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Neue Kanzleiallianz : Der Name Beiten Burkhardt ist Geschichte

Beiten Burkhardt hat den Münchner Kanzleimarkt mehr als 30 Jahren mitgeprägt. Nun will die Kanzlei mit der Dachmarke Advant ein neues Kapitel aufschlagen. Bild: dpa

Die traditionsreiche Wirtschaftskanzlei will mehr Präsenz im globalen Markt. Mit Anwälten aus Italien und Frankreich schmiedet Beiten Burkhardt eine Allianz – und tritt unter einem neuen Namen auf.

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          Im europäischen Anwaltsmarkt gehen drei bekannte Wirtschaftskanzleien eine Allianz miteinander ein. Unter der Dachmarke ADVANT arbeitet die deutsche Großkanzlei Beiten Burkhardt von heute an mit der italienische Sozietät NCTM und der französischen Kanzlei Altana enger zusammen. Unter der Rechtsform eines Schweizer Vereins bleibt die finanzielle Unabhängigkeit der ADVANT-Partner erhalten. Zusammen kommen sie auf 600 Berufsträger, davon 140 Voll-Partner und einen Gesamtumsatz von 216 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020.

          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Unsere Kanzleien arbeiten bereits seit vielen Jahren vertrauensvoll zusammen. In dieser Zeit hat sich gezeigt, dass unsere Werte und unsere Vision für die Zukunft sehr gut übereinstimmen“, sagt Philipp Cotta, Kartellrechtler und derzeit Managing Partner von Beiten Burkhardt. Im Zuge des Markteintritts führen die drei Partner ADVANT in ihren jeweiligen Kanzleinamen – so firmiert die deutsche Kanzlei ab sofort unter dem Namen ADVANT Beiten. Mit NCTM, die in ihrem Heimatmarkt wiederholt als expansionsfreudige Einheit auffiel, verbindet ADVANT Beiten eine langjährige Zusammenarbeit in Mandaten. Hingegen haben sich die Kontakte zu Altana erst in den Überlegungen zur Gründung einer gemeinsamen Dachorganisation vertieft.

          In den Vorstand des Schweizer Vereins entsendet jede Mitgliedkanzlei zwei Vertreter, dem Gremium steht turnusmäßig auch ein Präsident vor. Dieses Amt wird zunächst der ADVANT Beiten-Partner Cotta aus München heraus übernehmen. Es ist ein erklärtes Ziel weitere Mitgliedskanzleien aus anderen europäischen Volkswirtschaften anzusprechen. Das Augenmerk soll demnach auf Benelux, Spanien und Skandinavien liegen.

          International, aber unabhängig

          Mit ihrem Schritt zur engeren internationalen Zusammenarbeit gehen die ADVANT-Kanzleien einen ähnlichen Weg wie die französische Kanzlei Fidal und ihr deutscher Partner Luther im Frühjahr. Beide Sozietäten riefen die Organisation Unyer ins Leben, die ebenfalls um neue Mitglieder wirbt. Ebenfalls am Mittwoch gab Luther bekannt, für Unyer die italienische Kanzlei Pirola Pennuto Zei & Associati als neues Mitglied gewonnen zu haben. Mit zuletzt 135 Millionen Euro ist Pirola eine der umsatzstärksten Kanzleien in Italien.

          Nach dem Brexit und infolge der Globalisierung der Rechtsberatung sind tragfähige Kontakte für unabhängige Wirtschaftskanzleien wichtiger denn je geworden. Wer sich gegen die Fusion mit einer angloamerikanischen Kanzlei entschloss, wählte bislang häufig ein globales Kanzleinetzwerk wie etwa Lex Mundi oder traf Vereinbarungen mit einer Reihe befreundeter Kanzleien. 

          Mit Advant kommen die drei Gründungsmitglieder nun auf 11 Standorte in Europa sowie Büros in Schanghai und Peking. Dass eine weitere Expansion durchaus ein Treiber für die ADVANT-Kanzleiallianz war, gesteht Managing Partner Cotta im Gespräch mit der F.A.Z. ein: „Mit der Hilfe unserer Dachmarke wollen wir auch unser Geschäft in wichtigen Märkten wie Nordamerika und Asien stärken und dort visibler werden.“

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          Gerade für Beiten Burkhardt ist die Neufirmierung und stärkere globale Ausrichtung ein immenser Schritt. Mit knapp 31 Jahren ist sie mit deutlichen Abstand unter den ADVANT-Partnern am längsten am Markt. In Deutschland wird sie häufig als Wirtschaftskanzlei aus München wahrgenommen, dort hat sie auch einen bedeutenden Standort mit wichtigen Fachbereichen wie Gesellschafts- und Arbeitsrecht soweit Konfliktlösung. Von der Isar aus begann von 2002 an die Loslösung aus der engen Zusammenarbeit mit der Big-Four-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Doch erst 2004 kam es aufgrund der Regelverschärfungen für multidisziplinäre Einheiten wie etwa den „Sarbanes-Oxley-Act“ zu einer vollständigen Trennung. Über die Jahre wuchs Beiten Burkhardt zu einer fachlich breit aufgestellten Kanzlei mit aktuell 265 Rechtsanwälten, ein Kennzeichen war zudem ihre Arbeit in Osteuropa und Russland, wo die Kanzlei eigene Standorte unterhält.

          Hilfe im Bewerbermarkt

          Diese Ausrichtung hat junge Anwälte angesprochen, die sich vor allem auf dieses Geschäftsfeld spezialisieren wollten. Dass ADVANT Beiten auch über sehr gute Kontakte in Nordamerika verfügt, war bislang weniger bekannt. Zuletzt sind die Zahlen deutscher Jura-Absolventen rückläufig, der Wettbewerb um guten Kanzleinachwuchs hat zugenommen. Auch hier soll die neue Dachmarke ein Türöffner sein, wünscht sich Cotta. „Die internationale Präsenz durch ADVANT wird uns künftig auch bei der Rekrutierung von Nachwuchsjuristen helfen. Viele Berufsanfänger orientieren sich heutzutage an den Marken, die internationale Kontakte und damit globales Arbeiten versprechen. Als deutsche Kanzlei sehen wir hier noch erhebliches Potential“, sagt der Managing Partner von ADVANT Beiten der F.A.Z. 


          In Umfragen von Karrierenetzwerken und Fachpublikationen stehen in der Gunst der Berufsanfänger regelmäßig die bekannten Kanzleimarken wie Freshfields, CMS, deutsche Automobilkonzerne wie Daimler oder das Auswärtige Amt weit oben. Dann erst folgen mit Abstand deutsche Großkanzleien.

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