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F.A.Z. exklusiv : Berater BCG stellt 750 neue Mitarbeiter in Deutschland ein

Carsten Kratz Bild: CHRIS TILLE

Die Boston Consulting Group wächst hierzulande. Im kommenden Jahr hat sie Großes vor. Im Gespräch mit der F.A.Z. erklärt der Deutschland-Chef, was dahintersteckt.

          2 Min.

          Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group will nach Jahren des Wachstums die Zahl ihrer Neueinstellungen in Deutschland und Österreich im kommenden Jahr abermals erhöhen. „Wir planen, insgesamt 750 neue Mitarbeiter einzustellen, etwa zwei Drittel davon Berater“, sagt der scheidende BCG-Deutschland-Chef Carsten Kratz im Gespräch mit der F.A.Z: „Das sind so viele wie noch nie.“

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Weil in der Branche traditionell eine hohe Fluktuation unter den Mitarbeitern üblich ist, dürfte etwa die Hälfte der Neueinstellungen nötig sein, um schon vorhandene Stellen neu zu besetzen, die andere Hälfte dürfte echtes Wachstum sein. Schon in den beiden vergangenen Jahren hatte das Beratungshaus jeweils ungefähr 500 Mitarbeiter neu eingestellt. BCG beschäftigt rund um die Welt 16.000 Mitarbeiter – Schätzungen zufolge davon rund 2600 in Deutschland.

          Kratz selbst wird im Frühjahr seinen Posten als Deutschland-Chef nach sechs Jahren im Amt räumen. Wer sein Nachfolger wird, ist noch nicht entschieden. BCG-Europa-Chef Christoph Schweizer und der globale BCG-Chef Rich Lesser wollen die Personalie aber noch vor Weihnachten entscheiden und verkünden. Kratz muss den Posten des Deutschland-Chefs abgeben, weil nach den internen Regeln für die Landeschefs nur zwei dreijährige Amtszeiten erlaubt sind.

          Dass er das Unternehmen im kommenden verlässt, gilt aber als unwahrscheinlich. In einer internen E-Mail an die Mitarbeiter hatte Europa-Chef Christoph Schweizer vor einigen Wochen für Kratz den Posten eines BCG-Chairmans in Deutschland ins Gespräch gebracht. Der Posten müsste allerdings erst neu eingerichtet werden. Bislang ist auch hier noch keine endgültige Entscheidung gefallen.

          Der Abstand zum Erzrivalen verringert sich

          Der Industriespezialist Kratz, der seine BCG-Karriere 1990 im Münchener Büro begann, hat in den vergangenen Jahren vor allem das Geschäftsfeld „Digital Analytics“ vorangetrieben und ausgebaut. Damit will BCG Kunden helfen, die Schätze in ihren immer größer werdenden Datenmassen zu heben. Der Plan ging auf. Der Umsatz der Landesgruppe Deutschland und Österreich ist von rund 510 Millionen Euro im Jahr 2013 auf schätzungsweise 930 Millionen Euro im Jahr 2018 gestiegen.

          Dazu haben starke Tochterunternehmen beigetragen, die in den vergangenen Jahren neu entstanden sind oder zugekauft wurden – etwa die Datenanalyse-Tochter Gamma, die Einkaufsberatung Inverto oder der Digitalableger „Digital Ventures“, für den Kratz den früheren Deutschland-Chef von Ebay und Xing zurück zu BCG geholt hat. Erst im vergangenen Frühjahr öffnete in Berlin das erste Büro der BCG-Tochtergesellschaft Brighthouse, das Unternehmen bei der Sinnsuche helfen soll, neudeutsch nennt sich das neue Geschäftsfeld „Purpose-Beratung“.

          Auch die Zahl der BCG-Partner, wie die Teilhaber von Beratungshäusern genannt werden, hat sich in dieser Zeit von 110 auf mehr als 155 erhöht. Der Abstand zum Erzrivalen McKinsey hat sich verringert. „Wir gehen davon aus, dass unser Anteil im Markt für Premiumberatung in Deutschland mittlerweile bei etwa 25 Prozent liegt“, sagt Carsten Kratz. Damit ist BCG hierzulande Schätzungen von Branchenexperten zufolge sogar fast gleichauf mit McKinsey, der auf der Welt führenden Nummer eins unter den Strategieberatern. Genaue Zahlen zu Marktanteilen in einzelnen Ländern gibt es nicht, da das Beratungsgeschäft international geprägt ist und Beratungen ihren Umsatz in der Regel nicht auf regionaler Ebene veröffentlichen.

          Weniger Erfolg hatte Kratz in seinem Bestreben, den Frauenanteil unter den Partnern auszubauen. Noch immer sind lediglich 10 Prozent der BCG-Partner weiblich. Immerhin liegt der Frauenanteil unter den gewöhnlichen Beratern mittlerweile bei 25 Prozent, bei den Neueinstellungen sogar bei 35 Prozent. Den Frauenanteil auf den höheren Hierarchiestufen anzuheben sei schwierig: Oft seien die Frauen in den Studienfächern, aus denen Berater vorrangig rekrutiert werden wie Wirtschaft und Naturwissenschaften, schon unter den Absolventen unterrepräsentiert. Das Problem werde später noch heikler: „Viele unserer besten Frauen werden von Headhuntern angesprochen“, sagt Kratz.

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