https://www.faz.net/-gqe-7t2au

Benko und das Kaufhaus Tyrol : Die Glitzerwelt des neuen Karstadt-Eigners

  • -Aktualisiert am

Karstadt wird nicht komplett verschwinden

Alles ganz schön, aber auch nicht die Neuerfindung des Konsums, die sich so viele von jedem neuen Karstadt-Retter erhoffen. Eine moderne Shopping Mall in der Innenstadt eben. Das Besondere ist die sehr gute Lage, die häufig gerade Kaufhäuser kennzeichnet – und das Geschick Benkos, mit dem er Immobilien rund um das alte Kaufhaus zusammenkaufte und die Politik überzeugte, dass er komplett neu bauen durfte, um aus einem maroden Traditionshaus etwas viel Größeres zu machen.

Ist das jetzt das Konzept, das auch für viele Karstadt-Häuser funktionieren könnte: Immobilien rundherum dazukaufen, neu bauen, ein Shopping-Center daraus machen? Die Benko-Leute sind eifrig bemüht, diesen Eindruck zu vermeiden. Wieder und wieder betonen sie, das Tyrol sei alles, nur „keine Blaupause für Karstadt“.

Ein Karstadt-Haus gibt es allerdings schon, das in eine ähnliche Richtung gehen könnte – nur in weitaus größerer Dimension: am Kurfürstendamm in Berlin. Benko und zwei andere Investoren versuchen dort Gerüchten zufolge, einige Immobilien rundherum zu kaufen. Entstehen könnte ein riesiges Einkaufszentrum, mutmaßen Immobilienexperten. Einziger Beweis dafür, dass da etwas im Busch ist, ist allerdings bislang, dass die drei Investoren beim Kartellamt beantragt haben, das Karstadt-Gebäude am Ku’damm gemeinsam zu erwerben, das bislang Benko allein gehört.

Was so ein Einkaufszentrum für das Karstadt-Haus bedeuten würde, ist zudem unklar. Eigentlich läuft es am Ku’damm sehr gut. Dass Karstadt also komplett verschwindet wie das einstige Kaufhaus Tyrol in Innsbruck, ist unwahrscheinlich. Aber zwischen Kaufhaus und Shopping-Center sind natürlich alle möglichen Zwischenformen vorstellbar.

Umwandlung vom Kaufhaus zum Shopping-Center

Thomas Roeb, der sich an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg mit dem Einzelhandel befasst, kann sich gut vorstellen, dass Karstadt-Häuser von Benko „zumindest teilweise in Shopping-Center umgewandelt werden“. Denn die Zentren, wenn sie in guter Lage sind, funktionieren besser als die Kaufhäuser. Aus einem simplen Grund: „Sie sind professioneller“, sagt Roeb. Jeder Ladenbetreiber biete seine Warengruppe als Lebensaufgabe an. „Das klappt besser, als wenn einer versucht, alles zu tun.“ Das bestätigt eine Beobachtung, die viele Warenhaus-Besucher kennen: Die Esprit-Ecke im Karstadt ist oft schlechter als der Esprit-Laden ein paar hundert Meter weiter.

Ein deutscher Besucher, den wir im Kaufhaus Tyrol befragen, sieht es ebenso. „Im Kaufhaus habe ich ein halbes Stockwerk Herrenoberbekleidung mit 37 Sakkos und kann mich nicht entscheiden“, sagt Florian Schüle aus Ahrweiler. „In einem Geschäft, das meinem Stil entspricht, vielleicht nur drei oder vier, die mir aber gefallen.“

Für die Karstadt-Verkäufer sind solche Aussagen keine gute Nachricht. Denn eines ist klar: Je mehr ihr Kaufhaus zum Shopping-Center wird, desto mehr müssen sie um ihre Stelle fürchten. Denn Cos, H&M und Co. haben ihre eigenen Verkäufer. Die Karstadt-Betriebsräte sind nervös, wollen nichts Grundsätzliches sagen, bevor ein Konzept vorliegt. Schließlich gibt es auch Schätzungen, bis zu 20 Karstadt-Häuser seien so unrentabel, dass sie ganz geschlossen werden könnten. Im Vergleich dazu wäre jede Shopping-Center- Lösung die bessere.

Weitere Themen

Dax steigt auf Rekordhoch Video-Seite öffnen

Trotz Corona : Dax steigt auf Rekordhoch

Der Höhenflug an den Aktienmärkten hält an. Befeuert von soliden Firmenbilanzen stieg der Dax bis zum Freitagnachmittag um 1,2 Prozent auf ein Rekordhoch von 15.431,09 Punkten.

Topmeldungen

Die menschenleere Innenstadt von Hannover Anfang April: Die Ausgangssperre ist auch ein deutliche Zeichen an die Leichtsinnigen und Gleichgültigen.

Bundes-Notbremse : Leichtsinnige, Verbohrte, Gleichgültige

Es liegt nicht am „Versagen“ von Bund, Ländern und Kommunen, dass die Notbremse überfällig ist. Es liegt an widersprüchlichen Interessen, deren Gegensätze größer, nicht kleiner werden.
Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet

K-Frage der Union : Führende CDU-Politiker werben für Laschet

Besonders deutlich stellt sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hinter den CDU-Vorsitzenden. Inzwischen ist in der Partei allerdings zu hören, es werde „eng“ für Laschet. Eine Entscheidung am Samstag wird für möglich gehalten.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.