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Bertelsmann : Liz Mohn bleibt an der Macht

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Beide sind wie auch die Kinder von Brigitte und Christoph Mohn bereits Gesellschafter der Reinhard Mohn Verwaltungsgesellschaft. Die nachwachsende Generation ist an Bertelsmann also schon beteiligt. Die Familie Mohn hält zusammen 19,1 Prozent des Kapitals von Bertelsmann. Der Löwenanteil von 80,9 Prozent liegt in den Stiftungen (Bertelsmann Stiftung, Reinhard Mohn Stiftung, BVG-Stiftung).

Das eigentliche Machtzentrum des Konzerns ist jedoch die Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft. Dort hält Liz Mohn die Fäden in der Hand. Früher wurde sie oft unterschätzt, vielleicht auch, weil sie eine Frau ist, die stark von ihrem Mann geprägt wurde. Ähnlich erging es Friede Springer, der Ehefrau und Erbin von Axel Springer.

Kultur des Gremiums

Doch inzwischen zweifelt kaum noch jemand an der Durchsetzungskraft der beiden starken Frauen in Deutschlands größten Medienkonzernen. Im Unterschied zu Friede Springer scheint Liz Mohn den Fortbestand von Bertelsmann als Familienunternehmen gesichert zu haben. Die entscheidenden Weichen hierfür stellte allerdings Reinhard Mohn.

Jedes Familienmitglied kann bei Bertelsmann natürlich seine eigene Meinung haben, doch am Ende entscheidet allein die BVG über den Weg des Konzerns. Mit drei gestandenen Externen und drei Familienmitgliedern wurde das Gremium von Reinhard Mohn so aufgestellt, dass niemand alleine gegen den Rest regieren kann.

Zwar verfügt Liz Mohn über ein Vetorecht, das aber noch nie ausgeübt worden sei, wie zu hören ist. Abstimmungen gebe es in der Praxis auch nicht, sondern vielmehr intensive, manchmal auch längere Diskussionen und dann eine Entscheidung im Konsens, wobei an Liz Mohn kein Weg vorbeiführt. Diese Kultur des Gremiums soll auch auf die nachfolgenden Generationen übertragen werden.

Gleitender Übergang

Prägend für die Nachwachsenden wird sein, wie Liz Mohn, die fit, gesund, international gut vernetzt und unternehmungslustig ist, mit ihrer eigenen Nachfolge umgehen wird. Sie wird sich auch in Zukunft intensiv beraten, viele Gespräche führen und dann in Ruhe entscheiden. Eine neue Altersgrenze in der BVG gibt es nicht, also auch keinen Zeitplan.

Für den Übergang zur übernächsten Generation gilt wiederum Reinhard Mohn als Vorbild. Er zog sich aus der Arbeit in den Gremien über Jahre hinweg langsam zurück. So konnten die Familienmitglieder alle Abläufe einüben, was einen gleitenden Übergang sicherstellte. Selbst an den Sitzungen der Verwaltungsgesellschaft nahm Reinhard Mohn zum Schluss nicht mehr teil. Er las aber noch die Protokolle.

An ganz großen Fragen jedoch beteiligte er sich, etwa am Rückkauf der damals in Belgien liegenden Anteile an Bertelsmann durch die Familie. Verabredet ist, dass in der Verwaltungsgesellschaft gemeinsam darüber entschieden werden soll, wann Liz Mohn einmal den Vorsitz abgeben wird. Die wichtigste Entscheidung allerdings liegt allein bei ihr. Irgendwann muss sie entscheiden, wer ihr nachfolgen soll.

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