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Wechsel bei Fernsehsender : RTL verliert überraschend seinen Chef

Bert Habets ist überraschend als RTL-Chef zurückgetreten. Bild: RTL

Der bisherige Vorstandschef Bert Habets ist überraschend zurückgetreten. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe führt fortan auch die RTL-Group. An der Strategie soll sich deshalb nichts ändern.

          Bertelsmann-Chef Thomas Rabe wird mit sofortiger Wirkung auch Vorstandschef der Luxemburger RTL-Group und damit die Führung der wichtigsten Unternehmenstochter der Gütersloher Mediengruppe übernehmen. Wie die Fernseh-Sendergruppe RTL und Bertelsmann am Montag überraschend mitteilten, hat sich RTL-Vorstandschef Bert Habets „aus persönlichen Erwägungen“ entschieden zurückzutreten. Der Verwaltungsrat der Gruppe ernannte daraufhin Rabe zum RTL-Chef. „Thomas Rabe bleibt zugleich in Personalunion Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann“, hieß es weiter in der Mitteilung.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Rabe wies im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Spekulationen zurück, die Entscheidung sei auf Differenzen über die strategische Ausrichtung von RTL zurückzuführen. „Es gab keine Differenzen über die Strategie“, sagte er. „Das war eine Entscheidung aus familiären Gründen.“ Informationen aus dem Umfeld Habets, der in den Niederlanden lebt, bestätigten das. In internen Netzwerken bei Bertelsmann wies Rabe Fragen danach, ob es Probleme bei RTL gegeben habe, ebenfalls zurück. „Nein, ganz und gar nicht“, sagte er. Die kürzlich veröffentlichten Zahlen für 2018 hätten einen Rekordumsatz von 6,5 Milliarden Euro, ein operatives Ergebnis von 1,4 Milliarden Euro und eine Ebitda-Marge von 21,5 Prozent gezeigt, sagte er.

          Rabe sagte, er wolle den Kurs von RTL als neuer Vorstandschef nicht ändern. „Nach dem Ausscheiden von Berts Habets ist es unsere Aufgabe, die Transformation der RTL-Group mit drei Prioritäten voranzutreiben: Erstens mit der Stärkung der Kerngeschäfte TV, Radio und Produktionsgeschäft, zweitens mit dem Aufbau lokaler Video-Streaming-Champions und drittens mit dem Aufbau ihrer Werbetechnologie-Geschäfte, sagte Rabe.

          Thomas Rabe bleibt in Personalunion Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann.

          Mit der Übernahme der Führung bei RTL wird Rabe die Sendergruppe, die 50 Prozent des Gewinns des Gütersloher Medien- und Dienstleistungskonzerns erwirtschaftet, enger an die Zentrale binden. Die Übernahme des RTL-Vorstandsvorsitzes sei keine temporäre Lösung, sagte der Bertelsmann-Chef: „Das ist eine Lösung auf Dauer.“ Rabe begründete sein Engagement auch damit, dass Bertelsmann „keinen beliebigen Vorrat an Führungskräften“ habe.

          Die RTL-Group sei gemessen am Umsatz und Ergebnis der wichtigste Unternehmensbereich von Bertelsmann, sagte Christoph Mohn, Aufsichtsratsvorsitzender von Bertelsmann. Insofern sei es sehr zu begrüßen, dass Rabe nun die Führung übernehme. „Bertelsmann befindet sich unter Führung von Thomas Rabe strategisch und geschäftlich weiterhin auf einem sehr guten Weg.“

          Habets hat nach dem Rückzug der langjährigen RTL-Chefin von Anke Schäferkordt Ende 2017 nur für kurze Zeit an der Spitze der RTL-Group gestanden – zunächst als Teil einer Doppelspitze, später allein.

          Rabe erhält Unterstützung

          Rabe, der die Bertelsmann-Gruppe seit Jahren auf Digitalisierung trimmt, ist mit RTL gut vertraut. 2000 wurde er Finanzvorstand der Gruppe, dem Verwaltungsrat trat er 2006 bei und wurde 2012 dessen Vorsitzender. Seit 2012 ist er auch Vorstandschef der Bertelsmann-Gruppe. „Ich werde beide Unternehmen führen und meine Zeit zwischen Gütersloh und Luxemburg aufteilen“, sagte Rabe. „Ich kenne RTL in-- und auswendig.“ Der Bertelsmann-Chef zeigte sich zuversichtlich, sich beiden Aufgaben ausreichend widmen zu können.

          Als neuer Verwaltungsratsvorsitzender der RTL-Group wurde am Montag Martin Taylor ausgerufen. Er war zuvor stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender. Vertreten wird ihn künftig James Singh. „Ich übernehme die Arbeit nicht allein“, sagte Rabe und wies auf die Unterstützung durch Taylor und Singh hin, die er seit langem kenne.

          Zudem habe er eine Reihe wichtiger Vorhaben beim Konzernumbau von Bertelsmann abgeschlossen, sagte Rabe. Der neue Doppel-Chef verwies dabei auf die Fusion der Buch-Verlagstochter Random House mit dem früheren Wettbewerber Penguin und auf die 2018 beschlossene Kooperation des Tochterunternehms Arvato mit dem marokkanischen Partner Saham im Call-Center-Geschäft-hin.

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