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Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski : „Mehrere hundert Millionen Euro einsparen“

  • Aktualisiert am

Mächtiger Medienmanager: Bertelsmann-Chef Hartmut Ostroswki Bild: Daniel Pilar

Als Chef von Bertelsmann (RTL, Gruner+Jahr) ist Hartmut Ostrowski der mächtigste Medienmanager Europas. Im Interview mit der F.A.Z. spricht er über die Milliardenschulden des Konzerns, sein Verhältnis zur emotionalen Familieneignerin Liz Mohn und inwiefern die Wirtschaftskrise ein „Geschenk des Schicksals“ ist.

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          Europas größter Medienkonzern, zu dem RTL und Gruner+Jahr gehören, reagiert auf die Wirtschaftskrise mit dem größten Sparprogramm in der Geschichte des Unternehmens. Außerdem zeigt sich Bertelsmann offen für Zusammenschlüsse. „Wir könnten eigene Geschäfte mit anderen Unternehmen fusionieren, um Synergien zu heben“, sagt Hartmut Ostrowski, der Anfang 2008 den Vorstandsvorsitz in Gütersloh übernommen hat. Für das laufende Jahr strebt Ostrowski zwar ein positives Nachsteuerergebnis an. Dafür möchte er aber nicht die Hand ins Feuer legen. Staatshilfen für Medienunternehmen lehnt Ostrowski ab.

          Herr Ostrowski, wie schlecht geht es Bertelsmann?

          Es geht uns nicht schlecht, wir schlagen uns ganz ordentlich. Aber natürlich sind auch wir von der Wirtschaftskrise betroffen. Wegen der Anzeigenflaute sind unsere Zeitschriften dünner. Fernsehsendungen werden im Moment weniger durch Werbung unterbrochen. Im Durchschnitt sind die Werbemärkte um mehr als 10 Prozent gefallen. Darauf müssen wir reagieren.

          Wie?

          Sparsamkeit ist angesagt. Wir müssen uns schlanker aufstellen und haben jetzt das größte Kostensenkungsprogramm in der Geschichte des Unternehmens aufgelegt.

          Was heißt das in Zahlen?

          Das heißt in Zahlen, dass mehrere hundert Millionen Euro eingespart werden.

          Was ist da der größte Block?

          Das ist von Sparte zu Sparte unterschiedlich. Im Fernsehgeschäft senken wir die Programmkosten, im Dienstleistungsgeschäft von Arvato erhöhen wir die Produktivität und reduzieren die Personalkosten, bei den Verlagen ist es eine Kombination aus Preispolitik und Arbeitsplatzabbau, wie zuletzt bei Random House in den Vereinigten Staaten. Auch Kurzarbeit ist vereinzelt ein Thema für uns. Betroffen sind der Kalenderverlag bei Arvato und einige Standorte des Tiefdruckers Prinovis.

          Wie sehr ist Bertelsmann denn von der Werbung abhängig?

          Rund ein Drittel unseres Umsatzes, oder besser gesagt nur ein Drittel, kommen aus der Werbung. Das ist deutlich weniger als bei den meisten Medienunternehmen. Wir sind gut diversifiziert, und das gibt uns die Möglichkeit, Markteinbrüche an einer Stelle an anderer Stelle abzufedern oder sogar auszugleichen.

          Könnte Bertelsmann im ersten Quartal in die Verlustzone rutschen?

          Wir werden unsere Quartalszahlen am 12. Mai veröffentlichen. Tatsache ist, dass der Start ins laufende Geschäftsjahr herausfordernd war. Diese Herausforderung müssen wir annehmen.

          Droht im Gesamtjahr ein Verlust?

          Operativ möchte ich für dieses Jahr einen Verlust ausschließen. Für das Ergebnis unter dem Strich kann ich die Hand aber nicht ins Feuer legen, auch wenn wir natürlich ein positives Nachsteuerergebnis anstreben. In diesem schwierigen Umfeld weiß man nie, ob nicht weitere Firmenwertabschreibungen erforderlich werden.

          Wie stehen Sie vor dem Hintergrund der konjunkturellen Entwicklung zu Werbeverboten, die von der EU in Brüssel erwogen werden?

          Angesichts von Rezession und Werberückgängen wären weitere Werbebeschränkungen oder -verbote eine zusätzliche erhebliche Belastung für Medienunternehmen. Für legale Produkte muss legal geworben werden können.

          Der Bertelsmann-Vorstand verzichtet in diesem Jahr auf seine Boni. Ist das als Ankündigung zu verstehen, dass auch die „normalen“ Mitarbeiter auf Teile ihres Einkommens verzichten sollen?

          Wir wollen als Vorstand mit gutem Beispiel vorangehen. Im Sinne der Bertelsmann-Partnerschaftsprinzipien hat es dort, wo es ein bisschen enger wurde, immer schon Vereinbarungen zwischen Geschäftsleitungen und Betriebsräten gegeben, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Dazu zählen die Verlängerung von Arbeitszeiten oder der teilweise Verzicht auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Die Intensität derartiger Maßnahmen nimmt in diesen Zeiten zu. Es gibt aber kein zentrales Programm. Ich darf darauf hinweisen, dass beispielsweise das Arvato-Dienstleistungsgeschäft im ersten Quartal deutlich gewachsen ist und auch im Gesamtjahr klar zulegen wird. Die Nachfrage nach Outsourcing-Dienstleistungen steigt – da profitieren wir als großer, verlässlicher Anbieter vom Spardruck in den Unternehmen.

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