https://www.faz.net/-gqe-9j85u

Medienkonzern : Bertelsmann bündelt sein Geschäft in Kreativ-Allianz

Der Vorstandsvorsitzende des Medienkonzerns Bertelsmann, Thomas Rabe im Jahr 2017 in Berlin Bild: dpa

Der deutsche Medienkonzern schließt seine Tochterunternehmen zu einer „Content Alliance“ zusammen. Künstler sollen die Bertelsmann-Angebote so besser nutzen können.

          Im Wettbewerb mit den globalen Internetplattformen will Bertelsmann seine Mediengeschäfte in Deutschland stärker bündeln. Die Mediengruppe RTL, die Fernsehproduktionsfirma Ufa, die Buchverlagsgruppe Random House, das Musikunternehmen BMG und die Verlagsgruppe Gruner + Jahr sollen von Februar an in einer „Content Alliance“ gemeinsame Formate entwickeln und vermarkten und damit umfassende Angebote für Kreative und Künstler schaffen, kündigte der Medienkonzern am Dienstag in Gütersloh an. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe sagte der F.A.Z., „kein anderes deutsches Medienunternehmen kann oder könnte etwas Vergleichbares auf die Beine stellen“.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die neue „Content Alliance“ der Bertelsmann-Tochterunternehmen, die am Freitag ihre erste gemeinsame Sitzung hatte, richtet sich nach Angaben Rabes vor allem an Kreative und Talente. „Sie können von Bertelsmann vermehrt Angebote über alle Mediengattungen hinweg aus einer Hand erwarten, die dazu dienen, ihre Inhalte bestmöglich zu verbreiten, ihre Reichweite zu erhöhen und sie so zum Erfolg zu führen“, sagte der Bertelsmann-Chef. „Das stärkt uns im Wettbewerb mit den globalen Plattformen.“ Bertelsmann investiert jährlich rund sechs Milliarden Euro in die Kreativwirtschaft, davon fast ein Drittel in Deutschland. Diese Investitionen seien effizienter, „wenn wir gemeinsam Inhalte entwickeln“, sagte der Bertelsmann-Chef.

          Schon in der Vergangenheit haben die einzelnen Medienunternehmen im Bertelsmann-Konzern gemeinsam an der Verbreitung von Inhalten gearbeitet. So kooperierten die Buchverlage von Penguin Random House mit den TV-Produktionsunternehmen wie Fremantle oder der Ufa über die Nutzung von Buchrechten für Verfilmungen. Jüngste Beispiele dafür sind die Vox-Serie „Der Club der roten Bänder“ nach einem Buch von Albert Espinosa oder die Fremantle-Produktion „München“, die auf dem gleichnamigen Roman von Robert Harris basiert. „Wir wollen das weiter ausbauen und durch Zusammenarbeit effizienter machen“, sagte Rabe.

          Internationale Pläne

          Als einen Modellfall für die neue Kooperation in der Mediengruppe nannte er das erst vor wenigen Tagen gemeinsam von BMG und Gruner und Jahr auf den Markt gebrachte Fan-Magazin über den Musiker Max Giesinger. „Jetzt wollen wir solche und neue Formen der Zusammenarbeit stärker systematisieren, koordinieren und strukturieren“, sagte Rabe. Zudem würden mit der neuen Allianz klare Zuständigkeiten und zentrale Ansprechpartner geschaffen.

          Die Verantwortung für die kreative und unternehmerische Umsetzung der Allianz liege aber weiter bei den einzelnen Unternehmen, hieß es. Bertelsmann habe nur den Impuls für die Gründung der neuen Allianz gegeben. Vorsitzende der Content Alliance wird die Geschäftsführerin von Gruner + Jahr, Julia Jäckel. Dazu kommen Bernd Reichart von RTL Deutschland, Nico Hofmann von der Ufa, Stephan Schmitter von RTL Radio Deutschland sowie Thomas Rathnow von der Verlagsgruppe Random House, Stephan Schäfer von Gruner und Jahr und Hartwig Masuch und Dominique Kulling von BMG. „Alle übernehmen ihre neuen Aufgaben für die Bertelsmann Content Alliance zusätzlich zu ihren bisherigen Funktionen“, hieß es.

          Rabe plant, solche Allianzen nach dem Start in Deutschland auch auf den anderen Märkten zu schaffen, auf denen Bertelsmann vertreten ist. „Für uns sind Investitionen in lokale Inhalte entscheidend“, sagte Rabe. „Das unterscheidet uns von den globalen Plattformen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kandidatur für SPD-Vorsitz : Was will Stephan Weil?

          Noch hüllt er sich in Schweigen, aber bald wird sich Stephan Weil bekennen müssen: Tritt er für den SPD-Vorsitz an oder nicht? An der Entscheidung des Niedersachsen hängt viel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.