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Nur noch auf Platz drei : Berlin ist nicht mehr Europas Hauptstadt der Start-ups

Im europäischen Ländervergleich ist Deutschland beim Investitionsvolumen vom ersten auf den dritten Platz zurückgefallen – Großbritannien mit einem Volumen von 2,2 Milliarden Euro und Schweden mit 1,0 Milliarden Euro haben sich auf die Plätze eins und zwei geschoben.

Mit Abstand am meisten Kapital konnte der schwedische Musikstreamingdienst Spotify einsammeln (900 Millionen Euro). Der britische Flugsuchdienst Skyscanner (177 Millionen Euro) und das irländische Fin-Tech Future Finance Loan (154 Millionen Euro) folgen auf den Plätzen.

Fin-Techs bekommen am meisten Geld

Auch in Deutschland konnte mit Soundcloud ein Online-Musikdienst das meiste Risikokapital einsammeln - allerdings erhielt das Berliner Unternehmen mit wohl 62 Millionen Euro bedeutend weniger als Spotify. Die Münchener Xolution GmbH, ein Verpackungsspezialist, konnte in einer Finanzierungsrunde 45 Millionen Euro einsammeln. Ebenfalls aus München stammt das Fitness-Start-up E-Gym, das insgesamt 41 Millionen Euro erhielt.

Das meiste Geld in Deutschland floss im ersten Halbjahr in Fin-Tech-Unternehmen, die neue Geschäftsmodelle in einer sich digitalisierenden Finanzbranche suchen. Insgesamt kamen die Start-ups aus dem Bereich auf 229 Millionen Euro. Das bedeutet zwar einen leichten Rückgang gegenüber den 252 Millionen Euro im Vorjahr.

Allerdings überholen die Fin-Techs damit die Jungunternehmen aus dem e-Commerce-Bereich. Deren Investitionsvolumen ist - insbesondere aufgrund des Wegfalls der Großinvestitionen aus dem Rocket-Internet-Umfeld – von 1,4 Milliarden Euro auf 144 Millionen Euro gefallen.

Start-up Standorte in ganz Deutschland

Spitzenreiter blieb der E-Commerce-Sektor aber bei den Finanzierungsrunden: Mit 61 Runden im ersten Halbjahr 2016 lag er noch vor Software- und Analyseunternehmen (45 Runden) sowie Fin-Techs (25 Runden).

Berlin konnte sich trotz Rückgangs des Investitionsvolumens innerhalb Deutschlands zudem mit sehr weitem Abstand an der Spitze behaupten. In den meisten anderen Bundesländern stieg das Volumen zwar - aber auf einem deutlich niedrigeren Niveau.

Bayern folgt mit 194 Millionen Euro (153 Millionen Euro) auf Platz zwei vor Nordrhein-Westfalen mit 70 Millionen Euro (59 Millionen Euro). Hamburg, im Vorjahr noch auf dem zweiten Platz mit einem Volumen von 220 Millionen Euro, landet mit 52 Millionen Euro nur noch auf dem vierten Platz.

„Die Ökosysteme für Start-ups haben sich überall in Deutschland weiterentwickelt“, beobachtet Lennartz. „Das Erfreuliche an dieser Entwicklung ist, dass andere Start-up-Standorte in Deutschland nachziehen – neben den bereits starken Szenen in München und Hamburg ist insbesondere Nordrhein Westfalen dabei, aufzuholen.“

Brexit bringt zunächst kaum Veränderungen

Auswirkungen der Brexit-Entscheidung in Großbritannien auf die deutsche Start-up-Szene sieht Lennartz zunächst kaum: Er rechnet kurzfristig nicht mit zahlreichen Neuansiedlungen britischer Start-ups in Deutschland. Deutliche Verschiebungen könnte es nach seiner Einschätzung aber mittelfristig vor allem im Bereich der Finanzdienstleistungen geben:

„Derzeit ist London der wichtigste europäische Fin-Tech-Standort. Sollte den Fin-Tech-Unternehmen nach dem Brexit aber der Zugang zu den Verbrauchern in der EU versperrt sein, könnte dies ein wichtiger Grund sein, London zu verlassen oder zumindest eine Dependance in der EU zu gründen. Davon könnte in Deutschland neben Berlin auch Frankfurt profitieren.“

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