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Vorbild für andere Unternehmen : Der etwas andere Hoodie-Hersteller

  • -Aktualisiert am

Humanes Kapital: bei Wasni in Esslingen Bild: Verena Müller

Bei Wasni stellen Menschen mit und ohne Behinderung Kleidung her. Der Gründer will zeigen, dass man auf diese Weise auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann.

          3 Min.

          In Esslingen am Neckar befindet sich seit fünf Jahren in der Küferstraße nahe der Altstadt Wasni. Wasni bedeutet „Wenn anders sein normal ist“ und ist eine Marke der Kowas gGmbH. Daniel Kowalewski, Betriebswirt und Gründer von Wasni, arbeitete zuvor als Abteilungsleiter bei Carl Zeiss. „Ich hatte mich innerlich schon lange entschlossen, etwas ganz anderes zu machen, als ich im Radio einen Beitrag zum einjährigen Jubiläum des Bundesfreiwilligendienstes hörte.

          Es wurde berichtet, dass sich hier Menschen jeden Alters engagieren können“, erzählt der Mitvierziger. Und so arbeitete er an einer Schule für Kinder mit Behinderung. „In dieser Zeit habe ich festgestellt, dass eine Lücke zwischen den Werkstätten für Menschen mit Behinderung und den klassischen Unternehmen klafft“, erzählt er.

          Nach dem Gesetz müssen Arbeitgeber mit mehr als 20 Mitarbeitern mindestens 5 Prozent ihrer Arbeitsplätze an Schwerbehinderte vergeben. Tun sie das nicht, ist eine Ausgleichsabgabe fällig, die zwischen 125 und 320 Euro je Monat beträgt. Kowalewski wollte ein Vorbild für andere Unternehmen sein und gründete ein Inklusionsunternehmen.

          Aus fair hergestellter Biobaumwolle

          Bei Wasni arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung, die Behinderung spielt keine Rolle. Sein Ziel ist, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für Menschen zu schaffen, die es schwer auf dem Arbeitsmarkt haben. Damit sei Wasni das erste Inklusionsunternehmen, das in Deutschland Kleidung herstellt.

          Die Sweatshirts werden in Esslingen hergestellt. Den Stoff aus fair hergestellter Biobaumwolle kauft man vom Berliner Großhändler Lebenskleidung. In der Herstellung von Biobaumwolle kommen keine giftigen Chemikalien zum Einsatz, und der Wasserverbrauch ist deutlich unterdurchschnittlich. Weitere Produkte, zum Beispiel Nähgarn und Reißverschlüsse, bezieht man von Unternehmen, die in Deutschland produzieren. Auch dabei achtet Kowalewski auf einen fairen Umgang mit Mensch und Natur. Den kürzesten Transportweg haben die Etiketten des schwäbischen Unternehmens Glücksband aus dem 20 Kilometer entfernten Göppingen.

          Wasni stellt verschiedene Modelle von Sweatshirts, Sweatjacken und Kapuzenpullovern her, die an die Körpermaße der Kunden angepasst werden können. „Vor der Firmengründung hatte ich keine Ahnung von Textilverarbeitung“, sagt Kowalewski. Im Frühjahr 2017 sammelte man über eine Crowdfunding-Kampagne 28.500 Euro ein. Ein Teil floss in den Kauf eines Online-Konfigurators. Die Produkte kosten zwischen 29 und 92 Euro. Die Größen beginnen mit der Kindergröße 86 und enden mit der Herrengröße XXXXL.

          Mehr Präsenz in den sozialen Medien

          Sucht ein potentieller Kunde bei Google nach einem Hoodie, werden ihm zuerst Amazon, Zalando und Otto vorgeschlagen. „Wasni hat hier kaum eine Chance, an oberster Stelle zu erscheinen“, sagt Kowalewski. Außerdem würden nur 1 bis 3 Prozent der Besucher der Internetseite zu Käufern. Der Unternehmer will nun die Präsenz in den sozialen Medien verstärken.

          Das Konzept von Wasni spricht vor allem Kunden an, denen Nachhaltigkeit am Herzen liegt und die sich über die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie in Indien und Bangladesch Gedanken machen. Auch Menschen mit Übergrößen zählen zum Kundenkreis. „Ich sehe ganz häufig, dass Mundpropaganda von zufriedenen Kunden die beste Werbung ist, um neue Kunden zu akquirieren“, sagt Kowalewski. „Diese Zielgruppen sind dann auch bereit, den etwas höheren Preis für die fair und in Deutschland hergestellte hochwertige Oberbekleidung zu zahlen.“

          Kowalewski macht es betroffen, wenn er in der Zeitung liest, dass sich die Schülerfirma eines Esslinger Gymnasiums für Kapuzenpullover mit dem Schullogo aus Preisgründen gegen Textilien aus fairem Handel entschieden hat. „Wer sich über die konventionelle Textilindustrie informiert, stellt fest, dass diese als die zweitschmutzigste nach der Ölindustrie gilt.“

          Kleinwuchs brachte zum Nähen

          Das Unternehmen möchte auch im Bereich Team- und Firmenbekleidung Fuß fassen. Deshalb verspricht Wasni eine Lieferung ohne Mindestbestellmenge innerhalb von 2 bis 3 Wochen. Als Referenzkunde wird das Naturkosmetik- und Arzneimittelunternehmen Weleda aus Schwäbisch Gmünd genannt.

          Nadine Feist ist Modedesignerin und Maßschneiderin und von Anfang an bei Wasni dabei. „Aufgrund meines Kleinwuchses lernte ich schon früh von meiner Mutter, wie ich meine Kleidung anpasse. So habe ich mit dem Nähen angefangen“, erzählt sie. Das Team besteht aus sieben Mitarbeitern, gut die Hälfte hat eine Schwerbehinderung. Man möchte weiter wachsen, um mehr Menschen mit Handicap einen sicheren Arbeitsplatz zu geben.

          Stellt das Unternehmen Mitarbeiter ein, die vorher arbeitslos waren, zahlt die Arbeitsagentur bis zu 60 Monate einen Eingliederungszuschuss. Die Höhe ist abhängig von der Behinderung und kann bis zu 70 Prozent des Arbeitsentgeltes betragen. Wenn dieser Eingliederungszuschuss ausläuft, folgen Verhandlungen mit dem Integrationsamt. Im Fall von Yaprak Cukurova, einer gehörlosen Mitarbeiterin, wurde er fortgeführt, berichtet Kowalewski.

          Auch besondere Investitionen wie höhenverstellbare Schreibtische und eine spezielle Druckerpresse, die nicht piepst, sonders ein visuelles Signal gibt, wenn sie fertig ist, wurden bezuschusst. Kowalewski berichtet, dass der Umsatz 2019 um 22 Prozent auf 200.000 Euro gestiegen ist und die Löhne auf bis zu 12 Euro erhöht werden konnten.

          Man investiert in zwei neue Nähmaschinen. Sein Ziel sei nicht, der größte Hoodie-Hersteller in Deutschland zu werden, aber vielleicht der nachhaltigste. Gemeinwohl gehe ihm vor Gewinnmaximierung. „Ich möchte beweisen, dass es möglich ist, Menschen mit Behinderung oder persönlichen Einschränkungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren und gleichzeitig erfolgreich zu wirtschaften – und zwar langfristig.“

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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