, sehr großen digitalen Handelsmultis. Das verspricht einen gesünderen Wettbewerb zwischen Verlagen und Handel – wovon letztlich auch die Leser profitieren werden.

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