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Wegen Lieferstopp : Golf-Produktion steht bald für mehrere Tage still

Die Embleme für den Golf bleiben in Wolfsburg bald erst einmal liegen. Bild: Reuters

In Emden hat Volkswagen jüngst Kurzarbeit angemeldet. Jetzt muss der Konzern wegen des Streits mit einem Zulieferer die Golf-Produktion in Wolfsburg schließen - und ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht.

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          Ein Streit zwischen Volkswagen und der Wolfsburger Auto-Zulieferer-Gruppe Prevent hat für Volkswagen dramatische Konsequenzen. In der nächsten Woche werden im Stammwerk von VW in Wolfsburg keine Golf und keine Sportsvan vom Band rollen, bestätigte ein Sprecher des Unternehmens am Donnerstagabend. Die anderen Zulieferer wurden schon in einem internen Schreiben über den Produktionsstop informiert. Nachdem die sächsische Prevent-Tochter ES Automobilguss ihre Lieferungen gestoppt hat, fehlt dem Unternehmen im Kasseler VW-Werk der Nachschub an Getriebeteilen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Damit wird es nicht nur eng für das Stammwerk in Wolfsburg, sondern auch für andere Standorte. In Kassel montiert VW jährlich zwei Millionen Schalt- und Automatikgetriebe für Fahrzeuge des Konzerns. Die Hälfte aller Getriebe für Volkswagen werde in der nordhessischen Stadt gebaut, hieß es. Ob VW den Produktionsstopp über Kurzarbeit für einen Teil der 20000 Beschäftigten in Wolfsburg auffangen will, ist nach Angaben des Sprechers noch nicht entschieden.

          Am Donnerstag musste VW schon fast 8000 der 9000 Arbeiter in seinem Werk in Emden in den Zwangsurlaub schicken. Auch dahinter steckt der Konflikt mit Prevent und einem Tochterunternehmen der Gruppe. Seit einiger Zeit schickt die Zulieferfirma Car Trim aus Sachsen keine Sitzbezüge mehr an die VW-Tochtergesellschaft Sitech in Emden, die Autositze für VW-Modelle fertigt. Car Trim ist vom Gericht zwar per einstweiliger Verfügung aufgefordert worden, die Lieferungen wiederaufzunehmen, das Unternehmen liefert aber trotz der Gerichtsentscheidung nicht. Kurzarbeit ist die Folge. In Emden montiert VW den Passat.

          Gescheitertes Projekt Grund für den Streit?

          Der Lieferstopp von ES Automobilguss und die Zwangspause für die Golf-Produktion trifft VW heftiger als die fehlenden Sitzbezüge für den Passat. Prevent scheint mit dem zweiten Lieferstopp den Druck auf den Wolfsburger Konzern verstärken und den Konflikt bewusst eskalieren zu wollen. Im Streit zwischen beiden Unternehmen geht es nach Angaben eines Gerichtssprechers um ein anderes, gescheitertes Projekt.

          „Es werden Ansprüche geltend gemacht, die aus einer anderen, letztlich nicht zustande gekommenen Geschichte hergeleitet werden“, sagte er. Auch ES Automobilguss wurde mittlerweile per gerichtlicher Verfügung aufgefordert, seine Lieferungen an VW wiederaufzunehmen. Das Unternehmen hat dagegen aber Widerspruch eingelegt, über den Ende August vor dem Landgericht Braunschweig verhandelt werden soll.

          Mysteriös bleibt, worum es in diesem Streit zwischen beiden Unternehmen geht. Prevent lehnte am Donnerstag zunächst jede Stellungnahme ab, eine für den Abend angekündigte Erklärung ließ auf sich warten. Auch VW äußerte sich zum Hintergrund der Auseinandersetzung nicht. Die beiden Tochterunternehmen, mit denen VW nun Ärger hat, gehören erst seit einigen Monaten zu der Prevent-Gruppe.

          Thema Kurzarbeit in Wolfsburg wird ausdrücklich vermieden

          Der NDR berichtete, Hintergrund des Lieferstopps solle ein Preiskampf zwischen VW und Prevent sein. Viele Zulieferbetriebe klagen über den Preisdruck, den große Autokonzerne auf die oft mittelständischen Zulieferbetriebe ausübten. VW steht wegen des Abgasskandals finanziell besonders stark unter Druck, Kosten zu senken.

          Volkswagen bemühte sich am Donnerstag sichtlich, den Konflikt öffentlich nicht anzuheizen. Auch das Thema Kurzarbeit in Wolfsburg wird in einer Stellungnahme des Unternehmens ausdrücklich vermieden. „Da die weitere Entwicklung derzeit nicht absehbar ist, prüfen wir für Teilbereiche der Produktion am Standort Wolfsburg Flexibilisierungen der Arbeitszeit“, hieß es nur.

          Inoffiziell wurde dennoch bestätigt, dass die Werksleitung prüfe, auch für das Stammwerk Kurzarbeit anzumelden. Dass VW die Golf-Produktion nun nächste Woche stoppt, zeigt, dass ein Ersatz so schnell nicht zu finden ist. In der Autoproduktion gibt es keine große Lagerhaltung mehr, Zulieferungen kommen mit kurzem Vorlauf zur Produktion. Ob und wie schnell andere Zulieferer die Lücke füllen können, die die Prevent-Gruppe mit ihrem Lieferstopp schafft, ist unklar.

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