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Bergbau : Ein riskantes Spiel

Bild: F.A.Z.

China und Indien brauchen Kohle, Erz und Kupfer. Die auszugraben ist aber teuer. Also müssen die Rohstoffkonzerne nach Afrika, Indonesien oder in die Mongolei vordringen.

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          Wer im Geschäft mit Rohstoffen diesen Namen noch nicht kennt, wird ihn bald kennenlernen: Sriprakash Jaiswal will im Januar in die Offensive gehen. "Unsere oberste Priorität ist es, Kohlegruben zu kaufen", sagt der indische Minister für die Kohleversorgung. Deswegen reist er zu Jahresbeginn nach Südafrika, Botswana und Moçambique. Afrika und Indien sind jene zwei Spieler, die nun stärker in das Geschäft mit dem Bergbau einsteigen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Bislang hielt das Dreieck aus Australien sowie Südamerika als Lieferanten und China als Käufer den Aufschwung der Branche intakt. Nun stoßen die Inder dazu. Dafür spricht auch das harte Ringen um den australischen Kohlelieferanten Riversdale, dessen Vorkommen in Afrika liegen. Der australisch-britische Rohstoffriese Rio Tinto will ihn kaufen. Die Inder, die schon Anteile an Riversdale besitzen, halten dagegen.

          Gleichwohl bleibt der Bergbau auch in diesem Jahr von stabilen Wachstumsraten in China abhängig. Immerhin sind die Chinesen die wichtigsten Abnehmer von Kohle und Erz, mit denen sie ihre Stahlproduktion füttern. Deren Ausstoß wird getrieben von den Konjunkturspritzen des Staates, der die Wirtschaft auch in der Krise unter Dampf hält, um Arbeitslosigkeit und soziale Unruhen zu verhindern. Mehr und mehr aber erkennt Indien seinen Nachholbedarf: Allein in diesem Fiskaljahr werden Indien 83 Millionen Tonen Kohle fehlen. "Sie sind spät dran. Besser wäre es gewesen, sie hätten schon vor zehn Jahren mit Großübernahmen begonnen", sagt Phani Sekhar, Fondsmanager von Angel Broking in Bombay. Der Kohleverbrauch Indiens werde sich bis 2030 auf 2 Milliarden Tonnen im Jahr mehr als verdreifachen, sagt Jaiswal.

          Abbau von Eisenerz in Australien
          Abbau von Eisenerz in Australien : Bild: REUTERS

          Wo aber soll der zusätzliche Bedarf gedeckt werden? Die Konzerne haben große Regionen Australiens und Südamerikas unter sich aufgeteilt. Es bleibt die Flucht nach vorn, in die politisch und strategisch schwer zu erobernden Gebiete Indonesiens, der Mongolei und Afrikas. Rio Tinto, BHP Billiton, Xstrata oder die brasilianische Vale haben Kraft und Erfahrung, selbst in entlegenen Regionen Geschäfte zu betreiben. Den kleineren Firmen der Branche fällt das schwerer. Und dennoch dringen gerade sie in diesen Tagen auf den schwarzen Kontinent vor.

          "Der Bergbau hat die Jäger in den Unternehmen angezogen. Sie alle wollen sich extrem nachgefragte Rohstoffe sichern", fasst David Haddad von der Citigroup die Stimmung zusammen. Das wird immer schwerer: China ist als Investor und Mehrheitseigentümer immer weniger willkommen, hat aber tiefe Taschen. Die Rohstoffpreise und damit auch die Börsenkurse der Unternehmen erreichen Rekordstände - das macht Übernahmen teuer. Die Umweltauflagen steigen und lassen im Gleichschritt die Kosten steigen. Neue Vorkommen sind immer schwerer auszubeuten. Und die Abnehmer haben die strategische Bedeutung von Rohstoffen erkannt. Sie achten zunehmend darauf, dass die Marktmacht der Großen in der Branche nicht zunimmt. Die Konzerne zwischen Amazonas und Australien diktieren die Preise für rund drei Viertel des Weltverbrauchs an Kohle und Erz. Sie setzten durch, dass Preise für Erz nun im Monatsrhythmus ausgehandelt werden.

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