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Werbeerlöse schrumpfen : Bertelsmann erwartet 18 schwierige Monate

Bertelsmann-Chef Rabe Bild: dpa

Das Kostenproblem lässt sich in den Zahlen schon erkennen. Trotzdem erwartet Bertelsmann fürs Gesamtjahr einen neuen Umsatzrekord.

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          Bertelsmann wird in diesem Jahr erstmals mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz erzielen. In diesem Punkt ist Vorstandschef Thomas Rabe sich ziemlich sicher, nachdem der Medienkonzern im ersten Halbjahr den Umsatz um knapp 7 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro gesteigert hat. Mit allen anderen Prognosen ist Rabe vorsichtig: „Das wäre Kaffeesatzleserei. Heute ist noch nicht einmal klar, wie die TV-Erlöse im September sein werden, weil die Agenturen unsicher mit Blick auf die Werbekunden sind, weil diese wiederum nicht wissen, wie sich das Verbraucherverhalten ändert“, erläutert Rabe die Zusammenhänge: „Die nächsten 18 Monate bleiben schwierig.“ Deswegen werde man nun – trotz einer geringen Verschuldung – selektiver investieren. Lediglich die Investitionen ins Streaming würden unverändert fortgeführt, sagte Rabe im Gespräch mit der F.A.Z. Nach 70 Millionen Euro Anlaufverlusten im ersten Halbjahr rechne man fürs Gesamtjahr mit einem Minus von 250 Millionen Euro im Streaminggeschäft.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

          Es sei nun ein hohes Maß an Kostendisziplin nötig, betonte Rabe: „Kostenprogramme sind bei Bertelsmann an der Tagesordnung.“ So sei man beispielsweise gerade dabei, die Tiefdruckerei in Dresden zu schließen. Bei RTL Deutschland, wo Rabe vor Kurzem selbst die Zügel in die Hand nahm und eine „aktive Steuerung“ ankündigte, sei man dabei, „die Prioritäten neu zu sortieren“. Besonders im Printbereich werde man auf die Kosten achten müssen, weil dort die Schwäche des Anzeigengeschäfts mit hohen Papier- und Energiepreisen zusammenfalle. Printgeschäft ist Teil von RTL, seit im vorigen Winter die Hamburger Zeitschriftengruppe Gruner+Jahr mit der Fernsehgruppe verschmolzen wurde. Geplant ist, die Printtitel in das RTL+ genannte crossmediale Streaming­angebot zu integrieren, was offenbar nicht kurzfristig gelingt.

          32 Prozent Rendite im Bildungsgeschäft

          Die RTL Group trägt ein Drittel zum Umsatz und fast die Hälfte zum operativen Ergebnis des Bertelsmann-Konzerns bei und ist damit die wichtigste Sparte. Im ersten Halbjahr nahm der RTL-Umsatz mit 3,3 Milliarden Euro organisch schon um 0,4 Prozent ab. Die Ebitda-Marge ging von 18,7 auf 18,6 Prozent zurück. Dynamischer entwickelte sich im ersten Halbjahr die Dienstleistungssparte Arvato, die den Umsatz um 8,3 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro steigerte und die Ebitda-Marge von 16,4 auf 16,9 Prozent verbesserte. Dritte Säule des Konzerns ist die Buchsparte Penguin Random House, deren Umsatz nur wegen Kurseffekten um 6,3 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro stieg. De facto gab es hier einen Rückgang um 1,8 Prozent. Die Rendite sackte von 18 auf 13,4 Prozent ab. Die Veröffentlichungsliste sei zuletzt nicht so gut gewesen, sagte Rabe. Er verspricht sich unter anderem wegen der Biographie von Michelle Obama eine Trendumkehr. Erfolgreicher war die Musik-Sparte mit einem Renditeanstieg von 16,9 auf 19,7 Prozent. Am rentabelsten schnitt mit 32 Prozent Rendite das stark auf Südamerika ausgerichtete Bildungsgeschäft ab.

          Trotz zahlreicher externer Faktoren stehe Bertelsmann gut da, betont Rabe, gerade weil man den Konzern mit drei Säulen und verschiedenen kleineren Aktivitäten breit aufgestellt habe. Bei insgesamt nahezu unverändertem Ebitda von 1,429 (Vorjahr: 1,417) Milliarden Euro blieb unterm Strich ein Konzernergebnis von 492 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Bertelsmann im Halbjahr einen Konzerngewinn von 1,368 Milliarden Euro ausgewiesen, wobei 567 Millionen Euro einer Veräußerung zuzurechnen waren.

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