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Bertelsmann-Stiftung : „Wir hätten gern ein bisschen Konkurrenz“

  • -Aktualisiert am

Gunter Thielen: „Die Stiftung ist im Aufbruch” Bild: Michael Löwa

Unternehmer sind als Mäzene eigentlich gern gesehen. Die Bertelsmann-Stiftung steht aber immer wieder im Verdacht, zu viel politischen Einfluss zu nehmen und dabei weniger das Gemeinwohl als das des Medienkonzerns zu verfolgen. Der neue Stiftungschef, Gunter Thielen, weist solche Vorwürfe zurück.

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          Von Gütersloh nach Peking? Diesen Sprung aus der ostwestfälischen Provinz hat der Medienkonzern Bertelsmann vor 18 Jahren vollzogen. Unter ihrem neuen Vorstandschef Gunter Thielen will die Stiftung folgen: Auch sie zieht es hinaus, gerade ist ein Büro in Washington eröffnet worden, die Brüsseler Repräsentanz wird kräftig aufgestockt. Und in etwa eineinhalb Jahren will die Stiftung in Peking einen Brückenkopf in Asien schaffen. Thielen will die Stiftung deutlich sichtbar ausrichten auf die Welt von morgen. Alles, was global passiert, schlage auf Deutschland zurück. „Deutschland kann nicht mal allein dafür sorgen, dass der Rhein sauber wird“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Also müsse die Stiftung dem Konzern folgen, sich umschauen, was die Globalisierung für Deutschland bedeute. An diesem Beispiel könne man schon sehen, dass der Vorwurf, die Stiftung spiele den Türöffner für den Medienkonzern, verfehlt sei. Wenn überhaupt, sei es umgekehrt, sagt Thielen. Als Stiftung im Ausland Fuß zu fassen sei nicht leicht, in Amerika hat man eine Tochterstiftung gegründet. Sie soll sich mit amerikanischen Stiftungen vernetzen und auf den Gebieten europäisch-amerikanischer Beziehungen, Bildung und Migration zusammenarbeiten. „Wir sind der erste europäische Think Tank, der nach Amerika geht“, hebt Thielen hervor.

          „Wettbewerb, Freiheit, Solidarität und Menschlichkeit“

          Im Lichte der amerikanischen Erfahrungen soll es dann rasch nach Asien gehen. Thielen bevorzugt China. Was will die Bertelsmann Stiftung, die sich zu den Werten „Wettbewerb, Freiheit, Solidarität und Menschlichkeit“ bekennt, in einer Diktatur, die einen Teil der Bevölkerung brutal unterdrückt? Thielen, der im vergangenen Jahr in Tibet war, will die aktuellen Friktionen im Umfeld der Olympischen Spiele nicht überbewerten. Als Ausländer müsse man respektieren, dass die Chinesen, was den Dalai Lama angehe, sehr empfindlich seien. Sie seien aber auch pragmatisch. „Die Chinesen machen ihre Geschäfte weiter, solange es ihnen nutzt“, zeigt er sich zuversichtlich. Was hat die Bertelsmann Stiftung den Chinesen anzubieten? Gemeinsames Interesse sei der demographische Wandel, hier hat die Stiftung viele Studien betrieben und Erfahrung gesammelt. „Die Chinesen altern schneller als wir, wenn wir hier unser Knowhow einbringen, ist die chinesische Regierung sehr einverstanden.“

          Doch das ist noch Zukunftsmusik, die Gegenwart spielt in Gütersloh. Hier sitzt die Stiftung in der Carl-Bertelsmann-Straße, gegenüber der Bertelsmann AG. Man blickt aus den lichten Stiftungspavillons auf einen künstlichen See, in der Mitte ein Helikopterlandeplatz, gehätschelte Schwäne ziehen Kreise. Die 330 Mitarbeiter der Stiftung arbeiten fast alle hier. Zwei Jahre kam es zum ungeplanten Interregnum, weil die Stiftung hinter den Interessen des Konzerns zurückstehen musste, der Thielen nach dem plötzlichen Abgang des damaligen Konzernchefs Middelhoff länger brauchte als geplant.

          Vorwürfe entkräften

          Wohl auch als Folge dieses Vakuums wurde die Stiftung Ende vergangenen Jahres Ziel öffentlicher Kritik. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi warf ihr vor, sie organisiere mit ihren neoliberalen Rezepten und mit Hilfe des Konzerns Stellenabbau im öffentlichen Dienst. Attac und andere warnten vor Einfluss auf die Politik. Intern überwarf sich die Stiftung mit ihrem langjährigen Aushängeschild und Impulsgeber, dem Münchner Politologen Werner Weidenfeld.

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