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Bertelsmann : Bereit für die Börse

Der Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe vor Beginn der Jahresbilanzpressekonferenz Bild: dpa

Europas größter Medienkonzern ändert die Rechtsform und öffnet sich so für externe Kapitalgeber. Der Einfluss der Familie Mohn bleibt gewahrt, der Vorstand gewinnt Spielraum für Akquisitionen.

          Die Vorbilder sind prominent: Henkel, Fresenius, Merck - diese börsennotierten Unternehmen haben die Rechtsform einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Künftig wird mit der Bertelsmann AG ein weiteres großes deutsches Unternehmen in dieser Rechtsform arbeiten. Dies ist weit mehr als eine Formalie. Der Schritt, den der neue Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe am Mittwoch in Berlin ankündigte, eröffnet Europas größtem Medienkonzern neue Wachstumsperspektiven. Als europäische Aktiengesellschaft SE & Co. KGaA kann Bertelsmann externe Kapitalgeber an dem Unternehmen beteiligen, ohne dass der Einfluss der Familie Mohn schwindet.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Liz Mohn, die Erbin des Firmenpatriarchen Reinhard Mohn, und weitere Familienmitglieder halten 19,1 Prozent des Konzerns; 80,9 Prozent liegen bei der Bertelmann-Stiftung (und zwei weiteren Stiftungen), die maßgeblich von der Familie gesteuert wird. An dieser Struktur und der Besetzung des Aufsichtsrats werde sich auch nach dem Rechtsformwechsel nichts ändern, sagte Rabe. Noch 2006 hatte Liz Mohn einen drohenden Börsengang durch den Rückkauf eigener Aktien verhindert, weil sie nicht an Einfluss verlieren wollte. Dafür musste der Konzern 4,5 Milliarden Euro bezahlen, was die Verschuldung enorm nach oben trieb.

          „Externe Wachstumschancen wahrnehmen“

          Künftig könnten sich Investoren von außen an der KGaA beteiligen, ohne dass diese Einfluss bekämen auf die geschäftsführende SE (Komplementärin). Man habe auch die Möglichkeit, Bertelsmann an die Börse zu führen, ohne dass dadurch die Prägung durch Familie und Stiftung verwässert werde, sagte Rabe. Ob und wann man von diesen neuen Möglichkeiten Gebrauch mache, hänge von den weiteren Akquisitionsplänen ab. Rabe will fortan jedenfalls „externe Wachstumschancen auch in großen Dimensionen wahrnehmen“. Dazu lässt ihm die mit wirtschaftlichen Schulden von 4,9 Milliarden Euro belastete Bilanz derzeit kaum Spielraum.

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          Der Nachfolger von Hartmut Ostrowski will Bertelsmann in den nächsten fünf bis zehn Jahren umbauen und breiter und internationaler aufstellen. Heute ist der Konzern auf vier großen Feldern unterwegs: im Fernsehen (RTL), im Buchgeschäft (Random House), im Zeitschriftengeschäft (Gruner + Jahr) und im Dienstleistungsgeschäft (Arvato). „In einigen Jahren könnte Bertelmann fünf bis sechs Divisionen haben“, sagte Rabe am Rande der Bilanzpressekonferenz. Ausbauen will er unter anderem das Geschäft mit Musikrechten und Bildung.

          Sichtbare Wachstumsschwäche

          Diese Strategie hängt zum einen damit zusammen, dass die Familie Mohn an der Diversifizierung ihres im Unternehmen gebundenen Vermögens interessiert ist. Zum anderen erklärt sie sich aus den Schwächen des bestehenden Beteiligungsportfolios, dessen Umsatz zu 80 Prozent aus Europa kommt, einer Region also, die auch längerfristig nicht mit hohen Wachstumsraten glänzen wird. Diese winken allerdings in China, Indien und Brasilien - und genau in diesen Ländern will Rabe künftig stärker Fuß fassen: „Wir werden den überwiegenden Teil unserer Mittel in Wachstumsregionen investieren.“

          Die seit Jahren erkennbare Wachstumsschwäche des Konzerns ist auch 2011 sichtbar geworden: Bereinigt um den weitgehenden Verkauf des darbenden Buchklubgeschäfts, ist der Umsatz nur um 1,2Prozent auf 15,3 Milliarden Euro gewachsen. Geplant waren 2 bis 3 Prozent. „Wir wollen die Wachstumsdynamik deutlich erhöhen“, sagte Rabe, ohne eine konkrete Zielmarke zu nennen. Obwohl Rabe auch einer weiteren Konsolidierung das Wort redete, laufen nach seiner Aussage derzeit keine Gespräche über den Verkauf von Unternehmensteilen. Seit 2006 habe man sich von Geschäften mit einem Umsatz von insgesamt 5 Milliarden Euro getrennt. Die Übung, ganze Geschäftsbereiche abzugeben, sei damit beendet.

          2011 hatte Bertelsmann negative Sondereinflüsse in Höhe von 303 Millionen Euro zu verkraften. Hauptverantwortlich hierfür waren die Restrukturierungskosten im Druckgeschäft und in der schrumpfenden CD- und DVD-Produktion sowie die hohen Verluste beim Ausstieg aus dem griechischen Fernsehgeschäft. Wegen der Sonderlasten sackte der Konzerngewinn nach Steuern um 7 Prozent auf 612 Millionen Euro ab. Rabe nannte dieses Ergebnis „enttäuschend“. Wegen deutlich geringerer Sonderkosten rechnet er im laufenden Jahr mit einem steigenden Nettogewinn.

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