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Procter & Gamble : „Es gibt keinen globalen Konsumenten“

Alex Keith Bild: P&G

Alex Keith ist die Vorsitzende von Procter & Gamble Beauty. Im Gespräch spricht Sie über Konkurrenten Coty, die zukünftige Strategie – und warum Sie nicht unbedingt mit Influencerin Kylie Jenner zusammenarbeiten würde.

          4 Min.

          Frau Keith, Sie sind die einzige weibliche Vorsitzende (CEO) in einem großen globalen Schönheitspflegeunternehmen. Wie fühlt sich das an?

          Stefanie Diemand

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Ich bin seit mehr als 30 Jahren bei Procter & Gamble, und diese Position war schon immer mein Traumjob. Es ist eine große Ehre, aber auch eine große Verantwortung. Nicht nur gegenüber meinen Mitarbeitern, sondern auch gegenüber allen Frauen auf der Welt.

          Ist es nicht komisch, dass hauptsächlich Frauen Schönheitspflegeprodukte kaufen, aber die Unternehmen meist von Männern geführt werden?

          Nicht unbedingt, erstens kaufen unsere Produkte auch viele Männer. Zweitens können sowohl Frauen als auch Männer erfolgreich ein Unternehmen führen. Die besten Teams sind sowieso divers. Sie repräsentieren unsere Konsumenten wirklich.

          Procter & Gamble wurde noch nie von einer Frau geführt. Sie werden jetzt schon als nächste Chefin des Gesamtkonzerns gehandelt. Ist Ihnen das recht?

          Das liegt nicht in meinen Händen. Ich fokussiere mich vor allem auf meine jetzige Aufgabe. Aber lassen Sie es mich so sagen: Ich fordere täglich mehr von mir.

          Sie haben vor einigen Jahren alle dekorativen Kosmetikmarken wie Covergirl oder Max Factor an Coty verkauft. Wirklich erfolgreich sind diese nicht. Sind Sie froh, die losgeworden zu sein?

          Wir haben damals eine klare Entscheidung getroffen. Uns ging es nicht darum, einzelne Marken zu verkaufen, sondern ganze Produktkategorien, in denen wir unsere Stärken nicht voll zur Geltung bringen konnten. Wir wollten uns auf Produkte fokussieren, bei denen wir unsere Stärken als Unternehmen einsetzen konnten, um innovative Waren zu entwickeln, die Menschen gern täglich verwenden. Diese Kriterien hat die Kosmetiksparte nicht erfüllt. Wenn ich mir unsere Geschäftsergebnisse anschaue, dann bin ich froh über die Entscheidung. Zu anderen Unternehmen möchte ich nichts sagen, aber zumindest für uns war die Entscheidung richtig.

          Jetzt besitzen Sie überhaupt keine Kosmetiklinie mehr. Könnte sich das in Zukunft ändern?

          Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir das nicht vorstellen. Wir wollen uns auf unser Portfolio, also die Bereiche Schönheitspflege, Körperpflege und Haarpflege, fokussieren. Wenn wir Marken zukaufen, dann in diesen drei Bereichen.

          Und Sie erwerben nicht gerade wenige Start-ups.

          Die Branche ist stark fragmentiert, es gibt also sehr viele junge Marken. Das liegt auch daran, dass man als Gründer relativ leicht in den Markt eintreten kann. Und ja, wir haben einen Blick auf solche jungen Unternehmen. Immer dann, wenn diese auf irgendeine Weise einzigartig und innovativ sind und etwas machen, was wir selbst nicht so schnell hinbekommen würden. So haben wir vor kurzem zum Beispiel die Deomarke Native erworben.

          Was ist denn an Deos innovativ?

          Deos von Native sind aluminiumfrei. In Amerika gibt es ein wachsendes Interesse an Antitranspiranten ohne Aluminium.

          Procter & Gamble verkaufte seine Marken stets auf der ganzen Welt. Sehen Sie in allen erworbenen Start-ups globales Potential?

          Wir wollen nicht alle unsere Marken zu großen globalen Marken aufbauen. Heute schauen wir viel stärker auf die Unterschiede zwischen den Konsumenten und wie wir am besten ihre Bedürfnisse in den unterschiedlichen Märkten befriedigen können.

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