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Wunderkind : Der Überflieger in Berlins Start-up-Szene

Im Fall der drei ehemaligen McKinsey-Berater ging es erst mal unglücklich los: Die erste Partnerbank, an die sie ihren Kunden verwiesen hatten, saß in Bulgarien, ausgerechnet. Als es dort den gesamten Bankensektor durchrüttelte, geriet zeitweilig auch die Fibank – Partner von Weltsparen – ins Trudeln. Deutsche Kunden bekamen kalte Füße, einige zogen schnell ihr Guthaben ab und brachten es daheim in Sicherheit. Verloren hat, zum Glück für Georgadze, am Ende keiner einen Cent.

So holprig ging es weiter. Die zweite Partnerbank fand Weltsparen in Portugal, ausgerechnet. Die Banco Esperito Santo musste kurz darauf vom Staat gerettet werden; sehr unschön auch dies. Allerdings betont Georgadze: „Auch dort hat niemand Geld eingebüßt.“ Die Kunden blieben ruhig. Ein Glück. Auch die vorwiegend angelsächsischen Investoren, die sein Start-up bisher mit 60 Millionen Euro ausgestattet haben, ließen sich von den Vorkommnissen nicht schrecken. Alles ging noch mal gut. Anstrengend war diese Phase für den Gründer dennoch, vielleicht rühren seine Geheimratsecken daher. Immerhin stand für ihn einiges auf dem Spiel, nicht nur sein eigenes Geld, auch Freunde hatten in seine Geschäftsidee investiert.

Heute verteilen sich die Banken, mit denen Weltsparen kooperiert, auf siebzehn EU-Staaten. Damit streuen Risiko wie Rendite. Die meisten Zinsen gibt es in Portugal (Haitong Bank) und Tschechien (Expobank) mit über einem Prozent für einjährige Spareinlagen, etwas weniger bieten Banken in Polen, Estland, Schweden. Märchenhafte Zinsen wie fünf Prozent der Kauphting Bank, die damit einst deutsche Sparer nach Island lockte, finden sich nirgendwo. Trotzdem warnen Verbraucherschützer die Anleger vor einem erhöhten Risiko bei Zinsportalen wie Weltsparen. Sollte eine der Partnerbanken kippen, sei nicht sicher, ob oder wann die Kunden ihr Geld wiedersehen.

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Dass Banken pleite gehen können, bestreitet Georgadze nicht, Angst müsse deswegen keiner seiner Kunden haben: Schließlich sind die Einlagen auf 100.000 pro Bank gedeckelt und somit durch den Einlagensicherungsfonds geschützt. Mit der Ausnahme von Estland gelte dies überall, beruhigt der Weltsparen-Chef, der seinen größten Hemmschuh gegenwärtig in der Europäischen Zentralbank ausmacht. Mit seiner hartnäckigen Nullzinspolitik gewöhne Mario Draghi den Leuten das Sparen ab, lautet sein Vorwurf: „Viele denken, es gibt keine Zinsen mehr da draußen, die lassen ihr Geld einfach auf dem Konto liegen.“ Kommt irgendwann die Zinswende, wird das sein Geschäft beflügeln, da ist er sicher. Nur fehlt ihm die Geduld, darauf tatenlos zu warten. Lieber schiebt er seine Firma raus aus der Spareinlagen-Nische. Vom nächsten Jahr an nimmt er Aktien und Unternehmensanleihen ins Angebot auf. Irgendwann sollen die Kunden dann alle Anlagebedürfnisse über seine Plattform abwickeln. Ein direkter Angriff auf Großkonzerne wie die Deutsche Bank: „Die sind zu groß, zu langsam, um da mitzuhalten“, prahlt Georgadze, das ehemalige Wunderkind.

Mit Anfang vierzig, so hat er sich vorgenommen, will er dann wieder Bilanz ziehen: War’s das schon? Kommt da noch was? Auch die Lernkurve als Unternehmer flacht schließlich mal ab. Die Politik würde ihn als neue Aufgabe reizen. Allerdings ist er nicht mehr so wagemutig wie früher. „Mit Frau und Kind wägt man die Risiken genauer ab.“ Und bald braucht er Zeit, um seinem Sohn das Schachspiel beizubringen. Das Kind ist zwei Jahre alt. „Das ist noch ein wenig zu früh.“ Allzu lange wird er trotzdem nicht warten mit der ersten Lektion. Das Tempo macht den Unterschied.

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