https://www.faz.net/-gqe-8ibfb

Bertelsmann : Liz Mohn bleibt an der Macht

  • -Aktualisiert am

Früher lag dort das Durchschnittsalter der Konzerne bei 60 Jahren, heute bei nur noch 18. Ein großes internationales Unternehmen wie Bertelsmann zu erhalten, zu transformieren und an die nächste Generation in einem Zustand zu übergeben, dass es auch in der digitalen Welt eine gute Zukunft hat, gilt nicht nur in Gütersloh als eine Riesenaufgabe.

Für die Familie Mohn war es ein finanzieller Kraftakt und ein langwieriger Prozess, die familienfremden Gesellschafter wieder herauszukaufen, die im Zuge der Börsenpläne des erst gefeierten und dann 2002 vom Hof gejagten ehemaligen Vorstandschefs von Bertelsmann, Thomas Middelhoff, an Bord geholt wurden.

Wieder auf Wachstumskurs

Über Jahre hinweg begrenzte der Rückkauf die Expansionsmöglichkeiten des Konzerns. Doch inzwischen ist Bertelsmann unter der Führung des Vorstandsvorsitzenden Thomas Rabe wieder auf Wachstumskurs und erzielt gute Ergebnisse.

Im Unterschied zu den meisten seiner Vorgänger wurde sein Vertrag in diesem Jahr vorzeitig verlängert, so dass Rabe bis zum Ende des Jahrzehnts die Digitalisierung und Transformation von Bertelsmann vorantreiben kann. Neben Medien und Dienstleistungen hat er die Bildung, den Musikrechtehandel und Investitionen in Digitalunternehmen zu drei neuen Bereichen des Konzerns ausgebaut.

Der Wiedereinstieg in den Musikrechtehandel beschert Bertelsmann schöne Margen in einem wachsenden, globalen und obendrein stabilen Markt, in dem zunehmend auch chinesische oder indische Internetunternehmen an Rechten interessiert sind, weil sie Streamingdienste anbieten.

Globaler Internetinvestor

Ähnlich verhält es sich im Bildungsgeschäft, wo mit der Ausbildung und dem Training von Fachkräften im amerikanischen Gesundheitssystem ebenfalls langfristige und stabile Erträge zu erzielen sind, auch weil Online-Schulungen für den amerikanischen Staat 70 Prozent günstiger und für Bertelsmann beliebig skalierbar sind. Außerdem ist der Konzern aus Gütersloh mittlerweile ein globaler Internetinvestor, der in mehr als 100 Technologieunternehmen in Wachstumsmärkten investiert ist, ob in Amerika, China, Indien oder Israel.

Der Aufsichtsrat und die Verwaltungsgesellschaft von Bertelsmann teilen die Begeisterung des Vorstands für die drei neuen Bereiche, die eine ordentliche Rendite auf das eingesetzte Kapital bei möglichst geringem Risiko bringen sollen. Rabes Zusammenarbeit mit Christoph Mohn, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Bertelsmann SE & Co. KGaA, läuft dem Vernehmen nach reibungslos. Die beiden tauschen sich regelmäßig aus.

Aber auch Liz Mohn ist am Geschäftsverlauf nach wie vor sehr interessiert. Sie nimmt als Aufsichtsratsmitglied an den Sitzungen des Aufsichtsrats teil, führt darüber hinaus viele persönliche Gespräche mit Mitarbeitern von Bertelsmann, auch mit Managern aus der zweiten oder dritten Reihe wie zuletzt beim Management-Meeting vor einer Woche. Auch ihre Tochter Brigitte Mohn sitzt seit vielen Jahren im Aufsichtsrat und beaufsichtigt zudem die Bertelsmann-Stiftung.

Liz Mohn hält die Fäden in der Hand

Wie es scheint, hat die Familie eine gute Balance zwischen den Generationen gefunden. Denn inzwischen arbeitet die siebte Generation im Unternehmen, die Enkelkinder aus der ersten Ehe von Reinhard Mohn. Carsten Coesfeld ist Geschäftsführer der Arvato Distribution GmbH, und Thomas Coesfeld ist im Bertelsmann Entrepreneurs Program tätig.

Weitere Themen

Topmeldungen

Test für Reiserückkehrer im rheinland-pfälzischen Bitburg

Kritik an Risikogebieten : Zahl der Neuinfizierten abermals über 1000

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen bleibt weiter vierstellig. Zugleich übt der Deutsche Hausärzteverband Kritik an pauschalen Risikogebieten. „Wahnwitzig“ sei auch, dass Ärzte Hotelbuchungen von Reiserückkehrern kontrollieren sollen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.