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Siemens-Kommentar : Kaeser und die Aktivisten

  • -Aktualisiert am

Weiß Joe Kaeser, was er tut? Bild: AFP

Der Siemens-Konzern ist nach dem Umbau de facto eine Holding. Damit ist der Weg frei für aktivistische Investoren. Versteht Joe Kaeser, was er da tut?

          Die Rede von Joe Kaeser bestand in erster Linie aus Eigenlob für den vorzeitig beendeten, erfolgreichen Umbau des Siemens-Konzerns, der im Vergleich zur Konkurrenz in einem Top-Zustand dasteht. Der Vorstandsvorsitzende hat, einer Kanzelrede gleich, Investoren und 370.000 Mitarbeitern die künftigen, neuen Konzern-Spielregeln eingebleut. „Nächste Generation Siemens“ bedeutet, dass es die schützende wie auch verbindende Hülle eines Konglomerats nicht mehr gibt.

          Siemens ist de facto eine Holding, mag Kaeser den Begriff auch scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Drei eigenständig agierende, wenn auch (noch) nicht rechtlich selbständige Einheiten betreiben operative Geschäfte, die anderen drei sind schon börsennotiert oder werden es künftig sein.

          Mit Details bleibt Kaeser indes unverbindlich. Nur eine Botschaft lässt aufhorchen: Die neue Strategie „Vision 2020+“ schaffe „Optionalitäten“. Siemens wird zu einem flexiblen Konstrukt, das nach Belieben variiert werden kann.

          Da fallen einem sofort die Namen Thyssen-Krupp und General Electric ein, die nun im Visier aktivistischer Investoren sind. Von denen ist Kaeser in fünf Jahren als Chef verschont geblieben, weil er unbestritten gute Arbeit gemacht hat. Warum, rätseln nun viele über die Strategie mit dem Pluszeichen, bereitet ausgerechnet er ihnen den Weg? Eine Antwort gibt er nicht – obwohl er sie kennt.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

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