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Believe-Chef Ladegaillerie : „Wir kämpfen um lokale Künstler, nicht um Ed Sheeran“

Einst im Dienste von Vivendi: Denis Ladegaillerie nimmt mit Believe vor allem lokale Künstler ins Visier. Bild: Believe

Der ehemalige Vivendi-Manager Denis Ladegaillerie hat Believe als Service-Anbieter für selbständigere Musiker etabliert und an die Börse gebracht. Für die Zukunft des Streaming wünscht er sich einschneidende Veränderungen.

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          Ein ganzes Arbeitsleben in der Musikindustrie: Im Gegensatz zu Universal-Music-Chef Lucian Grainge, der einst als Talentsucher startete, oder seinem britischen Landsmann auf Sony-Music-Seite, Rob Stringer, kann Denis Ladegaillerie das nicht von sich behaupten. „Ich komme von der technischen Seite des Geschäfts“, sagt der 52 Jahre alte Franzose. Ausgebildet unter anderem an der renommierten Sciences Po, arbeitete er zunächst als Wirtschaftsanwalt in New York.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Rund um den Jahrtausendwechsel seien viele seiner Freunde dann von großen Kanzleien zu Internet-Start-ups gewechselt. Er wiederum heuerte bei Vivendi an und fungierte von 2001 an als Strategie- und Finanzchef für das Digitalgeschäft in den USA. Universal Music war da schon Teil des Vivendi-Portfolios, nachdem die Franzosen die Universal-Music-Muttergesellschaft Seagram gekauft hatten. Mitte 2001 übernahmen sie zudem die zuvor noch verklagte digitale Musikplattform MP3.com. Die Station beschreibt Ladegaillerie heute als digitale musikalische Früherziehung. Mit der Erfahrung im Rücken beendete er die Vivendi-Episode und gründete 2005 mit zwei Mitstreitern Believe .

          „Believe ist im Prinzip seit Tag eins profitabel“

          Seit knapp einem Jahr an der Pariser Euronext notiert, ist das Unternehmen heute einer der führenden Anbieter von „Artist & Label Services“. Als solcher konzentriert sich Believe nicht auf die Rechte-Auswertung eines riesigen Katalogs und macht auch kaum Rundumverträge mit Künstlern, sondern agiert – wie der Name schon sagt – als bloßer Serviceanbieter. Das beginnt beim reinen (Digital-)Vertrieb und reicht bis hin zu einzelnen Marketingaufgaben oder der kompletten Kampa­gnenbetreuung. Je nachdem, was ein Künstler oder ein Indie-Label eben benötigt und nicht selbst in die Hand nehmen kann oder will. Die digitalen Möglichkeiten in einem vom Streaming geprägten Markt machen vieles einfacher. 2005 sah das anders aus.

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          „Anfangs haben viele nicht an die Digitalisierung des Marktes geglaubt“, sagt Ladegaillerie. Ehemalige Vivendi-Kollegen hätten damals im Prinzip den Standpunkt vertreten: „Personalisierung wie Handy-Klingeltöne, darin liegt die Zukunft der Musikindustrie.“ Das sei damals tatsächlich die dominante Idee gewesen. Er selbst habe aus seiner Vivendi-Zeit drei Ideen mitgenommen: die perspektivische Digitalisierung des Marktes, die Demokratisierung des Zugangs durch günstigen und unkomplizierten Digitalvertrieb und zu guter Letzt Künstleraufbau durch neue digitale Wege. Bis der globale Markt für Musikaufnahmen durch das Aufkommen des Streamings wieder wachsen würde, sollte es allerdings bis 2015 dauern.

          Starkes Umsatzwachstum, überschaubare Marge

          Finanziert habe er das Unternehmen zunächst selbst, sagt Ladegaillerie. Abgesehen von 2020, „wo wir trotz etwas geringeren Wachstums weiter investiert haben, und 2021, dem Jahr, in dem die Kosten des Börsengangs angefallen sind, ist Believe im Prinzip seit Tag eins profitabel“. Mit so einer Bilanz sei es nicht schwer gewesen, 2015 TCV, damals schon investiert in Spotify oder Netflix, zum Einstieg zu bewegen. Eine klassische Finanzierungsrunde habe es nie gegeben. Rund 41 Prozent der Anteile hält der amerikanische Wagniskapitalgeber heute, Ladegaillerie 12,6 Prozent.

          Nach wie vor wächst Believe stark. Ein Plus von knapp 30 Prozent auf 577 Millionen Euro Umsatz waren es 2021 im Vergleich zum Vorjahr. Ein deutlich stärkerer Zuwachs als die 18,5 Prozent, um die der globale Markt für Musikaufnahmen zulegte – worauf Ladegaillerie gerne hinweist: „Wir halten Wachstumsraten in der Spanne von 20 bis 25 Prozent für die nächsten Jahre für realistisch, da unsere Kernmärkte noch nicht so stark durchdrungen sind wie die USA oder Großbritannien.“ Zudem gewinne man Marktanteile hinzu, da Musiker mehr selbst in die Hand nehmen und mehr Kontrolle über ihr Schaffen haben wollten. Neben dem asiatischen Raum stehen Frankreich und Deutschland als die wichtigsten einzelnen Länder besonders im Fokus.

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